Rund 75 Minuten sprach Rathauschef Rainer Kopnicky (im Vordergrund) in der Königsdorfer Bürgerversammlung: Seine Themen: Hochwasser, Bauen und die Arbeit im Gemeinderat.
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Rund 75 Minuten sprach Rathauschef Rainer Kopnicky (im Vordergrund) in der Königsdorfer Bürgerversammlung: Seine Themen: Hochwasser, Bauen und die Arbeit im Gemeinderat.

Viel Sachlichkeit, wenig „Jetzt red’ i“

Hochwasser-Ereignisse zentrales Thema in einer ruhigen Königsdorfer Bürgerversammlung

  • VonPeter Borchers
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Die jüngsten Starkregenereignisse und die Hürden beim Bauen waren zentrale Themen in der Bürgerversammlung. Rathauschef Rainer Kopnicky kündigt Verbesserungen im Hochwasser-Management an.

Königsdorf – Kein Gläserklirren, kein gemütliches Sitzen an Tischen inklusive Plausch mit dem Nachbarn: Bürgerversammlungen zu Corona-Zeiten sind ungesellig und schmucklos wie der Besuch in einem Schnellimbiss: Man kommt, lässt sich füttern – in diesem Fall mit Informationen – und geht dann sofort wieder nach Hause. So lief auch der Mittwochabend in der Königsdorfer Schulaula ab.

Zünftig nach dem Motto „Jetzt red’ i“ wurde es nur kurz vor Schluss. Anneliese Egold beschwerte sich über die Knüppel, die Bauwerbern mittlerweile zwischen die Beine geworfen werden. Es heiße immer „bauen, bauen, bauen, und wenn man es tut, machen einem die Behörden mit ihren vielen Auflagen das Leben schwer“, schimpfte sie. Wer sich das antue, müsse leidensfähig sein. Von ihrer Kritik nahm Egold explizit den Gemeinderat aus, „der ist immer zu 100 Prozent hinter uns gestanden“. Rainer Kopnicky gab der empörten Bürgerin in Teilen Recht: Er wünsche sich auch oft „einen pragmatischeren Weg“, sagte der Rathauschef und verwies auf ähnliche Fälle an der Osterhofener Straße oder in Höfen. Auf der einen Seite solle Bauland geschaffen werden, so Kopnicky. „Auf der anderen Seite stehen hohe Hürden, die man erst einmal überspringen muss.“

Martin Höcher, einer der Hauptbetroffenen der jüngsten Sturzfluten im Bereich Osterhofener/Niederhamer Straße, monierte, dass er sich mit seinem Problem alleingelassen fühle. Nicht vom Bürgermeister, aber von den Gemeinderäten. „Die scheinen sich wenig dafür zu interessieren.“ Zweimal hat „es uns jetzt innerhalb eines Jahres voll erwischt, davor auch schon ab und zu“. Das Hauptproblem – „ich sag’s jetzt zum x-ten Mal“ – sei die Straße. „Als die im Zuge des Ausbaus vor etwa 20 Jahren bei uns in der Senke um 20 Zentimeter erhöht wurde, fingen die Probleme an.“ Rainer Kopnicky verwies auf das nun fertige Konzept der Firma Riwa zum Hochmanagement, das man in den nächsten Tagen zunächst mit den Hauptbetroffenen – auch den Höchers – erörtern will. Martin Höcher kritisierte in diesem Zusammenhang, „dass sich niemand vom Ingenieurbüro Riwa bei uns erkundigt hat. Wir sind schließlich diejenigen, die wissen, was genau bei Starkregen bei uns passiert.“

Das Thema Hochwasser hatte schon im rund 75-minütigen Bericht des Bürgermeisters einen großen Platz eingenommen. Kopnicky machte erneut deutlich, wie wichtig ihm dieses Thema ist, denn die psychische Belastung der Betroffenen sei inzwischen enorm, „wenn sich am Himmel dunkle Wolken auftürmen“. Der Rathauschef betonte jedoch, dass es auch mit den zu treffenden Maßnahmen niemals eine 100-prozentige Sicherheit geben werde. „Wir müssen und werden aber versuchen, die Situation so gut es geht zu verbessern.“

Zuvor hatte sich der Rathauschef durch die üblichen, auch im Gemeinderat bearbeiteten Themen gehangelt, darunter das Großprojekt Turnhallen-Neubau, anstehende Tiefbaumaßnahmen, die Wasserver- und -entsorgung sowie das „immer bedeutsamere“ Thema Kinderbetreuung in der 3153-Einwohner-Gemeinde.

Landrat Josef Niedermaier, üblicherweise Gast in der Königsdorfer Bürgerversammlung, hatte sich entschuldigen lassen. Sein Stellvertreter Klaus Koch, von Beruf Lehrer und Rektor in Bad Tölz, nahm sich trotz des anstehenden Schulbeginns Zeit und schnitt unter anderem die Miet- und Immobilienproblematik im südlichen Oberbayern an, „in fast jeder Bürgerversammlung ist das mittlerweile ein Thema“. Inzwischen sei es – auch für Einheimische – schon ein Problem, Wohnraum zu finden, „von der Finanzierung will gar nicht sprechen“. Leicht lösen lasse sich diese Misere nicht mehr, so Koch. „Wir haben das Thema Flächenverbrauch, wir haben das Thema individueller Platzbedarf, wir haben unser intensives Freizeitverhalten. Es ist ein Teufelskreis: Egal, wo ich das Problem anpacke, stoße ich an Grenzen.“

peb

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