Feuerwehr bis zum frühen Morgen im Einsatz

Gewitter-Superzelle trifft Königsdorf: Hagellawine sprengt Kellertür auf

  • VonPeter Borchers
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Erneut hat eine Gewitter-Superzelle den Nordlandkreis heimgesucht. Dieses Mal war Königsdorf betroffen - wie schon vor rund einem Jahr. Die Schäden in einigen Häusern sind immens.

Königsdorf – Die Wetterkapriolen im Landkreis gehen in die nächste Runde. Nach den enormen Hagelschäden an Gebäuden und Autos, zerstörten Feldern und erschlagenen Tieren – verursacht durch die Unwetter Mitte/Ende Juni –, richtete eine lokale Gewitter-Superzelle am Sonntagabend in Königsdorf massive Zerstörungen an.

Königsdorf: Gewitter-Superzelle richtet massive Zerstörungen an

Zehn Keller seien betroffen, sagt Richard Vogl, stellvertretender Kommandant der Königsdorfer Feuerwehr. Am schlimmsten habe es einen Hof im Ortsteil Osterhofen erwischt sowie ein relativ neues Haus am Einmündungsbereich Tölzer/Osterhofener Straße.

Dort hat es noch weitere Türen aus den Angeln gerissen. Die Hagelkörner lagen etwa einen dreiviertel Meter hoch – unglaublich.

Königsdorfs Feuerwehr-Vize-Kommandant Richard Vogl

Welches Bild sich den Einsatzkräften dort nach der Alarmierung gegen 18.15 Uhr bot, haben weder Vogl noch der später hinzugekommene Kreisbrandmeister für Königsdorf und Eurasburg, Georg Dürr, in ihrer bisherigen Feuerwehrlaufbahn erlebt: Von einer Wiese hatte sich eine Lawine an Hagelkörnern über eine Außentreppe gen Keller geschoben, die Tür aus dem Rahmen gesprengt und sich in weitere Räume ergossen.

Schwere Gewitter bei Wolfratshausen: „Hagelkörner lagen etwa einen dreiviertel Meter hoch“

„Dort hat es noch weitere Türen aus den Angeln gerissen. Die Hagelkörner lagen etwa einen dreiviertel Meter hoch – unglaublich“, berichtet Vogl. Mit drei Fahrzeugen angerückte Kräfte der Königsdorfer Feuerwehr versuchten, der eisigen Masse zunächst mit Schaufeln und Eimern Herr zu werden. Kollegen der Beuerberger Wehr unterstützten sie später. Gegen 23.30 Uhr gelang es Kreisbrandmeister Dürr, einen Saugwagen zu organisieren. „Solch ein Fahrzeug wird normalerweise zur Grubenentleerung eingesetzt“, sagt der 59-jährige Achmühler. Am Sonntag wurde es zum Absaugen der Hagelkörner zweckentfremdet.

Der zweite Brennpunkt lag in Osterhofen, dort war der Keller eines in einer Senke gelegenen Bauernhofs komplett vollgelaufen. Kräfte der Wehren aus Osterhofen, Schönrain, Königsdorf, Geretsried und Beuerberg hatten alle Hände voll zu tun, um das rund zwei Meter hoch stehende Wasser abzupumpen. „Bis wir fertig waren und alles aufgeräumt hatten, war es 4.15 Uhr“, sagt Vize-Kommandant Vogl.

Super-Gewitterzelle zieht über Region Wolfratshausen: „Bei uns ist alles hinüber, was im Garten wächst und blüht“

Dessen Mutter, Gemeinderätin Isabella Vogl, berichtet von weiteren Schäden in anderen Ortsteilen. „Bei uns ist alles hinüber, was im Garten wächst und blüht.“ Zudem habe ein herabfallender Ast das Auto eines Nachbarn getroffen. Der relative neue Wagen ihres Mieters habe einen „ziemlichen Hagelschaden“, sagt Vogl, die mit ihrer Familie am Laurenziweg nahe des Sportplatzes zu Hause ist.

Schlimmeres an ihrem Heim haben die Vogls noch verhindern können. Gerade als sich ein mit Hagel vermischter Sturzbach den Weg die Kellertreppe hinab bahnte, habe ihr Mann, Feuerwehrkommandant Johann Vogl, einen Saugapparat anwerfen können. „Wir haben das Wasser gerade noch rechtzeitig erwischt“, sagt Isabella Vogl hörbar erleichtert.

Hagellawine: Über eine Außentreppe ergoss sich die weiße Masse rund 75 Zentimeter hoch in die Kellerräume eines Hauses. Sie sprengte dabei sogar Türen aus den Angeln.

Es ist das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass eine sogenannte Superzelle Königsdorf heimsucht. Am Nachmittag des 25. Juni 2020 verwandelte ein Unwetter den Ort mit taubeneigroßen Hagelkörnern und Starkregen in eine Winterlandschaft. Gebäude und Keller standen unter Wasser, Bäume und Äste knickten wie Streichhölzer, auf den Wiesen und Feldern lag das Gemisch aus Eis und Wasser zentimeterdick. „Diesmal ist es aber noch schlimmer“, findet Feuerwehrkommandant Johann Vogl. „Es hat mehr Pkw erwischt. Manche Autobesitzer hatten den Schaden vom Unwetter im Juni gerade erst reparieren lassen.“

Superzelle sucht Königsdorf heim: Unwetter mit taubeneigroßem Hagel und Starkregen

Bürgermeister Rainer Kopnicky war am Montagvormittag im Gemeindegebiet unterwegs, um sich ein Bild von der Zerstörung zu machen. Er selbst war am Sonntagabend nach dem Unwetter draußen gewesen, um seinem Bruder bei der Beseitigung der Hagelkörner zu helfen. „Mit einem kleinen Radlader haben wir die Straße räumen müssen. Denn das Zeug ist hart wie Beton.“ Finanzielle Hilfe für die Betroffenen könne die Gemeinde nicht leisten, sagt der Rathauschef. „Das wäre schwierig, denn wo fängst du dann an und wo hörst du auf?“

Der Gemeinderat habe auf die Ereignisse im Vorjahr jedoch reagiert und eine Hochwasseranalyse in Auftrag gegeben. „Wir brauchen ein Starkregen-Management“, sagt Kopnicky, obwohl sich Überschwemmungen in der Gemeinde wohl auch damit nicht gänzlich ausschließen ließen. „Königsdorf liegt am Berg, das Wasser läuft von oben nach unten, und wir haben lehmige, schwer durchlässige Böden.“ Aber vielleicht lasse sich mit dem Bau von Rigolen und Rückhaltemöglichkeiten verhindern, dass sich – wie am Sonntag geschehen – ganze Fluten über Haupt- und Höckstraße, Angersteig und Osteranger ergießen. „Innerhalb von zehn Minuten waren dort alle Gullys dicht“, sagt der Rathauschef, der sich bei den Feuerwehren und Bauhofmitarbeitern „für die tatkräftige Hilfe bedanken“ möchte.

Lange Jahre war es zu trocken - jetzt kommt die Feuchtigkeit geballt. Landwirte leiden unter dem Dauerregen und den heftigen Hagelgewittern. Die Zerstörung stellt sie vor eine harte Probe. Noch mehr Nachrichten aus der Region Wolfratshausen lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Königsdorf

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