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Neugierig: Egal, was Ziehmutter Barbara Bechteler und ihre Tochter Marlies (1) machen, Reh Lisa ist immer dabei.

Bambi lässt grüßen

Rehkitz verliert Mama – doch diese Königsdorfer kümmern sich rührend um „Lisa“

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Große Augen, plüschige Ohren, dünne Beine: Wer die Bechtelers in Königsdorf besucht, wird von jemand Besonderem empfangen – Rehkitz Lisa. Die Familie hat das Waisenkind aufgenommen.

Königsdorf – Große Augen, plüschige Ohren, dünne Beine: Wer Familie Bechteler im Königsdorfer Ortsteil Kreut besucht, wird von jemand Besonderem empfangen – Rehkitz Lisa. Die Bechtelers haben das Waisenkind bei sich aufgenommen.

Jäger Georg Bechteler hatte gleich ein ungutes Gefühl, als sein Telefon mitten in der Nacht klingelte. „Ein Wildunfall. Bitte kommen Sie.“ Er kannte die angegebene Stelle an der Kreisstraße Töl7. Seit Jahren beobachtete Bechteler ein Reh, das hier seine Jungen ablegte. Bei der letzten Sichtung war die Ricke wieder hochträchtig. Und das ungute Gefühl trog ihn nicht. Das Reh war in ein Auto gelaufen und getötet worden. Nur – wo war sein Kleines?

Bechteler machte sich auf die Suche, ahmte den Lockruf des Muttertiers nach. „Das Kitz reagierte sofort und hob den Kopf“, erzählt Tochter Barbara, die mit ihrer Familie mit auf dem Hof wohnt. Das Kitz war etwa so groß wie eine Katze, von der Geburt noch ganz verschmiert, die Nabelschnur hing herunter. „Die Mutter muss gleich, nachdem sie das Kleine auf die Welt gebracht hat, in das Auto gelaufen sein.“

Georg Bechteler nahm das Kitz vorsichtig hoch und brachte es mit nach Hause. „Uns war klar, dass eine Aufzucht sehr schwer ist“, erzählt seine Tochter. Doch die Familie wollte dem Jungen eine Chance geben. „Als Alternative blieb nur, es zu erschießen.“ Barbara Bechteler und ihre Mutter Maria nahmen Kontakt zu einem Tierarzt auf und begannen, das Internet zu durchforschen. „Hier wurde zur Aufzucht Ziegenmilch empfohlen – weil die Ziege dem Reh am ähnlichsten ist.“ Dann hieß es alle zwei bis drei Stunden Fläschchen geben. „Das letzte um 22.30 Uhr, das erste gegen 5 Uhr.“

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Das Kitz, auf Familienbeschluss Lisa getauft, gedieh prächtig. Besonders Kilian (5) und Marlies (1), die Kinder der 32-Jährigen, haben es dem neuen Familienmitglied angetan. „Für mich allerdings ist es so, als ob ich jetzt drei Kinder zu versorgen habe“, sagt die Friseurin und lacht. Lisa tobt mit ihren menschlichen Geschwistern im Garten und auf dem Hof herum, lässt sich kraulen und folgt vor allem Kilian auf Schritt und Tritt. „Die beiden fahren sogar zusammen Rad“, sagt Barbara Bechteler und deutet auf den Weg, den der Fünfjährige gerade hinunterrollt – das Kitz galoppiert neben ihm her.

Reh Lisa begleitet Sohn Kilian (5) auf Schritt und Tritt – sogar beim Radfahren.

Seinen Schlafplatz hat das Tier in einer Kälberbox im Stall. Mittlerweile hat es begonnen zu fressen. Himbeerranken stehen ganz oben auf der Speisekarte. „Aber nicht vom Boden – wir müssen die Zweige in die Türe einzwicken, damit Lisa denkt, sie hängen an einem Strauch.“

Ins Haus durfte das Reh nur, als es noch ganz klein war. „Aber das will es jetzt auch gar nicht mehr. Der Boden ist ihm zu rutschig“, erklärt Bechteler. Also wartet das Tier draußen, wenn die Familie beispielsweise beim Essen sitzt. „Ab und zu ein Fiepen, dass wir es ja nicht vergessen.“ Machen die Kinder draußen Brotzeit, will das dritte „Kind“ selbstredend auch etwas. „Was es natürlich auch bekommt.“

Natürlich haben sich die Bechtelers auch Gedanken über die Zukunft gemacht. „Derzeit würde es in der freien Natur nicht überleben“, sagt Barbara Bechteler. „Aber wenn Lisa eines Tages geschlechtsreif wird und sich einen Partner sucht, werden wir ihr nicht im Weg stehen.“ sh

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