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Verhandlung am Amtsgericht

Königsdorferin verleumdet Polizistin: Hohe Strafe

Königsdorf - Eine Königsdorferin hat eine Polizistin verleumdet - und muss deswegen eine hohe Strafe bezahlen.

Der Rechtsanwalt konnte nicht glauben, was seine Mandantin ihm berichtete. Nach einer Zeugenvernehmung auf der Polizeiinspektion in Geretsried sei sie aufgefordert worden, etwas zu unterschreiben, ohne es vorher lesen zu dürfen. „Ich konnte mir das nicht vorstellen und habe deshalb bei der Polizei angerufen“, sagte der Anwalt. „Ich wollte Klarheit haben.“ Die bekam er. Doch der Ball, den er damit ins Rollen brachte, geriet für seine Mandantin zum Eigentor. Die Königsdorferin (43) musste sich wegen Verleumdung vor dem Strafrichter verantworten.

Die Angeklagte machte ihr „Durcheinander im häuslichen Umfeld“ für den Vorfall am 7. Juli verantwortlich. Außerdem habe sie die Polizistin damals wegen „einem Schlag aufs Ohr“ (den sie kurz zuvor von ihrem Ehemann erhalten habe) nicht verstanden. „Ich war völlig durch den Wind“, sagte die Frau. „Für mich war es schwierig, das Amtsdeutsch zu verstehen.“ Die Erklärung gegenüber ihrem Rechtsanwalt wertete sie rückblickend als „Missverständnis im Ganzen: Ich habe ihn falsch verstanden, er hat mich falsch verstanden.“

Solche Äußerungen konnte die von der Angeklagten beschuldigte Polizeibeamtin nicht nachvollziehen. „Die Abläufe sollten ihr bekannt sein.“ Wegen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann sei die Frau öfter auf der Dienststelle vorstellig geworden. Am besagten Tag habe die Hauswirtschafterin als Zeugin gehört werden sollen. „Aber es kam keine Vernehmung zustande“, beteuerte die Beamtin. Nach einer Viertelstunde sei die Frau unverrichteter Dinge wieder gegangen. „Deshalb gab es auch nichts zu unterschreiben: Nichts von alldem, was sie erzählt, hat gestimmt“, sagte die Polizistin. Deshalb habe sie nach dem Anruf des Anwalts Anzeige erstattet.

Die Verteidigung beharrte darauf, dass „rechtliche Begriffe seinerzeit bei der Frau Unverständnis ausgelöst“ hätten und das Ganze „nicht bewusst und nicht beabsichtigt“ gewesen sei – und beantragte Freispruch. Für Staatsanwaltschaft und Gericht stellte es sich anders dar. „Wenn die Polizei durch eine falsche Behauptung in Verruf kommt, schlecht zu arbeiten, ist das Verleumdung“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. „Es gab nichts zu unterschreiben, es gab nichts zu lesen, es gab nichts falsch zu verstehen“, fasste Richter Helmut Berger zusammen. Er verurteilte die Königsdorferin zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 26 Euro, also zu 2340 Euro.

von Peter Herrmann

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