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Urteil des Amtsgerichts

Vermieter zerlegt die Möbel von säumigem Mieter

Königsdorf – Der Mieter war säumig, also zerlegte der Vermieter aus Königsdorf einfach die Möbel: Dass das so nicht geht, hat das Amtsgericht geurteilt.

Als seine Mieter nicht mehr zahlten, soll ein Königsdorfer Vermieter nicht lange gefackelt haben. Statt eine Räumungsklage anzustreben, habe er zur Selbsthilfe gegriffen: Der Mann (48) soll die Wohnungstür ausgehängt und die Einrichtung zerlegt haben. So stellte es die Staatsanwaltschaft dar. Deshalb musste sich der Königsdorfer wegen Nötigung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht verantworten.

„Das stimmt so nicht ganz“, erklärte der Angeklagte. Ein halbes Jahr Miete sei ihm das Paar schuldig geblieben – rund 3300 Euro. Ständig sei er vertröstet worden. Deshalb habe er die Mieterin vor die Wahl gestellt: Miete zahlen oder ausziehen. „Aber das war ihr scheißegal“, ereiferte sich der Beschuldigte, noch immer sichtlich angefressen. Im Oktober vergangenen Jahres sei das Paar dann tageweise nicht mehr erschienen.

Irgendwann, so der Vermieter, sei er von anderen Mietern informiert worden: „Die zwei räumen aus.“ Weil sie sich wochenlang nicht mehr blicken ließen und zudem ein Wasserschaden eingetreten sei, habe er die Wohnung aufgebrochen. „In der Wohnung war nur noch Müll und Sachen, die sie nicht mehr gebrauchen konnten“, sagte er. Eine andere Mieterin ergänzte: „Da waren nur noch Fliegen, verschimmeltes Essen und ein totes Kaninchen. Es sah nicht so aus, als ob da noch jemand wohnt.“

In dem Glauben, das Paar habe sich aus dem Staub gemacht und um die Wohnung wieder vermieten zu können, habe er die restlichen Sachen zerlegt. „Nach zwei Wochen kamen sie wieder und wollten den Rest“, sagte der Königsdorfer.

Für die zerlegten Möbe (einen Schrank, ein Bett und ein Sideboard, dessen Wert die Verteidigerin mit „maximal 200 Euro“ bezifferte) forderten die Mieter 4000 Euro. „Die Wohnung war in einem desolaten Zustand, sein Handeln ist nachvollziehbar“, so die Rechtsanwältin. Richter Helmut Berger sah das entwas anders und verurteilte den Königsdorfer zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro. „Sie haben bei der Räumaktion Sachen zerlegt, die noch intakt waren. Dazu waren sie nicht berechtigt. Auch als Vermieter kann man nicht einfach selbst Hand anlegen“, begründete Berger sein Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte 60 Tagessätze beantragt, die Verteidigung hielt 20 für ausreichend.

von Rudi Stallein

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