+
Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Die Bluttat von Königsdorf

Kommentar: Schlag gegen das Vertrauen

Königsdorf - Die Bluttat in Königsdorf gibt Rätsel auf. Gerade in Südbayern, das zuletzt von einer Einbruchsserie heimgesucht wurde, wächst die Verunsicherung. Darauf haben Politik und Polizei zu reagieren, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.  

Was geschah in dem Einfamilienhaus in Königsdorf,in dem die Polizei am Samstag zwei Tote und eine Schwerstverletzte fand? Die Kripo ermittelt auf Hochtouren. Die Spuren am Tatort wiesen auf einen Raubmord hin, hieß es am Montag aus der Staatsanwaltschaft. Der Fall – die Opfer wurden erschlagen – ist monströs. So monströs, dass er das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erschüttert. Bereits der zuletzt registrierte steile Anstieg der Einbruchszahlen – im südlichen Oberbayern wurden allein 2016 neun Prozent mehr Fälle registriert – hat dem Vertrauen in das Schutzversprechen des Staates einen heftigen Schlag versetzt.

Das liegt auch daran, dass sich die Länder trotz zahlreicher Beteuerungen, den Kampf gegen die organisierte Einbruchskriminalität ganz nach oben auf die Agenda zu setzen, machtlos zeigen: Nicht mal jeder sechste Einbruch wird derzeit aufgeklärt. Und noch viel weniger Täter, meist Angehörige ost- und südosteuropäischer Banden, wurden ermittelt. Die Fälle würden nur verwaltet, nicht aufgeklärt, klagt die Gewerkschaft der Polizei. Noch ist nicht klar, wessen Handschrift die Königsdorfer Bluttat trägt, und gewiss wird hier, weil es sich um Mord handelt, der Staat mit anderer Entschlossenheit zu Werke gehen. Überraschende Wendungen sind nicht ausgeschlossen. Doch zeigten bereits andere Fälle aus der jüngeren Vergangenheit, dass auch „gewöhnliche“ Einbrecher immer brutaler vorgehen.

Praktiker haben einen Forderungskatalog

Die Politik sollte deshalb gut hinhören, wenn Praktiker sagen, was zu tun ist. Ihr Forderungskatalog umfasst den Aufbau von Polizei-Sonderkommissionen ebenso wie die Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften und -gerichten, die im Umgang mit Einbrecherbanden geschult sind. DNA-Proben müssen schneller ausgewertet werden, damit die Täter nicht längst weg sind, wenn man ihnen die Verwicklung in Straftaten nachweisen kann. Nur mit hohem Ermittlungsdruck lässt sich hochprofessionell agierenden Clans beikommen. Auch das Auslesen von Handys von Straftätern muss endlich leichter möglich sein, um die Hintermänner zu ermitteln. Nachholbedarf gibt es zudem bei der europäischen Vernetzung der Polizei. Wenn Verbrecher vom grenzenlosen Europa mehr profitieren als unbescholtene Bürger, ist etwas gewaltig schiefgelaufen. Der Staat muss seine Hausaufgaben machen – auch dann, wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass die Mörder von Königsdorf andere waren als die üblichen Verdächtigen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Großeses Interesse: Integrationshilfe in fünf Sprachen
Wie findet man eine Wohnung? Wer darf mein Kind aus dem Kindergarten abholen? Die städtische Asylkoordinatorin gab den Flüchtlingen, die in Geretsried untergebracht …
Großeses Interesse: Integrationshilfe in fünf Sprachen
Missionskreis erwirtschaftet fast 8500 Euro für Schulprojekt und Suppenküche
Einzelne können viel bewirken: Das zeigt der Missionskreises im Pfarrzentrum Heilige Familie. Allein durch Handarbeit erreichten die Damen eine Spendensumme, mit der sie …
Missionskreis erwirtschaftet fast 8500 Euro für Schulprojekt und Suppenküche
Kunstmeile Wolfratshausen: Werbekreis lädt zur „Late Night“ 
Die Vorfreude bei den Organisatoren ist groß, die Wetterprognosen stimmen sie zusätzlich optimistisch: Am kommenden Freitag startet die Kunstmeile in Wolfratshausen.
Kunstmeile Wolfratshausen: Werbekreis lädt zur „Late Night“ 
Gemeinderat wehrt sich gegen weitere Funkmasten
Zwei Funkmasten sind genug, findet der Eurasburger Gemeinderat. In seiner Sitzung sprach er sich gegen die Errichtung weiterer Mobilfunkanlagen an der Autobahn aus.
Gemeinderat wehrt sich gegen weitere Funkmasten

Kommentare