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Ein Zug wird kommen: Mit Spannung erwarteten die Gäste in der Königsdorfer Hauptstraße die Wagen. Bis sich so etwas wie Faschingsstimmung einstellen wollte, dauerte es eine ganze Weile. 

Kinschdarfer Maschkera

Nach Doppelmord: Feiern unter Vorbehalt

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Noch nie stand der allseits beliebte Königsdorfer Fasching unter dem Eindruck eines Gewaltverbrechens. Gefeiert wurde am Dienstag ab 13.31 Uhr trotzdem – wenn auch deutlich zurückhaltender.

Königsdorf – Wer sich am Dienstag gegen 13 Uhr der Königsdorfer Hauptstraße näherte, musste sich fragen: Ist der Fasching doch noch abgesagt worden? Die Feiermeile: praktisch menschleer. Parkplätze: kein Problem. War das schlechte Wetter schuld? Vielleicht. Vielleicht gab es aber auch einen anderen Grund. „Es könnte schon auch dem Anderen liegen“, vermutete ein Ordner. Dieses „Andere“: Das ist der schockierende Doppelmord, der sich vor wenigen Tagen im Ortsteil Höfen ereignet hatte. Zwei Menschen, Gäste aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, sind brutal erschlagen worden, eine Königsdorferin kämpft nach wie vor um ihr Leben. Ist angesichts dieser Tragödie den Menschen zum Feiern zumute? Das war die große Frage.

Weniger Leute und weniger Kostüme

Zunächst machte es den Anschein: Nein. Statt der Menschenmassen, die sich sonst in der Hauptstraße drängten, standen nur wenige Gäste am Straßenrand. Niemand tanzte, die Mienen waren ernst. Die sonst übliche Durchsage, dass man hinter der Absperrung bleiben sollte, kam nicht. Sie war schlicht nicht nötig. Die Verunsicherung war mit Händen zu greifen. Auffallend auch: Viel weniger Gäste als sonst waren maskiert. Cowboys, Indianer, Seeräuber? Deutlich in der Minderheit. Zum Beispiel Altbürgermeister Alfred Stangler, selbst Mitglied der Maschkera. „Auf närrische Verkleidung habe ich bewusst verzichtet“, sagt er. Quasi ein Zeichen der Trauer in all dem Trubel. Seine Tochter wohnt in Schwaighofen, nicht weit von Höfen entfernt. „Da macht man sich natürlich seine Gedanken, wenn plötzlich so nah ein Verbrechen passiert“, sagt er.

„Man wird einfach ein mulmiges Gefühl nicht los“

Seine Nachdenklichkeit teilten gestern viele. Das Gewaltverbrechen war Thema Nummer eins am Straßenrand. Gegen 13.50 setzen sich die Wagen in Gang, die Maschkera taten ihr Bestes, die Besucher zu animieren, ihre Werke waren originell wie eh und je. Und dennoch: Die Menschen redeten weiter über Höfen. So sagte eine junge Frau aus Sauerlach vor dem Posthotel Hofherr: „Man wird einfach ein mulmiges Gefühl nicht los.“ Sie hatte fast ein schlechtes Gewissen für ihre Lust am Feiern. Ein Mann aus Königsdorf vor dem Stand des TSV vertrat die Ansicht: „Eine Absage wäre falsch gewesen, die Opfer waren nicht von hier, und auch die Königsdorferin war in der Dorfgemeinschaft nicht so richtig verankert.“

Irgendwann war es doch ein relativ normaler Fasching

Es dauert es eine Weile, bis die Beklemmung des Königsdorfer Faschings 2017 weichen wollte. Das Wetter wurde besser, der Schneefall ließ nach. Mit etwas Verspätung kamen doch noch Gäste, auch wenn es unter dem Strich lange nicht so viele waren wie sonst: Die Veranstalter nannten die Zahl 3000 statt der üblichen 6000. Die Stimmung löste sich, die Menschen lachten. Und zu Wolfgang Ambros unverwüstlichem „Schifoan“ fing man auch zu tanzen an. Irgendwann war es doch ein relativ normaler Fasching. 

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