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Brust raus, Mundwerk auf: Wenn Lizzy Aumeier (begleitet von Svetlana Klimova am Piano) loslegt, bleibt kein Auge trocken.

Feuerwehr Osterhofen

Lizzy Aumeier über Sex, Sitten und sonstige Systeme

Die Krönung für die Feierlichkeiten der Osterhofener Feuerwehr: Kabarett von Lizzy Aumeier. Im Festzelt wurde nonstop entspannt gelacht.

Königsdorf – Um die Kritik gleich vorweg zu nehmen: Da ist dem Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Osterhofen ein echter Fauxpas passiert. Am Ende eines großartigen Auftritts bekommt der Künstler für gewöhnlich Blumen. Lizzy Aumeier hätte auch einen Schnaps genommen. Aber weder das eine noch das andere gab es als Dankeschön. Da griff sich der Gatte der Künstlerin die Blumendekoration von der Bühne und überreichte sie seiner Frau mit einem Augenzwinkern Richtung Veranstalter.

Die Dame mit Diadem im Haar und im schwarzen Fummel Größe 76 haut so schnell nichts um. Die schwergewichtige Aumeier teilte lieber aus und las den Trumps und Le Pens und dem Volk an sich in ihrem „Best of“ die Leviten. Sie zeigte fleischiges Bein, schob sich den Busen zurecht, kniff sich die Miederhose in Position und dann ging’s los über Sex, Sitten und sonstige Systeme fleischlicher Lust und Laune. Zwei Stunden wurde im Osterhofer Festzelt zum 111. Geburtstag der Feuerwehr am Montagabend nonstop entspannt gelacht.

Brust raus, Mundwerk auf: Wenn Lizzy Aumeier (begleitet von Svetlana Klimova am Piano) loslegt, bleibt kein Auge trocken.

Wenn jemand das Schönheitsideal der deutschen Frau auf den Kopf stellt, dann ist es Lizzy Aumeier aus der Oberpfalz. Die übrigens nicht nur eine studierte Kontrabassistin ist, sondern auch zahlreiche Preise einkassiert hat: den Deutschen Kabarettpreis 2012 und den Sonderpreis des Deutschen Kabaretts 2010. Bei der Aumeier bekommen die „oberbayrischen Männer, die über ein Dutzend nackter Frauen hinwegsteigen, um ans Bier zu kommen“ ihr Fett ab, genauso wie die verhungerten Blondinen – die „veganen Gemüseflitscherl“, die Kopfsalat-Smoothies trinken und beim Sex komische Grimassen ziehen. Wenn es um die Männer geht, kennt Lizzy Aumeier kein Pardon. Einer muss immer dran glauben. Dieses Mal war es „Frischfleisch“ Stefan aus der hintersten Bierbankreihe. Der stand etwas später unversehens auf der Bühne und musste mit der korpulenten Kabarettistin die Liebesszene am Bug der „Titanic“ parodieren.

Musikalisch begleitete Aumeier Svetlana Klimova, eine hervorragende Violinistin und Pianistin. Neben all der verbalen Provokation spielten die beiden Damen mal ein bisschen Vivaldi und ein wenig Richard Strauss, ehe es weiter bitterböse und sauber obszön im Programm weiterging. Ob es um Kulturen und Mentalitäten ging, um echten Sex oder unehrliche Liebe oder um die „neu wachsenden Körperteilen ab Ü 50“ – Lizzy Aumeier hat ihre Strategie: Sie hält den Winke-Arm fest, schiebt die Bauchspeckrolle zurecht und greift zum Kontrabass-Bogen, um den seltsamen Dingen und Gewohnheiten einen kraftvollen Unterton zu geben. Andrea Weber

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