Sie haben die Ausstellung vorbereitet: (v. li.) Museumsleiterin Veronika Mayer, Georg Demmels Großneffe Michael sowie Kurator Franz Grasberger.
+
Haben die Ausstellung vorbereitet: (v. li.) Museumsleiterin Veronika Mayer, Georg Demmels Großneffe Michael sowie Kurator Franz Grasberger.

Der fast vergessene Meister

Königsdorfer Heimatmuseum zeigt Werke des „Hoichermalers“ Georg Demmel

Er geriet in Vergessenheit, der 1972 verstorbene Maler Georg Demmel. In einer Ausstellung im Königsdorfer Heimatmuseum werden nun Werke des „Hoichermaler“ gezeigt.

Königsdorf – Es kommt öfters vor, dass das Schaffen eines Künstlers erst dann öffentliche Beachtung und Wertschätzung findet, wenn er längst tot ist. So ähnlich verhält es sich auch mit Georg Demmel, dem „Hoichermaler“ aus Königsdorf. Nachdem es im Jahr 2000 schon eine Ausstellung von einigen seiner Werke im Tölzer Stadtmuseum gegeben hatte, geriet der 1972 verstorbene Maler wieder in Vergessenheit.

Buch über Demmels Leben und künstlerisches Erbe gibt den Anstoß

Dann kam – angestoßen vom Tölzer Kunstmäzen Franz Röckl und unter Federführung von Walter Frei – im Herbst vorigen Jahres ein Buch über Demmels Leben und künstlerisches Erbe heraus. Davon inspiriert hat der Königsdorfer Verein „Unser Dorf“ nun mit kaum bekannten Bildern des Bauernmalers von zwei Leihgeber-Familien eine Ausstellung im örtlichen Heimatmuseum auf die Beine gestellt. Am vergangenen Sonntag wurde sie eröffnet.

„Es sind Exponate, die bisher eigentlich niemand gesehen hat“, erklärte Museumsleiterin Veronika Mayer, die in Verbindung mit dem Verein „Unser Dorf“ die Schau mit initiiert hatte. Die optische und räumliche Gestaltung lag im Wesentlichen in den Händen von Franz Grasberger. Rar in der vorgestellten Sammlung sind etwa zwei wahrscheinlich 1926 entstandene Ölporträts, die die Eltern des einstigen Königsdorfer Bürgermeisters Franz Reindl zeigen. Rar deshalb „weil Georg Demmel später nie mehr mit Öl gemalt hat“, wie Mayer erläuterte. Er wisse nur von einem einzigen weiteren Bild in Öl, meinte Michael Demmel, ein Großneffe des Künstlers, der den Nachlass hütet.

Motive aus der bäuerlichen Lebens- und Arbeitswelt

Georg Demmel hatte sich der Aquarell-Malerei verschrieben. Seine Motive entstammten häufig der bäuerlichen Lebens- und Arbeitswelt. Ob etwa die Getreideernte mit Sicheln, ein Ochsengespann mit einer „Schloapf“ auf dem winterlichen Weg zum Streuholen oder ein Bauersmann mit Pferden beim „Baumhakeln“ – es waren oft nur wenige Pinselstriche, ausgefüllt mit besonderem Gespür für passende, bevorzugt erdige Farbtöne, mit denen der Hoichermaler ansprechende und stimmige Bilder kreierte. Er habe keine Modelle gebraucht, „er kannte von Kindheit an alles bäuerliche Umfeld und hatte die Anatomie von Menschen und Tieren verinnerlicht“, schilderte Grasberger die Arbeitsweise des 1899 in Königsdorf geborenen und als bescheiden und zurückhaltend beschriebenen Kunstschaffenden. Seine persönliche Note legte Georg Demmel auch in die von ihm verwendeten Farben: „Er hat Pigmente gekauft und die Farben selber gemischt“, erzählte sein Großneffe. „Eine spezielle Qualität erzielte er durch die Beigabe von Biestmilch, also der ersten Milch einer Kuh nach dem Kalben.“

Studium an der Kunstgewerbeschule in München

Das Können des Hoichermalers beruhte indes nicht nur auf seinem Naturtalent, wie auf einer Infotafel im Königsdorfer Heimatmuseum nachzulesen ist: Der Bauernsohn studierte in der damaligen Kunstgewerbeschule in München. An den Exponaten der Ausstellung lässt sich nachverfolgen, wie sich der Malstil und die Ausdrucksweise im Laufe der Jahre verändert haben. Neben detailliert ausgearbeiteten Hinterglasbildern und filigranen Darstellungen vom „Filz an der Rottach“ und der „Isar zwischen Lenggries und Fall“ fällt der Blick des Besuchers auf drei Holzelemente, bemalt mit religiösen Motiven. Sie stammen aus der Holzdecke der alten Kirche in Oberteisendorf und kamen nach deren spektakulärem Abriss über Umwege in den Besitz des Vereins „Unser Dorf“.

Vielerorts ist Demmels künstlerische Handschrift zudem gegenwärtig anhand von Fresken an Häusern – besonders zahlreich etwa in der Tölzer Marktstraße. Der Hoichermaler und Königsdorf hätten es verdient, auf all diese Schätze aufmerksam zu machen, stellte Vroni Mayer fest. Und vielleicht, so Franz Grasberger, „können wir mit der Ausstellung auch bei jungen Leuten ein Gespür für alte Wertigkeiten wecken“.

Info

Die Sonderausstellung im Königsdorfer Heimatmuseum läuft bis Ende Oktober und ist sonntags von 9.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Sonderführungen ab 5 Personen vereinbar unter der Telefonnummer 0 81 79/424.

Rosi Bauer

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare