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Den Beamten der Spurensicherung bot sich ein Bild des Grauens, als sie das Haus in Höfen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) untersuchten, wo zwei Senioren getötet und die Hausbesitzerin schwerst verletzt worden waren.

Habgier und Grausamkeit

Prozess im Doppelmord von Höfen beginnt: Akten verraten grausames Detail

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Das Verbrechen erschütterte die Idylle im oberbayerischen Weiler Höfen: Aus Habgier sollen drei Männer eine wohlhabende Witwe brutal zugerichtet und zwei Senioren getötet haben. Morgen beginnt der Prozess.

Königsdorf – Was muss in einem Menschen vorgehen, der bestialisch auf drei wehrlose Rentner einschlägt, der ihnen die Köpfe zertrümmert, die blutüberströmten Körper über eine Steintreppe schleift und im Keller einsperrt – nur um sich zu bereichern, an Geld und Schmuck und anderen Wertgegenständen. Das Landgericht München II wird ab Mittwoch, 27. Juni, dieser Frage nachgehen. Dann geht es um den Doppel-Raubmord von Höfen.

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Die abscheuliche Tat erschütterte im Februar 2017 nicht nur die Menschen im beschaulichen, zu Königsdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) zählenden Weiler. Und wie schon im Fall einer unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommenen Seniorin (95) am Tegernsee war eine Pflegekraft in das Geschehen eingebunden. Vier Monate lang hatte Malga L. (50) im Herbst 2016 einen Senior gepflegt. Während dieser Zeit blieb der Polin der Reichtum des Mannes und seiner Frau (76) nicht verborgen. Im Oktober 2016 verstarb der ältere Herr. Malga L. ging wieder nach Polen zurück. Doch das viele Geld, das die Herrschaften in einem Schrank aufbewahrten, während sie sich mit dem mageren Lohn einer Pflegekraft zufriedengeben musste, nagte an der 50-Jährigen. Anfang des Jahres rief sie ihren Bruder Robert (44) an. Das Verhältnis der beiden Geschwister galt nicht als das beste. Doch für die 60.000 Euro, die es im Haus zu holen gab, sprang die 50-Jährige über ihren Schatten.

Zusammen mit einem nahe Bamberg lebenden Landsmann (34) und seinem Neffen (25), dem Sohn der Pflegekraft, machte sich der Bruder auf den Weg nach Höfen. In der Nacht auf den 23. Februar drang das Trio in das Haus ein. Die Hausbesitzerin hatte Besuch, einen Herrn (81) aus Hagen in Nordrhein-Westfalen und eine Dame (76) aus dem hessischen Eschborn. Für die drei älteren Herrschaften wurden die folgenden Stunden zu einem nicht nachvollziehbaren Martyrium. Die Gäste sollten die Attacke nicht überleben. Die 76-jährige Hausherrin wurde gerade noch rechtzeitig gerettet, allerdings so schwer verletzt, dass sich an ihrem Körper erste Anzeichen von Gewebe-Zerfall bemerkbar machten. Es war lange unklar, ob sie überleben würde.

Die Kripo Weilheim arbeitete in den nächsten Wochen fieberhaft an dem Fall. Die Soko Höfen wurde gegründet. Rasch kamen die Beamten der Verbindung zur ehemaligen Pflegerin auf die Spur. Am 31. März 2017 wurde mit dem Bruder der 50-Jährigen der Letzte der vier Angeklagten festgenommen. Er gilt als der Haupttäter. Seine Verteidiger Hans Schröder und Benjamin Ruhlmann wollten im Vorfeld nicht sagen, ob sie ihren Mandanten aussagen lassen. Das Verfahren dreht sich aus ihrer Sicht um die Zuordnung der einzelnen Tatbeiträge.

Nach der aktuellen Aktenlage ist damit zu rechnen, dass die Staatsanwaltschaft – sollte sich die Anklage bestätigen – für die drei Männer neben lebenslanger Haft auch die Zuordnung der besonderen Schwere der Schuld fordert. Für den Hauptangeklagten steht wegen seiner rohen Gesinnung und seiner Allgemeingefährlichkeit auch die Sicherungsverwahrung im Raum. Der Prozess ist bis zum 6. September auf zunächst 17 Verhandlungstage angesetzt. wal

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Polizisten an einer Zufahrtsstraße zu dem Haus, in dem der Doppelmord geschehen war.

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