Thujenhecken sind in Königsdorf nicht gerne gesehen. SymbolFoto: archiv
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Thujenhecken sind in Königsdorf nicht gerne gesehen. Man bevorzugt heimische Hölzer.

Nach Fehler in der Verwaltung

Königsdorfer Gemeinderat genehmigt umstrittene Thuja-Hecke

  • vonPeter Borchers
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Mit Zähneknirschen hat der Königsdorfer Gemeinderat kürzlich eine Thuja am Laurenziweg nachträglich genehmigt. Die Entscheidung fiel extrem knapp aus.

Königsdorf – An Thujen scheiden sich die Geister. Die einen sehen das immergrüne Zypressengewächs als perfekte Pflanze, um ihre Grundstücke einzufrieden. Andere empfinden die aus Asien respektive Nordamerika stammenden Bäumchen als Eindringlinge mit Friedhofscharakter. Zwei Königsdorfer Familien zählen zu ersteren Vertretern. Sie haben ihr Eigentum entlang der Straße am Laurenziweg/Dekan-Zistl-Ring mit neben einigen heimischen Pflanzen vor allem mit Thujenhecken bepflanzt – was dort laut Bebauungsplan nicht erlaubt ist. Der Gemeinderat befasste sich in seiner jüngsten Sitzung nun mit dem Antrag auf Befreiung von diesem Leitplan.

Das Landratsamt hatte die Familien im Februar im Zuge seiner Bauüberwachung darauf aufmerksam gemacht, dass im geltenden Bereich des Plans einheimische Hölzer wie Hainbuche, Kornelkirsche oder Liguster zu pflanzen sind. Bereits zwei Jahre zuvor hatte auch die Königsdorfer Bauverwaltung die Antragsteller darauf hingewiesen, dass die Bepflanzung der Grünordnung entsprechen müsse. Auf eine Mail der beiden Familien vom 5. Juni 2019, in der sie der Gemeinde ihre Absicht mitteilten, Thujen zu wählen, klärte die Verwaltung die Antragsteller darüber auf, dass dies nicht erlaubt sei – allerdings nicht schriftlich, sondern nur telefonisch.

Der Bauwerber bestreitet jedoch, telefonisch auf sein Fehlverhalten hingewiesen worden zu sein und bezieht sich auf seine Mail, die den folgenden Satz enthält: „Vielen Dank nochmals für die Information, dass als Zaun senkrechte Holz-Staketenzäune bis zu einer Höhe von 1,10 Meter zulässig sind und als Sichtschutz Thujen gepflanzt werden können.“ Nun wähnt er sich im Recht. Geschäftsleiter Andreas Baumann sieht in einer isolierten Befreiung der Antragsteller vom Bebauungsplan „zur Schaffung rechtmäßiger Zustände“ einen Weg zur Konfliktlösung, „da die Grundzüge der Planung nicht berührt werden“. Ausgeschlossen sei aber auch nicht die Möglichkeit, einen Präzedenzfall zu schaffen.

Thujen sind kein Lebensraum für Insekten

Im Gremium hielten sich Für und Wider ebenfalls die Waage. Isabella Vogl (FWG) wies darauf hin, dass Thujen giftig und „weder ein Lebensraum für Insekten noch für Vögel“ seien und nur der Abschottung gegen außen dienten. „Wir aber sind hier in Königsdorf und nicht in Grünwald.“ Äußerst unglücklich ist für Vogl – wie für einige ihrer Ratskollegen auch – zudem, dass der Antragsteller nicht schriftlich, sondern mündlich über sein Fehlverhalten aufgeklärt worden sei. „Wir diskutieren in dieser Runde stundenlang, und dann kriegt jemand mit einem Telefonanruf eine Genehmigung. Da frage ich mich, warum ich hier noch sitze.“ Hier hakte der Bürgermeister ein. Er habe mit dem betreffenden Mitarbeiter gesprochen, sagte Rainer Kopnicky. „Er bestreitet, dass er die Erlaubnis für die Hecke gegeben hat“. Allerdings sei es ein Fehler der Verwaltung gewesen, telefonisch auf die Mail zu reagieren, sagte der Rathauschef – und stellte klar, dass Anfragen dieser Art künftig nur noch schriftlich beantwortet werden.

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Georg Stöckl (UBL) – in der Ausschusssitzung „strikt gegen die Thujen“ – empfand die Sachlage aufgrund des ominösen, nicht nachvollziehbaren Telefonats „echt schwierig, Ich würde daher fast dazu neigen, jetzt im Sinne des Bürgers zu entscheiden“. Hans Hartl (CSU) sprach sich dagegen für eine harte Linie in der Thujen-Diskussion aus. Der Antragsteller habe schon viele Befreiungen bekommen. „Wenn wir dem jetzt zustimmen, können wir unser Gremium schließen und heimgehen. Pfiat euch!“ Entsprechend knapp fiel die Entscheidung aus. Mit 9:7 Stimmen entschied sich das Gremium dazu, der isolierten Befreiung vom Bebauungsplan und damit den bestehenden Hecken zuzustimmen.

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