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Plädoyer für Europa: Bernd Posselt (li.) sprach auf dem Neujahrsempfang der Kreis-CSU. Am Tisch neben ihm (v. li.) der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan, Königsdorf Bürgermeister Anton Demmel, Frauen-Union-Kreischefin Sabine Lorenz, Dr. Helgard van Hüllen (Senioren-Union) und der UdV-Bezirksvorsitzende Andreas Orendi. 

Neujahrsempfang in Königsdorf

Kreis-CSU fordert: Vereint gegen den Nationalismus

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Das Thema Europa stand beim CSU-Neujahrsempfang in Königsdorf ganz oben. Stargast war der Europapolitiker Bernd Posselt.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Königsdorf – Die Sorge über den wachsenden Nationalismus in Europa und Teilen der Welt treibt die Christsozialen um. Das wurde während des Neujahrsempfangs deutlich, zu dem die Kreis-CSU zum vierten Mal im Verbund mit Frauen-Union, Senioren-Union, Union der Vertriebenen, CSA sowie dem Königsdorfer Ortsverband in den Gasthof Hofherr eingeladen hatten.

Nicht von ungefähr also war die Wahl der Veranstalter auf Bernd Posselt als Ehrengast gefallen. Der 62-Jährige ist Chef der Paneuropa-Union, der ältesten noch bestehenden europäischen Einigungsbewegung. Er saß von 1994 bis 2014 im Straßburger Parlament und möchte dort nach eigener Aussage nach der Europawahl Ende Mai „auch wieder hin“. Passenderweise hatte der Münchner sein aktuelles Buch im Gepäck. „Bernd Posselt erklärt Europa“ heißt das Werk, und genau dies tat der CSU-, Vertriebenen- und Europapolitiker dann auch gut 40 Minuten lang in Königsdorf. Derzeit befinde er sich zum sechsten Mal in einem Europa-Wahlkampf, sagte Posselt, „und so heftig wie diesmal ist es noch nie losgegangen. Denn die Leute erkennen den Ernst der Sache.“ Die Zeiten, in denen man „mühsam für Europa trommeln musste“, erscheinen ihm vorbei zu sein.

In einem geschichtlichen Exkurs verwies der 62-Jährige auf Parallelen der aktuellen Entwicklung zu der vor rund hundert Jahren, als während des Ersten Weltkriegs das alte Europa unwiderruflich zerbrochen und „in einem Meer des Nationalismus untergegangen“ war. In den anschließenden Friedensverhandlungen 1919 sei die Chance auf ein neues demokratisches Europa verwirkt worden. Stattdessen hätten die Nationalisten unter den Siegermächten eine Ordnung geschaffen, „die auch schon wieder den Keim des Todes in sich trug“. Gegen die Bedingungen der Sieger habe sich, so Posselt, unter den Besiegten ebenfalls ein Nationalismus aufgebaut.

Als Antwort darauf entstand die europäische Idee – allerdings über den grausamen Umweg des Zweiten Weltkriegs. Den hatte Richard Coudenhove-Kalergi, Gründer der Paneuropa-Union, bereits 1922 in seinem Buch Pan-Europa in vielen entsetzlichen Einzelheiten samt der Teilung in Ost und West als Kriegsfolge prophezeit, falls es nicht gelingen würde, Europa in allen Facetten zu einigen. Und weil „diese Pest des Nationalismus“ nun wiederkehre, habe er, Posselt, beschlossen, „mich wieder voll und ganz in die Schlacht zu stürzen gegen diesen Nationalismus“.

Über Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl, beide überzeugte Europäer, und deren Visionen landete Posselt schließlich in der Gegenwart: Wenn man den USA mit „ihrem irren Trump“, den Chinesen „mit ihrem gefährlichen Herrn Xi“ und den Russen „mit ihrem Diktator Putin“ künftig auf Augenhöhe begegnen wolle, sagte der 62-Jährige, „dann können wir das nur gemeinsam. Deshalb wollen ja die von mir genannten aggressiven Kräfte von außen und die Kräfte des Nationalismus von innen dieses Europa zersplittern.“

Auf die angesprochenen inneren Kräfte hatte Alexander Radwan, der zehn Jahre lang gemeinsam mit Posselt im Europäischen Parlament gesessen ist, in seiner kurzen Rede vor Posselts Vortrag schon hingewiesen. Die AfD mit ihrem Rechtsaußen Höcke wolle „Europa letztendlich zerstören“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Deshalb: „Lasst uns politisch kontrovers diskutieren, aber lasst uns gemeinsam denjenigen widerstehen, die gegen diese Demokratie, gegen dieses Grundgesetz zurück wollen in die Nationalstaatlichkeit, die die Basis aller Kriege auf diesem Kontinent war.“

peb

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