Luftaufnahme Jugendsiedlung Hochland bei Königsdorf
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Idyll bei Königsdorf: die Jugendsiedlung Hochland.

Nach einem Zwischenhoch kämpft die Einrichtung erneut gegen die Folgen der Pandemie

Jugendsiedlung Hochland: Um drei Monate zurückgeworfen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die Corona-Pandemie trifft Beherbergungsbetriebe, wie die Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf, hart. Wo sonst reges Treiben herrscht, sind derzeit kaum Gäste zu finden.

Königsdorf – Robert Wenzelewski (36) leitet zusammen mit Roland Herzog seit rund zwei Jahren die Einrichtung. Mit ihm sprach unsere Mitarbeiterin Sabine Hermsdorf-Hiss über die aktuelle Situation.

Herr Wenzelewski, wie ausgebucht sind Sie derzeit? Wie ist der Stand der Dinge?

Letzte Woche hätte ich noch gesagt, wir haben gerade ganz viele Kinder und Jugendliche da. Auch an den Wochenenden war die Belegung gut. Jetzt zum Ende der Ferienmaßnahmen und nachdem die ganzen Reisenden zurück und mit ihnen die Infektionszahlen gestiegen sind, haben wir sofort die ersten Stornierungen bekommen. Es ist so, als ob wir wieder drei Monate zurückgeworfen worden sind.

Robert Wenzelewski Der 36-Jährige leitet gemeinsam mit Roland Herzog die Jugendbildungsstätte.

Das heißt?

So ist die Küche – anders als in den Ferien – die ganze komplette Woche nicht belegt. Wir hatten uns schon gefreut, unsere Mitarbeiter mal wieder zu sehen. Und jetzt? Wir sind zwei Hausmeister, Roland Herzog und ich, eine Kraft für Personalien, und heute Vormittag war noch eine Servicekraft da. Normal arbeiten 35 bis 40 Festangestellte hier. Die sind, genauso wie wir, alle in Kurzarbeit.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert?

Hier kann ich nur sagen: großes Lob an jeden Einzelnen. Ein paar hatten bei der Nachricht Tränen in den Augen, andere waren völlig geschockt. Aber es heißt ja, dass das Infektionsgeschehen über Gruppen funktioniert – und wir müssen auch an die Gesundheit der Mitarbeiter denken. Nichtsdestotrotz fiel uns der Entschluss schwer. Wir haben viele junge Leute hier, die jetzt mit 60 Prozent ihres Verdienstes auskommen müssen. Da ist das Geld knapp. Und wir als Trägerverein können das Kurzarbeitergeld nicht aufstocken. Derzeit versuchen Roland und ich, alle betriebserhaltenden Maßnahmen so gut es geht wahrzunehmen.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Wir schauen, dass alles funktioniert – und dass wir über das Jahr 2020 noch bestehen. Zudem erkundigen wir uns nach Fördermitteln, nach Rettungsschirmen, also alles, wo wir diesbezüglich noch tätig werden können. Dann war das in den letzten Monaten die Durchführung unseres eigenen Ferienprogramms. Bis auf ein oder zwei Plätze waren wir hier auch ausgebucht. Wir gehen nun ebenfalls etwas in Richtung Erwachsenenbildung.

Hatten Sie mit den Anträgen Erfolg?

Ja, wir sind unter einen Rettungsschirm gekommen. Und was wir auch hier im Haus oder bei unseren Freiberuflern spüren: Die Regierung versucht, für jeden etwas zu tun. Wenn wir dieses Gespräch im April, Mai, Juni geführt hätten, hätte ich gesagt, ich hoffe, dass wir 2021 noch schaffen.

Wie geht es nun weiter?

Ab Februar hoffen wir wieder auf Schulklassen, die bis dato ja nicht wegfahren dürfen. Die sind mit unsere größten Beleger-Gruppen. Ab und zu kommen auch Leute her, schauen sich um und sagen: „Bei Euch ist es ja toll.“ Aber diese Gäste sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Genauer gesagt, ein sehr kleiner Tropfen. Wenn ich überlege, wie viele Übernachtungen wir sonst haben, wie viele Menschen sich hier normal aufhalten. Auf den Zeltlagerwiesen haben wir statt 100 Leute gerade mal zwei pro Nacht.

Gibt es Alternativen?

Wir haben ein paar neue Programmpunkte auf die Beine gestellt. Die Erfahrung der letzten Wochen und Monate hat gezeigt, dass sehr viel über Medien funktioniert. Wir wollen jetzt an Schulen Multiplikatorenschulungen anbieten. Gerade weil sie nicht wegfahren dürfen, überlegen wir, ob wir nicht zu ihnen kommen. Einige Schulen aus dem Landkreis haben diesbezüglich schon angefragt. Aber eigentlich heißt „außerschulische Bildung“, außerhalb der Einrichtung sein. Eigentlich sollte das auch so bleiben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Jugendsiedlung?

Man hat das komplette Jahr immer wieder versucht zu spekulieren, Hypothesen aufzustellen. Aber ein Volltreffer konnte keiner bisher landen. Was ist, wenn eine zweite Welle und/oder ein zweiter Lockdown kommt?

Für Sie und Roland Herzog stellt diese Situation die absolute Herausforderung dar. Vorbereiten kann man sich darauf nicht.

Stimmt. Wir hatten mit vielen Ideen und großem Elan angefangen. Wir haben gesagt, wir übernehmen die Verantwortung – und dazu stehen wir. Wir müssen jetzt eben umdenken und einige kreative Ideen woanders hinschieben. Aber wir hoffen, dass es uns Mitte oder Ende nächsten Jahres immer noch gibt – und dass wir dann wieder Vollgas geben können.

sh

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