+
Peter Stöger (Schlagzeug, v. li.), Andi Wagner (Gesang), Hansi Kroll (Gitarre) und Hans Stöger (Bass) stehen häufig bis zu sechs Stunden auf der Bühne, manchmal sind es auch acht. Sie müssen auf alles vorbereitet sein – auch darauf, dass die Gäste besondere Nummern hören oder gleich selbst mal am Instrument sitzen wollen. 

Hinter den kulissen einer Party-band

Dienstleister für den Exzess

  • schließen

Königsdorf – Bewundernswerte Kondition, Gespür für die Stimmung, keine Angst vor Schlagzeugern im Publikum: „Exzess Express“ wissen, wie man Gesellschaften bespaßt, ohne eigene Ansprüche zu verraten.

Fünf Jahre in einer Cover-Band führen zu erstaunlichen Erkenntnissen. Besonders ein Phänomen geht den vier Männern von „Exzess Express“ nicht aus dem Kopf: „Die Älteren oder die Leute, die mit der Musik wenig anfangen können, setzen sich immer direkt vor die Boxen“, sagt Andi Wagner, Sänger und hobbymäßiger Gesellschaftsforscher. „Und dann beschweren sie sich.“


„Die Lautstärke hört man nicht, man sieht sie anscheinend. Umso größer die Boxen, umso lauter.“

Die Lautstärke hört man nicht, man sieht sie anscheinend. Umso größer die Boxen, umso lauter“, ergänzt Bassist Hans Stöger, der nicht weiß, ob er weinen oder lachen soll, wenn sich Menschen die Ohren zuhalten – und die Boxen noch nicht mal angeschaltet sind. „Exzess Express“ werden aber gerade engagiert, weil sie laut, lebendig und lustig sind. Und weil sie Nummern wie „Hotel California“ oder „The Boys are back in Town“ so nachspielen, dass man sich in den rockigen Siebzigern wähnt.

Was erlebt man als Band, die fast jedes zweite Wochenende einen Faschingsball, eine Hochzeit oder eine große Geburtstagsparty anfeuert? Wie kriegt man die Leute beim Wein zum Tanzen? Wie ist das, wenn man beim Kaffee nur als Deko und sanfte Hintergrundbeschallung dient? Die Königsdorfer Gruppe um Wagner (29), Stöger (35), seinen Bruder Peter (34) und Hansi Kroll (30) sind dafür prädestinierte Ansprechpartner. Für einen wie Wagner – frecher Haarschnitt, T-Shirt mit leicht bekleideter Frau – wurde der Begriff Rampensau erfunden. Der Sänger steht ganz vorne auf der Bühne, ständig reagiert er auf das, was im Raum passiert. Ein Glas fällt runter, die Tür geht auf, ein Gast schaut komisch: „Ich seh’ halt immer irgendwas“, sagt Wagner.

Für einen wie Wagner – frecher Haarschnitt, T-Shirt mit leicht bekleideter Frau – wurde der Begriff Rampensau erfunden.

Wenn die anderen irgendwas sehen, sagen sie es Wagner. „Und der Andi macht dann eine Mords-Story draus“, erklärt Hans Stöger. Man brauche ein feines Gespür für die jeweilige Situation, ergänzt Gitarrist Kroll. „Du kannst nicht plötzlich Slayer (Anm. d. Red: eine Metal-Band) covern, auch wenn das drei Leute immer wieder auf die Bühne brüllen.“

Manchmal wollen die Leute nicht nur brüllen – sondern mitspielen. Wieder so ein Phänomen: „Du hast fast immer fünf Schlagzeuger auf einer Party, die unbedingt ihr Können zeigen wollen“, berichtet Stöger. Die Band mag es gar nicht, wenn der betrunkene Gastmusiker dann nicht mal den Takt halten kann. Trotzdem räumt Drummer Peter ab und an seinen Posten, der Stimmung wegen. „Oft blutet uns das Herz, weil wir unsere Lieblingslieder rauswerfen müssen, wenn die Party voll im Gang ist“, sagt Wagner.

