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Für Energie-Effizienz: Penny und Pidinger Molkerei kooperieren

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Von: Volker Ufertinger

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(v. li.) Landwirt Franz-Xaver Demmel, Stefan Magel (Bereichsleiter Handel Rewe Group) und Bernhard Pointner (Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land) am Huabahof in Schönrain.
Gemeinsame Sache für die Nachhaltigkeit: (v. li.) Landwirt Franz-Xaver Demmel, Stefan Magel (Bereichsvorstand Handel der Rewe Group und COO Penny) und Bernhard Pointner (Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land) am Huabahof in Schönrain. © Plettenberg

Damit Landwirte ihre Höfe energetisch sanieren können, arbeiten Penny und die Molkerei Berchtesgadener Land zusammen. Die Auftaktveranstaltung fand in Königsdorf statt.

Königsdorf – Erst dachte Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land, an einen Spaßanruf von irgendeinem Radiosender. Da behauptete ein Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels doch tatsächlich, etwas für die Landwirte tun zu wollen. „Wenn ich an die Ego-Trips der zwei großen Discounter denke, dann konnte das nur ein Scherz sein“, sagt er. Aber dem Anrufer war es ernst: Penny mit seinen 2200 Filialen deutschlandweit will die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft fördern. „Das ist auch einer unserer zentralen Leitwerte“, so Pointner. „Da war klar, dass wir kooperieren.“

„Zukunftsbauer“ heißt das Förderprogramm von Penny und den Pidingern. Auftaktveranstaltung war am Donnerstag bei Franz-Xaver Demmel in Schönrain/Königsdorf, der seinen Huabahof so führt, dass er als Vorbild für die Zukunft dienen kann. Hier wurde auch klar, wie die Förderung läuft: Ab dem 25. Oktober verzichtet das Unternehmen beim Verkauf aller „Berchtesgadener Land“-Milchprodukte auf einen Teil der Gewinnspanne. Die Molkerei verdoppelt den Betrag. So kommt ein Fördertopf zustande, mit dem Landwirte unterstützt werden, die ihren Hof energetisch sanieren wollen. Die maximale Fördersumme beträgt 10 000 Euro.

So läuft die Förderung der Landwirte

Etwa zehn Prozent der 1800 Genossenschaftsbetriebe der Molkerei Berchtesgadener Land sind im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ansässig. Der Fördertopf ist begrenzt, daher sollte man mit der Bewerbung nicht zögern. Eine nachträgliche Einreichung von schon getätigten Investitionen ist nicht möglich. Und: Die Förderung ist unabhängig von staatlichen Fördermitteln.

1. Schritt: Online-Info-Veranstaltung
Hier erfahren Bewerber Details über das Förderprogramm. Die Online-Veranstaltungen starten nächste Woche.

2. Schritt: Wissenswerkstatt
In dem Workshop „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ zeigt die Molkerei Möglichkeiten auf, wie sich Betriebe energietechnisch optimieren lassen.

3. Schritt: Praxisfahrt
Bewerber haben die Möglichkeit, Musterbetriebe zu besuchen, die Maßnahmen zur Energieeinsparung vorbildlich umgesetzt haben.

4. Schritt: Energiecheck
Berater analysieren vor Ort die Energiefresser auf dem Hof und zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf.

5. Schritt: Förderantrag
Wer sich für zwei Maßnahmen entschieden hat, füllt das Formblatt aus und reicht einen verbindlichen Kostenvoranschlag bei der Landwirteabteilung ein.

6. Schritt: Bewilligung
Fachleute bewerten den Antrag. Es werden 50 Prozent der Investitionssumme, maximal 10 000 Euro noch vor Umsetzung ausgezahlt.

7. Schritt: Bau
Nach Abschluss der Maßnahme ist die Rechnung für die Dokumentation einzureichen.

Bei der Auftaktveranstaltung in Königsdorf bekannte sich Stefan Magel, Bereichsvorstand Handel von Rewe und Penny, zu der Verantwortung, die der Lebensmitteleinzelhandel für die nachfolgenden Generationen hat. „Nachhaltigkeit ist in unserer Unternehmensstrategie fest verankert.“ Das werde von der Politik und den Verbrauchern immer vehementer eingefordert, und das sei auch richtig so. Deswegen strebt Penny auch an, bis 2040 klimaneutral zu sein.

Was das Verhältnis von Handel und Landwirtschaft angeht, erklärte er: „In den letzten Monaten konnte man angesichts der vielen Demos den Eindruck gewinnen, dass man sich unversöhnlich gegenübersteht.“ Sicher, es gebe Interessenskonflikte. „Es kommt aber darauf an, den Weg der Kooperation zu gehen und fair zu bleiben.“

Philipp Stiehler, Geschäftsleiter Waren bei Penny, sah das genau so. Das Unternehmen sei im selben Jahr gegründet worden, in dem die Pidinger Molkerei auf Bio umstellte – 1973. „Das ist doch eine gute Voraussetzung für eine Partnerschaft.“ Die Landwirte bräuchten von niemandem eine Belehrung in Sachen Nachhaltigkeit. „Aber was sie brauchen, ist finanzielle Unterstützung und Aufklärungsarbeit.“ Er zitierte einen Spruch, der flapsig klingt, aber eine Wahrheit enthält. Er lautet: „Ohne Kuh-Zunft keine Zukunft.“

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Wohin sich die Landwirtschaft im Idealfall entwickeln könnte, lässt sich jetzt schon am Huabahof in Schönrain besichtigen. Franz-Xaver Demmel ist, zusammen mit seiner Frau Gerlinde und Sohn Xaver, einer von 1800 Landwirten, die die Pidinger Molkerei beliefern. Demmel versteht sich als Problemlöser. „Es gibt wenige Bereiche, wo man so viel für die Ökologie tun kann wie die Landwirtschaft“, erklärte er den vielen (Fach-)Journalisten vor Ort. So produziert er nicht nur Lebensmittel, sondern vor allem Energie, und zwar mit Hilfe der großen Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Ertrag: 300 000 Kilowatt pro Jahr. Das ist weit mehr, als er verbraucht, unter anderem für den großteils elektrischen Fuhrpark. Er reicht vom selbst fahrenden Futtermischwagen über zwei Hoflader bis zum Elektro-Auto.

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Die Besucher aus ganz Deutschland staunten über den Musterbetrieb. So etwas hatte noch niemand gesehen. Der Huabahof ist ein Biobetrieb, der gleichwohl voll auf Digitalisierung setzt. „Das ist kein Widerspruch“, so Demmel beim Hofrundgang. Im Gegenteil. Es hilft, sich noch mehr auf die Tiere und deren Wohl zu konzentrieren. Und darauf kommt es in der Landwirtschaft entscheidend an. Jetzt und in Zukunft.

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