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Stühle statt Tanzmusik: Regina und Martin Schwaighofer – auf dem Foto mit ihren Kindern Franziska, Magdalena und Korbinian (v. li. ) – konnten mit einigen Veränderungen ihre Königsdorfer Alm öffnen.

„Unsere größte Angst war, dass das Konzept nicht aufgeht“

Alm-Idylle trotz Abstandsgebot: Königsdorfer Alm startet in die Saison

  • Franziska Konrad
    VonFranziska Konrad
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Später als gewohnt erwachte heuer die Königsdorfer Alm aus dem Winterschlaf. Wegen der Corona-Krise läuft vieles anders. Ein Almbesuch bei der Familie Schwaighofer.

Königsdorf – Auf der mit einer grünen Girlande geschmückten Musikerbühne stehen weit auseinander drei Tische mit Stühlen. Vor der Bestelltheke flattert ein rot-weißes Absperrband, dahinter prangt eine Plexiglasscheibe: Nicht nur optisch unterscheidet sich die Königsdorfer Alm heuer vom gewohnten Betrieb.

Königsdorf: Almjahr startete für die Wirte zunächst wie immer

Dabei startete das Almjahr für die Wirte Regina (38) und Martin (39) Schwaighofer zunächst wie immer. Im Januar begannen sie mit den ersten Planungen: Musiker wurden angefragt, ein Programm entworfen. „Wir hatten alles soweit auf die Beine gestellt“, berichtet Regina Schwaighofer unserer Zeitung. Dann kam der März – und das öffentliche Leben zum Stillstand. „Auf einmal hing unser Almsommer total in der Schwebe“, sagt die 38-Jährige.

Corona: „Auf einmal hing unser Almsommer total in der Schwebe“

Aber die Familie ließ den Kopf nicht hängen: „Wir haben die Zeit genutzt und anstehende Reparaturen erledigt. Falls Lockerungen kämen, wollten wir vorbereitet sein“, erklärt ihr Mann Martin. Eine gute Entscheidung: Mitte Mai erfuhren die Schwaighofers, dass sie den Biergarten in gut zehn Tagen öffnen durften. „Das war schon ein großer Stress“, erinnert sich die Wirtin zurück. Schlag auf Schlag mussten die Königsdorfer ein Sicherheitskonzept erarbeiten, Unmengen von Schutzmasken und Desinfektionsmittel beschaffen und alle 20 Mitarbeiter schulen.

Königsdorf: Still und leise öffnete die Alm an Christi Himmelfahrt

An Christi Himmelfahrt war es endlich soweit: Still und leise, ohne große Ankündigung, öffnete die Königsdorfer Alm ihre Pforten. Trotzdem kamen einige Besucher. „Am Anfang haben wir uns einfach nicht recht getraut. Unsere größte Angst war, dass unser Konzept nicht aufgeht und die Leute sich nicht an die Regeln halten“, gesteht die Wirtin. Doch die Bedenken waren unbegründet. „Fast alle Gäste sind vernünftig und bemühen sich, dass wir keinen Ärger bekommen“, berichtet Martin Schwaighofer. 

„Unser größte Angst war, dass das Konzept nicht aufgeht“

Zum Glück – denn eine Strafe von mehreren tausend Euro könnte die Alm finanziell nicht verkraften. Wegen der Abstandsregelung „dürfen wir nur ein Drittel der Tische aufstellen, das bedeutet ein Drittel weniger Umsatz“, erklärt der 39-Jährige. Auch auf die traditionellen Musikerauftritte muss die Alm vorläufig verzichten.

Kommen die Gäste, müssen sie zunächst am Parkplatz oder am Radweg warten, bis man ihnen einen Tisch zuweist. Diese Aufgabe fällt dem Hausherrn zu: „Ich spring’ dauernd hin und her und schau’, wo gerade Leute kommen.“ Das funktioniere soweit ganz gut. „Manchmal schleicht sich zwar einer an mir vorbei. Aber das ist meist keine Absicht, die Leute müssen sich halt an die Regeln gewöhnen“, erklärt der Wirt mit einem Schulterzucken.

Jeden Montag ist auf der Alm großer Putz- und Aufräumtag

Während ihr Mann erzählt, schweift Regina Schwaighofers Blick über das Almgelände. „Das ganze Biergartenflair geht so leider etwas verloren. Aber einige Gästen finden es ganz schön, wenn es mal ruhiger ist. Die genießen das richtig.“ Mittlerweile hat sich der Almalltag etwas eingependelt. „Jeden Montag ist großer Putz-und Aufräumtag. Donnerstag und Freitags kaufen wir ein und richten alles her“, sagt die Wirtin glücklich. Eines ist den Schwaighofers trotzdem klar: Viel Umsatz werden sie mit ihrem Biergarten heuer nicht machen. „Je nachdem wie der Sommer läuft, kommen wir vielleicht auf plus minus Null raus“, vermuten sie.

Königsdorf: Almalltag hat sich etwas eingependelt

Aber ihre Alm geschlossen lassen? Das käme für die fünfköpfige Familie niemals in Frage. „Seit 113 Jahren gibt es die Alm. In all der Zeit hatte sie nur einen Sommer geschlossen, im Kriegsjahr 1944“, erzählt Martin Schwaighofer. Dann schaut er augenzwinkernd zu seiner Frau: „Und abgesehen davon: Was würden wir sonst den ganzen Sommer machen?“

Gut drei Wochen sind mittlerweile seit der Wiedereröffnung der Gastronomie vergangen. Die erste Bilanz der hiesigen Wirte: verhalten positiv.

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Öffnungszeiten

Die Königsdorfer Alm ist samstags ab 12 Uhr und sonn- und feiertags ab 10 Uhr geöffnet. Bei schlechtem Wetter bleibt die Alm geschlossen.

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