Ortsteil Höfen, Luftbild
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Der Ortsteil Höfen soll auf keinen Fall Spekulanten anziehen. Das ist der Wille des Königsdorfer Gemeinderats.

Expertenvortrag macht Räte hellhörig

Um Spekulanten fernzuhalten: Gemeinderat beschließt qualifizierten Bebauungsplan für Höfen

  • vonPeter Borchers
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Spekulanten will niemand auf den Dörfern. Das ist genau der Grund, warum sich der Gemeinderat im Fall Höfen gegen einen einfachen Bebauungplan entschieden hat.

Königsdorf – Seit geraumer Zeit bemühen sich die Königsdorfer Gemeinderäte um einen sinnvollen Bebauungsplan für den nördlichen Ortsteil Höfen. In ihrer April-Sitzung hatten sie sich eigentlich darauf verständigt, einen einfachen Plan aufzustellen – auch weil sie darin die beste Möglichkeit sahen, Gemeindebürgern auf den relativ großen Grundstücken nördlich der Straße im Zuge einer maßvollen Nachverdichtung einfaches und schnelles Bauen zu ermöglichen. Beim jüngsten Zusammentreffen nun die Kehrtwende: Das Gremium entschied sich einstimmig für einen qualifizierten Bebauungsplan.

Ausgelöst hatte den Sinneswandel der Vortrag von Katrin Feuerstein vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Die Diplom-Ingenieurin hatte zunächst die Ziele abgesteckt. So soll der Plan eine offene Bauweise mit Einzel- und Doppelhäusern festlegen – mit einer Wohneinheit pro vollendeten 400 Quadratmetern. Ausnahmen sind jene drei Grundstücke, auf denen ein Abstand zum Wald eingehalten werden muss. Der Plan soll zudem einen großen Bauraum für jedes einzelne Grundstück festlegen, auf dem jeweils einzelne Gebäude oder ein großes Haus errichtet werden können. Die Grundflächenzahl für Hauptgebäude soll bei 0,18 liegen.

Grundstücke zusammenlegen? Geht mit einfachem Bebauungsplan

Diskussionspunkt in der folgenden Debatte war die Tiefe der Dachüberstände. Der Großteil der Häuser in Höfen stammt aus den 1970er- und 80er-Jahren – niedrige Bauten mit flach geneigten Dächern und geringen Überständen. Für Bernhard Woisetschläger „nicht mehr zeitgemäß“. Ein Dach sollte Balkone schon überragen, meinte der UBL-Rat.

Weshalb die Expertin den Königsdorfern von einem einfachen Bebauungsplan mit einem großen Baufenster statt mehrerer einzelner abriet, wurde ebenfalls rasch deutlich. Zum einen müsse bei einem einfachen Plan das Landratsamt jedes Bauvorhaben prüfen, Freistellungsverfahren seien nicht möglich. Die Behörde orientiere sich nach der umliegenden Bebauung, so Feuerstein, „und das kann von Nachteil sein, denn die Wandhöhen beispielsweise sind dort sehr niedrig“. Ein qualifizierter Plan dagegen würde maximale Wand- und Firsthöhen – sich orientierend an einem hohen Ausreißer in Höfen – festlegen, „und jeder weiß, was dort später passiert“. Auch die Abstände zu den Grundstücksgrenzen wären in diesem Fall in Stein gemeißelt. Ein einfacher Bebauungsplan jedoch ließe die Möglichkeit offen, Grundstücke zusammenzulegen. Man könnte so laut Feuerstein „im Geschosswohnungsbau durch Investoren landen“.

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Das ließ einige Räte hellhörig werden. Hans Hartl (CSU) warnte vor Spekulanten: „Auch dort draußen werden immer wieder Häuser verkauft. Was kann auf diesen riesengroßen Baufenstern alles entstehen? Wir sollten auf der Hut sein.“ UBL-Rat Georg Stöckl pflichtete Hartl bei: „An der Möglichkeit einer massiven Grenzbebauung bei einer durchgehenden Baulinie ist etwas dran. Und da ja, wie wir gehört haben, ein qualifizierter Plan im beschleunigten Verfahren nicht viel länger dauert als der einfache, neige ich jetzt zum qualifizierten“. Dies helfe dem aktuellen Bauwerber.

Alle Kollegen schlossen sich einhellig an – auch Luise Seemayer (CSU), die anfangs noch den einfachen Plan favorisiert hatte. „Details wie Dachneigung und -überstände können wir im weiteren Verfahren noch klären und regeln“, merkte Bürgermeister Rainer Kopnicky an.

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