Aber das ist genau die Kunst, der sich „Exzess Express“ verschrieben haben: Dienstleister zu sein, ohne die eigenen Ansprüche zu verraten. Sie wollen Musik für verschiedene Altersgruppen bieten. „Atemlos“ von Helene Fischer spielen sie nicht. Aus Prinzip. Viel lieber sind ihnen handgemachte Smokie-Nummern: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Fertig.

„Atemlos“ von Helene Fischer spielen sie nicht. Aus Prinzip.

Wo im Original Keyboard- oder Synthieeffekte wabern, „lassen wir uns was einfallen“, sagt Stöger. Einen Mitklatschteil zum Beispiel. Gitarrist Kroll bricht bei den Soli schon mal aus, weiß aber genau, dass er sich das bei „Whiskey in the Jar“ nicht leisten kann. „Die Leute erwarten dann genau dieses eine Riff.“

Sechs Stunden Programm haben die Königsdorfer, an Leonhardi mussten sie zuletzt – mit kurzen Pausen – acht Stunden spielen. Sänger Wagner hat für diese Fälle immer „eine kleine Apotheke“ dabei. „Krank sein gibt’s nicht“, sagt Stöger. Wenn’s am nächsten Tag gleich weitergeht und der Hals kratzt, redet Wagner halt mal gar nichts, bis er auf der Bühne steht.

„Exzess Express“ sind vier Freunde, das merkt man, wenn sie auf der Bühne wieder mal eine Mordsgaudi haben. Mit einer Bettelhochzeit, einem bayerischen Faschingsbrauch, fing vor fünf Jahren alles an. „Ein Bekannter brauchte eine Musi und hat mich gefragt“, erinnert sich Stöger, der daraufhin die anderen drei zusammentrommelte. „Ich hab den Andi da das erste Mal gesehen“, sagt Kroll. Und dann haben sie sechs Stunden lang Cover-Songs gespielt, die sie aus dem Radio kannten. Nach Gehör, ohne auch nur eine gemeinsame Probe. Stöger: „Wenn’s damals in die Hose gegangen wäre, hätten wir nicht weitergemacht.“

„Wenn’s damals in die Hose gegangen wäre, hätten wir nicht weitergemacht.“

Auftritt am 21. Mai

Aus Anlass ihres fünfjährigen Bestehens laden „Exzess Express“ am Samstag, 21. Mai, um 19.30 Uhr zum „Musikantentreffen“ ein, einem Stadlfest in Königsdorf. Mit dabei sind die „Original Isarwinkler“ und die Band „The Halfs“. gma

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streit eskaliert: Stein ins Gesicht geschlagen
Bei einer Schlägerei an der Schießstättstraße sind am Mittwochabend drei Männer verletzt worden. Als die Polizei eintraf, waren die beiden Tatverdächtigen geflohen. Die …
Streit eskaliert: Stein ins Gesicht geschlagen
Seniorenstift Ambach: KWA geht in die Offensive
Das „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) setzt sich gegen Vorwürfe der Gegner des geplanten Seniorenwohnstifts in Ambach zur Wehr. In einem Pressegespräch rückten die …
Seniorenstift Ambach: KWA geht in die Offensive
Wasser muss nicht mehr abgekocht werden
Die Bürger der Stadt Geretsried können aufatmen: Seit Donnerstag brauchen sie ihr Trinkwasser nicht mehr abkochen. Die Königsdorfer müssen sich noch ein paar Wochen …
Wasser muss nicht mehr abgekocht werden
Die Aula wird zur Messehalle
Rund 200 Schüler drängten sich beim Berufsinformationstag am Mittwochnachmittag in der Realschule um die Firmenstände. Die Aula war kurzerhand zur Messehalle …
Die Aula wird zur Messehalle

Kommentare