Roland Herzog, einer von zwei Leitern der Jugendsiedlung Hochland
+
Zweckoptimist: Dank staatlicher Hilfen und eigener Kreativität glaubt Roland Herzog gemeinsam mit seinem Leitungskollegen Robert Wenzelewski die Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf durch die Corona-Krise steuern zu können.

„Wir könnten morgen aufsperren“

Aufbruchstimmung in der Jugendsiedlung Hochland

  • VonPeter Borchers
    schließen

Seit langem läuft der Betrieb in der Jugendsiedlung Hochland nur eingeschränkt. Im Interview mit unserer Zeitung gibt sich Leiter Roland Herzog vorsichtig optimistisch.

Herr Herzog, wie müssen wir uns zurzeit einen Arbeitstag in der Jugendsiedlung vorstellen?

Herzog: Aktuell ist die Haustechnik damit beschäftigt, einige fällige Instandsetzungsarbeiten zu erledigen. Für einige Stunden in der Woche ist eine Verwaltungskollegin eingesetzt, die sich um Finanzen und Personal kümmert. Mein Leitungskollege Robert Wenzelewski hängt sich mit dem pädagogischen Team stark in Online-Themen rein, die beispielsweise die Katholische Stiftungshochschule München betreffen sowie um Ehrenamtlichenfortbildungen und wenige Berufsorientierungsmaßnahmen – alles ist auf digital umgestellt. Ich betreue zwei, drei Stunden am Tag die Rezeption, kläre also Anfragen, vereinbare Termine fürs nächste Jahr und bearbeite Stornierungen.

Und wie geht es dem Corona-Patienten Jugendsiedlung?

Herzog: Grundsätzlich sind wir vorsichtig optimistisch: Die Jugendsiedlung wird das Jahr 2021 überleben. Aufgrund unserer Rechtsform als eingetragener Verein konnten wir die staatlichen Überbrückungshilfen im November und Dezember in Anspruch nehmen. Das hat uns ebenso geholfen wie die Kurzarbeit und unsere hochflexiblen Mitarbeitenden. Ohne sie würde es nicht gehen. So haben wir die letzten Monate überwunden und würden, selbst wenn eine Beherbergung unmöglich ist, die nächsten Monate überstehen.

Welche Veranstaltungen waren in den vergangenen Monaten möglich?

Herzog: Als vor der dritten Welle die Inzidenz unter 100 lag, hatten wir einige kleine Maßnahmen der beruflichen Bildung. Hier haben wir zum einen selbst als Veranstalter zum Beispiel Fotoseminare für Hauptberufliche durchführen können. Zudem hatten wir vor Ostern Gäste hier, die eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme, eine Gestalttherapie-Ausbildung, absolvierten und die wir für ein paar Tage in Einzelzimmern untergebracht haben. Kinder und Jugendliche – also unsere originäre Zielgruppe – haben wir leider schon länger nicht mehr gesehen.

Aufgrund der ominösen Inzidenzzahl von 100, unter- und oberhalb der sich Lockerungen oder Einschränkungen ergeben, lässt schwer langfristig planen, oder?

Herzog: Genau. Das ist die Crux. Gerade eben hatte ich eine Anfrage von einem Institut, das bei uns eine Weiterbildungsmaßnahme mit Abschlussprüfung durchführen möchte. Das ist auch mit einer Inzidenz von über 100 möglich. Hier kommen wir ins Spiel, weil wir über entsprechend große Räume mit Lüftungsanlage inklusive Filter verfügen. So ist es selbst einer Gruppe von 15 bis 20 Leuten in Tagespräsenz – also ohne Übernachtung – möglich, alle Hygienemaßnahmen einzuhalten. Da fungieren wir momentan wie eine Schule.

Zwingt die Pandemie Sie dazu, besonders kreativ zu sein und neue Ideen zu entwickeln?

Herzog: Das ist weniger unsere Kunst als die derjenigen, die uns anfragen. Sie müssen uns als möglichen Ort für ihre Veranstaltung auf dem Schirm haben, an dem ihre Maßnahmen unter Einhaltung der geltenden Hygieneverordnung stattfinden können. Das heißt aber nicht, dass auch alles durchführbar ist. Wir müssen natürlich abwägen, ob die jeweilige Veranstaltung für uns wirtschaftlich ist. Für fünf Gäste macht es keinen Sinn, Personal zum Frühstück, Mittag- und Abendessen bereitzustellen. Aber um auf ihre Frage zurückzukommen: Was wir inzwischen sehr gut beherrschen, ist, Gesetzestexte mehrfach in der Woche zu lesen, zu deuten, zu interpretieren und gegebenenfalls nachzufragen, wenn wir unsicher sind. Hier funktioniert die Zusammenarbeit übrigens sehr gut mit dem Landratsamt. Per Mail oder telefonisch gibt uns Wirtschaftsförderer Andreas Ross zeitnah hilfreiche Auskunft.

Die Jugendsiedlung besitzt ein gutes Renommee, weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Es ist schon auch das Verdienst Ihrer Arbeit, dass Sie sogar in der Pandemie als Seminar- und Schulungsstätte angefragt werden.

Herzog: Das läuft ganz oft über persönlichen Beziehungen. Uns kennen viele, weil sie selbst als Jugendliche hier waren oder ihre Kinder schon einmal zu uns gebracht haben. Deren Eltern, die beispielsweise im Berufsförderzentrum arbeiten, erinnern sich an uns, an unsere Möglichkeiten. Ansonsten wäre es schwierig. Allein über unsere Onlinepräsenz auf verschiedenen Kanälen würde es nicht funktionieren.

Es scheint, als schlage die Impfkampagne endlich durch. Die Staatsregierung hat bei Inzidenzen unter 100 ab 21. Mai Lockerungen angekündigt. Wie schnell könnte die Jugendsiedlung Hochland zu ihrem kompletten Kerngeschäft, also mit Ferienfreizeiten, Camping und Übernachtungen, zurückkehren?

Herzog: Wir sind gut vorbereitet, könnten morgen aufsperren. Das ist unsere Botschaft. Wir bereiten ebenfalls bereits die Ferienbetreuung vor und können sie, sobald möglich, kurzfristig anbieten. Sofern es die Inzidenz erlaubt, werden wir ab 21. Mai unsere Blockhütten sozusagen als Ferienwohnungen öffnen. Für den Zeltplatz fehlt uns noch der hygienische Rahmen. Hier möchten wir eigentlich wieder für die Kinder- und Jugendarbeit da sein – die Kinder brauchen Natur und Freiraum nach der Homeschooling-Phase. Klassisches Camping sehen wir eher nicht.

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare