Langjähriger Arbeitsplatz: Josef Birzele in der Jugendsiedlung Hochland. 

Verabschiedung des langjährigen Leiters

Wie Josef Birzele die Jugendsiedlung Hochland geprägt hat

27 Jahre hat Josef Birzele (63) die Jugendsiedlung Hochland geleitet. Am Freitag, 12. Oktober, wird er feierlich verabschiedet. Wir sprachen mit ihm seine Zeit in Königsdorf. 

KönigsdorfHerr Birzele, wenn Sie auf Ihre Tätigkeit in der Jugendsiedlung zurückschauen. Gibt es ein Ereignis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Begeistert haben mich vor allem die vielen jungen Leute, die sich so engagieren. Besondere Ereignisse gab es einige. So war es sehr bewegend, als nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl Kinder aus der Ukraine zur Erholung in die Jugendsiedlung kamen. Unvergessen bleiben wird für mich auch das Jugendfeuerwehrlager 2014 mit 4500 Teilnehmern. (Lacht) Das war die größte Gastgruppe, die wir je hatten,

Wie hat sich die Jugendsiedlung in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert?

Als ich im Jahr 1991 angefangen habe, gab es zwei Pädagogen, jetzt sind es sieben plus freie Mitarbeiter. Damals wurden zirka 30 Seminare pro Jahr angeboten, jetzt sind es 450. Einer unserer Schwerpunkte liegt eindeutig bei der Qualifizierung von Ehrenamtlichen. Auch die Fortbildung von Hauptberuflichen haben wir professionalisiert, etwa durch die Möglichkeit, Zusatzqualifikationen zu erwerben, zum Beispiel in Erlebnispädagogik oder durch Lehraufträge an Hochschulen.

Die politische Bildung war auch immer ein zentrales Thema. Aktuell ist unsere, sich noch im Aufbau befindende, Demokratiewerkstatt. Wichtig ist uns auch der Bereich Umweltbildung. Seit 1996 ist unsere Umweltstation eine der ersten anerkannten Umweltstationen in Bayern.

Josef Birzele wird an diesem Freitag als Leiter der Jugendsiedlung verabschiedet. 

Bei den Gästen – wir haben über 55 000 Übernachtungen im Jahr – liegt unser großer Schwerpunkt inzwischen bei der Kooperation mit den Schulen, etwa im Bereich Berufsorientierung, bei Umweltwochen, Klassengemeinschaftstagen und in der Begleitung von Schülersprechern. Im Sommer steht nach wie vor das Zeltlager im Mittelpunkt, das traditionell von den verschiedensten Jugendverbänden gebucht wird.

Es gab große Modernisierungsmaßnahmen während Ihrer Zeit als Leiter der Jugendsiedlung...

Richtig, man könnte sagen, dass alle Gebäude der Jugendsiedlung einmal modernisiert wurden. Kommendes Jahr wird auch der große Umbau des Tagungshauses vollendet sein, der in den Jahren 2017 bis 2019 in zwei Bauabschnitten durchgeführt wurde. Kostenpunkt: sechs Millionen Euro.

Welche Projekte der vergangenen Jahre halten sie für besonders wichtig?

Es ist gelungen, die Jugendsiedlung an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Ein großes Anliegen war mir zudem über die Jahre stets die Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Hochlandlagers. Auch sind wir mit 42 festangestellten Mitarbeitern ein beliebter örtlicher Arbeitgeber und damit ein regionaler Wirtschaftsfaktor.

Ihre Nachfolge ist bereits geregelt. Roland Herzog und Robert Wenzelewski haben als Tandem die Aufgaben der Leitung übernommen. Warum gibt es künftig eine Doppelspitze?

Die Betriebsleitung und die pädagogische Leitung wurden auf zwei Schultern verteilt. Es sind zwei erfahrene Kollegen, die übrigens aus der Jugendsiedlung kommen.

Wie sehen Ihre persönlichen Zukunftspläne aus?

Meine Familie und ich ziehen nun aus unserer Dienstwohnung in der Jugendsiedlung nach Bad Heilbrunn. Wir haben übrigens genauso lange in der Jugendsiedlung gewohnt, wie meine Tochter alt ist.

Wenn Sie künftig in Bad Heilbrunn wohnen, bleiben Sie dann dem Königsdorfer Gemeinderat erhalten? Sie sitzen ja für die Unabhängige Bürgerliste in dem Gremium.

Ja, ich behalte meinen zweiten Wohnsitz in Königsdorf und bleibe auch weiterhin in mehrere Vereine und in einen großen Freundeskreis im Ort eingebunden. Auch der Jugendsiedlung bleibe ich verbunden, und zwar im Förderkreis und bei der Außenvertretung zum Beispiel im Jugendhilfeausschuss im Kreistag.

Welcher Teil Ihrer Arbeit wird Ihnen am meisten fehlen?

Die vielen netten Leute, mit denen ich zum Teil viele Jahre zusammengearbeitet habe, die Begegnung mit engagierten Menschen in Netzwerken der Jugendarbeit und auch diese ganz besondere Stimmung bei Veranstaltungen, etwa am Lagerfeuer.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Jugendsiedlung?

Dass der Leitspruch bei der Gründung im Jahr 1949 weiterhin gilt, nämlich: „Jungen Menschen in den Nöten ihrer Zeit beizustehen.“

Eine letzte Frage: Auf was freuen Sie sich persönlich?

Ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie meine oft sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten immer mitgetragen hat. Ich freue mich deshalb auf mehr selbstbestimmte Zeit, die ich mit meiner Frau, meiner Tochter und Freunden in der Natur genießen werde. Yvonne Zuber

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