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Liebe zur Ortsgeschichte: Lorenz Gerold, Alfred Stangler und Sebastian Schwaiger-Strohmeier haben sich viele Jahre lang mit dem fotografischen Nachlass von Werner Beier beschäftigt. 

Das Erbe des Journalisten Werner Beier

Königsdorfer Zeitgeschichte in Bildern

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Die Gemeinde Königsdorf hat einen wahren Schatz geerbt: 80 000 Fotos des einstigen Journalisten Werner Beier. Vertreter des Arbeitskreises Königsdorfer Geschichte haben sie in mühevoller Kleinarbeit gesichtet und ausgewertet. 

Königsdorf – Ein Satz von Werner Beier ist heute noch ein geflügeltes Wort in Königsdorf. Er lautet: „Stasi, Licht!“ Gemeint war seine Frau Anastasia, die er auf diese Weise aufforderte, die Lampe so zu halten, dass er seine Fotos schießen konnte. Digitalkameras waren noch nicht erfunden, als Beier seinem Beruf nachging. Ganz altmodisch und mit viel Mühe stellte Werner Baier sein Objektiv ein, bis schließlich Anastasia das Ganze ins rechte Licht rückte. So entstanden über 80 000 Fotos. Sie alle sind von großem zeitgeschichtlichem Wert.

Wo immer in Königsdorf oder im Altlandkreis zwischen 1954 und seinem Tod 1997 eine Veranstaltung stattfand, war Werner Beier da. Im Auftrag unserer Zeitung, des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, eilte er von Termin von Termin. Gaufest, Fußballspiel, Vereinssitzung, Oldtimertreffen: Überall war der rasende Reporter vor Ort – und seine Anastasia auch. Der Zeitraum, in dem Beier, ein Heimatvertriebener, das Leben des Altlandkreises dokumentierte, war extrem bewegt – lokal, national und global. Zur groben Einschätzung: 1954 wurde Deutschland Fußball-Weltmeister. 1997 starb Prinzessin Diana. „Werner Beier hat bis zum letzten Tag gearbeitet“, sagt Alfred Stangler, Altbürgermeister und Mitglied im Arbeitskreis.

Nach dem Tod von Werner Beier überließ sein Sohn Wolfgang einen großen Teil des Fotonachlasses der Gemeinde Königsdorf. Damit begann ein hartes Stück Arbeit für Lorenz Gerold, Alfred Stangler und Sebastian Schwaiger-Strohmeier. Die drei nahmen sich der Unmengen an belichteten Filmrollen an. Einige waren beschriftet, viele andere nicht. „Wir mussten schon hartnäckig sein“, sagt Lorenz Gerold. Fünfeinhalb Jahre setzten sie sich fast jeden Dienstagmorgen im Haus von Lorenz Gerold zusammen und versuchten Ordnung in das Chaos zu bringen. Jetzt, nach 152 Sitzungen, sind sie fertig. Darauf haben sie am vergangenen Dienstag mit einem Schluck Sekt angestoßen. „Die Arbeit hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht“, sagt der Hausherr. „Aber ich bin auch froh, dass es jetzt vorbei ist.“

Auf manchen Fotos erkannte Alfred Stangler sich selbst

Die kleine Belohnung in Form des Schaumweins war wohlverdient. Es waren nämlich viele, viele Arbeitsschritte nötig, um den Beier’schen Nachlass auszuwerten, und das heißt: benutzbar zu machen. Zunächst wurden von den Negativen Positivbilder in Dia-Größe angefertigt und auf einem DIN A 4-Blatt zusammengetragen. So konnte man erkennen, was die Bilder überhaupt zeigten. Was die drei Heimatforscher sahen, waren faszinierende Ansichten von einst: Wie im Schnelldurchlauf erlebten sie die Königsdorfer Geschichte. Manchmal staunten sie auch, was sie nicht sahen: Etwa den Gewinn der Bayerischen Meisterschaft auf Natureis durch die Königsdorfer Eishockey-Jugend im Jahr 1963. „Damit hätte ich eigentlich gerechnet“, so Lorenz. Warum die Fotos nicht dabei sind? Dieses Rätsel wird sich wohl kaum lösen.

Dann recherchierten die drei Männer mit dem Faible für die Ortsgeschichte die näheren Umstände: Wen oder was zeigt das Bild? Von wann könnte es stammen? Dabei kam ihnen zugute, dass sie in Königsdorf bestens vernetzt sind: Stangler als Altbürgermeister, Lorenz als ehemaligen Leiter der Raiffeisenbank und Schwaiger-Strohmeier als Sohn des ehemaligen Bürgermeisters Sebastian Schwaiger kennen Gott und die Welt. Manches konnten sie sofort identifizieren, für anderes mussten sie nachfragen. Die Ergebnisse ihre detektivischen Kleinarbeit hielten sie handschriftlich fest. Und diese Resultate wiederum tippte Lorenz Gerold in den Computer ein. Es sind nur wenige Fragezeichen übrig geblieben. Übrigens: Auf vielen Bildern war Stangler selbst zu sehen, wegen der vielen Funktionen, die er im Dorfleben innehatte. „Je älter die Fotos, desto jünger die Leute“, scherzt er.

Wer jetzt etwa ein Königsdorfer Motiv aus den 1950er, 60er, 70er, 80er oder auch 90er Jahren sucht, kann sich gerne an den Arbeitskreis wenden. Wenn etwa ein Verein eine Chronik erstellen will, der kann im Beier’schen Nachlass aus dem Vollen schöpfen. Die Bände mit den Bildern – es handelt sich um 16 DIN A 4-Ordner – wanderten direkt nach dem kleinen Sektempfang ins Königsdorfer Rathaus. „Benutzer sind herzlich eingeladen“, so Stangler. Und vielleicht erklärt sich auch noch so manches, letzte Fragezeichen.

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