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Die Urteile im Prozess um den Doppelmord von Höfen sind gefallen. Die Bürger sind froh, dass im Ort nun wieder Ruhe einkehren kann. Doch einen Schlussstrich wird es wohl nicht geben. 

„Das werde ich mein Lebtag nicht vergessen“

Urteil im Höfen-Prozess gefallen – doch für Königsdorfer gibt es keinen Schlussstrich

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Die Urteile im Prozess um den Doppelmord von Höfen sind gefallen. Die Bürger sind froh, dass im Ort nun wieder Ruhe einkehren kann. Doch einen Schlussstrich wird es wohl nicht geben. 

Königsdorf/Höfen – Die Sonne scheint, Pferde grasen auf der Weide, ein Bulldog zuckelt vorbei: Herbst-Idylle im beschaulichen Höfen. Es ist kaum vorstellbar, dass in dem mit einem großen Holztor und einer dichten Hecke abgeschirmten Haus vor gut eineinhalb Jahren ein grausamer Raubmord verübt wurde, bei dem eine Frau und ein Mann brutal getötet wurden und die 76-jährige Hausbesitzerin schwerst verletzt worden ist.

Katrin Maier aus Königsdorf sagt: Der Fall Höfen „markiert einen Einschnitt“. 

In dem kleinen Weiler Höfen ist am Dienstag alles ruhig, auch wenige Kilometer weiter in der 3000-Seelen-Gemeinde Königsdorf rührt sich nicht viel. Doch seit der Urteilsverkündung am Montag, bei der die drei Täter zur lebenslanger und die ehemalige Pflegekraft zu acht Jahren Haft verurteilt wurde (wir berichteten), spürt Katrin Maier, die vor der Backstube einen Cappuccino trinkt, ein Gefühl von Erleichterung. „Es ist gut, dass alles so schnell ging. Man kann froh sein, dass die Arbeit der Polizei und unser Rechtssystem so gut funktionieren.“ Die 47 Jahre alte Frau aus Königsdorf hat die Berichterstattung in den Medien aufmerksam verfolgt. Nun ist sie zwar froh, dass der Fall Höfen abgeschlossen ist. „Aber er markiert einen Einschnitt.“

Wenn Maier wie an diesem Tag im Ort unterwegs ist, merkt sie in Gesprächen immer wieder, dass die Bluttat im Februar 2017 die Königsdorfer nachdenklich gemacht hat. „Früher war man unbedarfter. Es gab etliche Leute, die nicht einmal die Haustür abgesperrt haben.“ Seit jener Februarnacht haben viele Alarm- und Lichtanlagen installieren lassen, erzählt Maier. Sie arbeitet als Masseurin, kommt oft zu älteren Menschen nach Hause. Dass ausgerechnet eine über mehrere Jahre beschäftigte Pflegerin den Mördern geholfen hat, sei vor allem für Senioren erschütternd. „Viele haben kein Vertrauen mehr“, sagt Maier. „Dieses Ereignis hat sie leider extrem geprägt.“

Bürgermeister Anton Demmel sagt: „Jetzt ist der Fall rechtlich abgeschlossen. Doch einen Schlussstrich und ,business as usual‘ wird es nicht geben.“

Einer, dem es ähnlich geht, ist Anton Demmel. „Je mehr Details im Laufe des Prozesses ans Licht kamen, desto größer wurde das Entsetzen.“ Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war der Königsdorfer Bürgermeister damals als einer der ersten am Tatort. „Was ich dort gesehen habe, werde ich mein Lebtag nicht vergessen.“ Die größte Last sei zwar schon im April vergangenen Jahres von den Bürgern gefallen, als der letzte Täter geschnappt worden war. „Jetzt ist der Fall rechtlich abgeschlossen. Doch einen Schlussstrich und ,business as usual‘ wird es nicht geben“, sagt Demmel. Der Doppelmord werde immer mit seiner Gemeinde verbunden sein. „Dass der mediale Rummel nun weniger wird, ist besonders für die Höfener sicherlich hilfreich.“

Lesen Sie auch: Nach dem Doppelmord von Höfen: „In Königsdorf ist nichts mehr so, wie es war“

Robert Schwabl ist froh, dass im Ort nach dem Urteil wieder Ruhe einkehren kann. 

Robert Schwabl, der gerade aus dem Dorfladen kommt, hat die Berichte über den Doppelmord und den anschließenden Prozess sporadisch gelesen. „Da sieht man, dass so etwas leider jederzeit passieren kann – eben auch bei uns.“ Ängstlicher habe ihn der Vorfall allerdings nicht gemacht. „Ich habe einen Wachhund, der passt hoffentlich auf mich auf“, meint der Senior und deutet ein Lächeln an. Dann wird der 74-Jährige ernst. Mit dem Strafmaß ist er nicht zufrieden. „Acht Jahre für die Frau, die alles angeleiert hat? Das ist zu wenig.“ Trotzdem sei der ganze Ort froh, dass dieses dunkle Kapitel nach gut eineinhalb Jahren beendet ist. „Die Nachbarn, das ganze Dorf: Alle müssen nun wieder zur Ruhe kommen.“ mh

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