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Ungewohntes Großaufgebot: Nach dem Doppelmord war die Polizei viele Wochen in Höfen präsent. 

Gewaltverbrechen endgültig aufgeklärt

Genugtuung: So reagiert Königsdorf auf die Festnahme

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Das Gewaltverbrechen von Höfen ist aufgeklärt, der Haupttäter gefasst. Das löst in Königsdorf Genugtuung aus. Alle hoffen, dass die Verbrecher ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. 

Königsdorf– Die Bluttat von Höfen ist aufgeklärt: Der Haupttäter wurde in Polen gefasst. Das hat die Polizei am Montag verkündet. Fragt man den Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel, was diese Nachricht für ihn bedeutet, muss er nicht lange überlegen. „Genugtuung“, sagt er. „Ich glaube, das ist das richtige Wort.“ Hier sind Mörder nicht mit ihrem Plan durchgekommen, eine alte Frau auszurauben, selbst um den Preis, zwei Menschen zu töten und einen schwer zu verletzen. Im Gegenteil, die Täter sind in Rekordtempo dingfest gemacht worden. Wobei in Königsdorf, speziell im Weiler Höfen, viele hoffen, dass die Verbrecher für lange Zeit weggesperrt werden. Luise Strauch war allseits beliebt. Was man ihr und ihren Bekannten angetan hat, soll nicht ungesühnt bleiben.

Höfen war eine Idylle - bis Ende Februar

Höfen: Das war bis zum Faschingswochenende der Inbegriff eines friedlichen Miteinanders auf einem Dorf im Oberland. Das größte Problem war bis dahin, dass in dem kleinen Weiler, der Luftlinie zwei Kilometer südlich von Königsdorf liegt, Kinder auf den Straßen spielen. Ortsunkundige Autofahrer, wenn sie sich denn hierher verirrten, waren davon überrascht, es kam zu heiklen Situationen. Aber sonst? Alles friedlich. Bis zu jenem Sonntag, 26. Februar, als plötzlich ein Großaufgebot der Polizei vor der Adresse Höfen 20 auftauchte.

Die heile Welt lag plötzlich in Trümmern

Es sprach sich herum wie ein Lauffeuer: Im Haus war Schreckliches geschehen. Zwei Menschen waren tot. Ein weiteres Opfer, die Eigentümerin Luise Strauch, schwer verletzt. Die Polizei ging sehr bald von Raubmord aus. Während die Spurensicherung in den kommenden Tagen auf der Suche nach Beweismaterial systematisch sämtliche Zimmer durchkämmte, machte sich in Königsdorf Entsetzen breit. Man stellte sich die bange Frage: Wer tut so was? Ist der Täter womöglich ein Einheimischer? „Das mit der heilen Welt ist vorbei“, sagte Mesner Hans Hartl stellvertretend für viele. Die Polizei zeigte Präsenz, das sollte den Bürgern das verloren gegangene Sicherheitsgefühl wieder geben.

Fasching feiern in Zeiten der Trauer?

Dabei war eigentlich Faschingszeit, und Königsdorf ist eine Hochburg des Frohsinns. Für Faschingsdienstag, also nur zwei Tage später, war ein Zug durch die Hauptstraße angesetzt. An den Wagen hatten die Vereine viele Monate gearbeitet. Darf man unter solchen Umständen lustig sein? Die Frage spaltete das Dorf, und Bürgermeister Anton Demmel samt Maschkera machten sich die Entscheidung nicht leicht. Ja, man feiert an diesem 28. Februar, trotz allem. Doch die Verunsicherung war anfangs groß, der Mord Thema Nummer eins am Straßenrand. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich an diesem besonderen Königsdorfer Faschingsdienstag die Befangenheit legte und etwas Normalität einkehrte.

Die Polizei betrieb einen gewaltigen Aufwand

Die Polizei setzte viel daran, die Bluttat rasch aufzuklären. Die „Soko Höfen“ bestand aus 50 Beamten, „Aktenzeichen xy“ machte auf den Fall aufmerksam, eine Hotline wurde eingerichtet. Schnell rückte die ehemalige polnische Pflegerin (49) der Familie Strauch in den Fokus der Ermittler. Sie wurde in Brandenburg festgenommen. Es wurde immer klarer, dass die Familie der Pflegerin die Bluttat verübt hatte, Festnahmen folgten innerhalb weniger Tage. Erst der Sohn (23) der Pflegerin, dann ein Komplize (32) – und am Freitag ihr Bruder (43). Der Raubmord von Höfen: Das blutige Werk einer polnischen Familie.

Die Angst wird bleiben - jedenfalls vorläufig

Und jetzt? Ist in Königsdorf natürlich nicht alles wieder gut. „Ich schrecke heute noch manchmal nachts hoch“, gibt Bürgermeister Demmel offen zu. Die Angst, wenn sie einmal da ist, lässt sich nicht so einfach abschütteln. Natürlich weiß er rein rational, dass derartige Gewalttaten die absolute Ausnahme sind. Wenn die Statistik zutrifft, dürfte in der Gemeinde jetzt ganz lange nichts dergleichen mehr passieren. „Aber was hilft alle Statistik, wenn der Einzelfall eintritt“, so der Rathauschef. Er hofft inständig, dass seine Gemeinde in Zukunft von solchen Gewaltverbrechen verschont bleibt. 

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