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Ein Stück Heimat: Peter Fichtner betreibt seit über 30 Jahren das Warenlager an der Königsdorfer Ludwigstraße.

Neuer Pächter steht offenbar schon bereit

Raiffeisenbank trennt sich von Warenlager 

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Für Landwirte aus Königsdorf und Umgebung ist das Warenlager an der Ludwigstraße seit mehr als 100 Jahre eine wichtige Anlaufstelle. Jetzt gibt die Raiffeisenbank den Standort auf.   

Königsdorf – Das Raiffeisen- Warenlager an der Königsdorfer Ludwigstraße gibt es schon ewig. Seit 1914, um genau zu sein. Damals beschlossen die Mitglieder, die Landwirte aus der Umgebung zu günstigen Preisen mit dem täglichen Bedarf zu versorgen, von Düngemitteln bis zum Kraftfutter. Diesen Auftrag erfüllte das Lager über 100 Jahre lang. Jetzt scheint diese Ära zu Ende zu gehen. Die Raiffeisenbank Isar-Loisachtal will sich aus dem Geschäft zurückziehen und die Immobilie verpachten.

Öffentlich wurde der Plan im Januar im Gemeindeblatt. Dort wurde in einer Anzeige mitgeteilt, dass es in puncto Lager „aktuelle Herausforderungen“ und „Handlungsnotwendigkeiten“ gebe. Man kann davon ausgehen, dass es um das Thema Rentabilität ging. Dies sei den Mitgliedervertretern mitgeteilt worden. Eine Verpachtung sei erwünscht, Interessenten mögen sich melden.

Nach Kenntnis von Peter Fichtner, der den Betrieb organisiert (Montag und Mittwochvormittag sowie Freitag am Vormittag und am Nachmittag) steht der Wechsel unmittelbar bevor. „Es hat geheißen, dass sich nach Ostern sehr bald was tun wird“, sagt er. Genaueres weiß auch er nicht, obwohl er schon seit über 30 Jahren den Betrieb führt. „In den Entscheidungsprozess bin ich null eingebunden. Ich gebe schon zu, dass mich das ärgert.“

Der Heilbrunner Landwirt, bekannt als Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, erzählt, dass es früher viele solcher kleiner Warenlager vor Ort gegeben habe, Gaißach, Kochel, Bichl, Beuerberg und sonstwo. „Die sind nach und nach alle verschwunden.“ Die Königsdorfer Filiale sei die letzte ihrer Art. „Und ich bin der letzte meines Standes.“ Eine Ausnahme habe immer schon das überregional bekannte Warencenter in Thanning gebildet, das immer größer wurde.

Fichtner hat in den vergangenen Jahren hautnah miterlebt, wie sich die Stimmung und das Verhalten der Landwirte geändert hat. „Der Frust ist brutal groß“, erzählt er. Viele kleine Betriebe würden aufhören, sie fallen folglich als Kunden weg. Und ob sich die großen Betriebe noch im nächsten Warenlager mit den Dingen des täglichen Bedarfs eindecken, sei fraglich. „Ich habe oft gesagt: Wenn man ein Angebot vor Ort nicht wahrnimmt, muss man sich nicht wundern, wenn es dieses Angebot eines Tages nicht mehr gibt.“

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Fichtner ist es wichtig, dass der Standort bleibt. „Das Prinzip der kurzen Wege sollte erhalten bleiben.“ Für die treuen Landwirte in der Umgebung und nicht nur für sie – auch Nicht-Landwirte kaufen hier ein – wäre alles andere ein herber Verlust. „Das hier ist auch ein Stück Heimat“, erklärt er. Man kennt sich, man vertraut sich. Wenn irgendein Verein an einem sonnigen Wochenende auf die Idee kommt, eine Grillfeier zu veranstalten, holt sich man sich die Kohle und schmeißt dann nur einen Zettel ein, wie viel genau es war. Anderswo, etwa in einem Gewerbegebiet, undenkbar. „Ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemand übers Ohr hauen wollte“, erzählt Fichtner.

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Die Raiffeisenbank hält sich im Moment bedeckt. „Da wir derzeit noch in Verhandlung mit einem potenziellen Pächter stehen, können wir dazu noch keine näheren Auskünfte geben“, erklärt Pressesprecher Xaver Much. Es sei wahrscheinlich, dass man innerhalb der nächsten 14 Tage konkreter werden könne. Klingt, als könnte es ein gutes Ende geben für den Standort Königsdorf.

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