Ein Apfel
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Für die Obstpressen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fallen heuer voraussichtlich nicht viele Äpfel ab.

Gartenbauvereine erwarten magere Ernte

Nach 2020 erneut nur trübe Aussichten auf Apfelsaft

  • VonRudi Stallein
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Frosteinbrüche, Starkregen, Hagelschlag: Für die Obstpressen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt‘s heuer voraussichtlich nicht viele Äpfel und Birnen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie jedes Jahr nehmen die Gartenbauvereine in diesen spätsommerlichen und frühherbstlichen Tagen und Wochen ihre Obstpressen in Betrieb. Richtig lohnen wird es sich dieses Mal jedoch nicht. Schlechtes Wetter, Frosteinbrüche und vor allem die extremen Hagelstürme haben den Apfel- und Birnbäumen im Landkreis mächtig zugesetzt. „Man muss ja nur mit offenen Augen durch die Landschaft fahren. Dann sieht man, dass sehr wenig an den Bäumen hängt“, sagt Katharina Demmel vom Obst- und Gartenbauverein Königsdorf. Schon die vergangenen zwei Jahre war die Ernte vielerorts deutlich geringer ausgefallen als im Herbst 2018, als die Hobbygärtner nach einem Jahrhundertsommer mit prall gefüllten Kisten, Körben und Säcken an den Obstpressen Schlange standen.

Lohnt es sich überhaupt, die Obstpresse aufzubauen?

Heuer habe man kurzzeitig überlegt, ob es sich überhaupt lohne, die Obstpresse aufzubauen, berichtet Demmel. Aber der Gedanke sei schnell verworfen worden. „Das sind wir den Leuten schuldig“, sagt die Vereinsvorsitzende. Demmel verweist auf den Umweltpreis des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, der 2019 an die Gartenbauvereine mit Obstpressen verliehen worden war. „Da können doch nicht sagen: Wir pressen nur in guten Jahren.“ Allerdings sei man heuer 14 Tage später dran, als gewöhnlich. An diesem Freitag, 10. September, laufen die Förderbänder am Hof in Königsdorf erstmals.

Noch ein paar Tage länger muss sich gedulden, wer seine Äpfel beim Garten- und Verschönerungsverein Beuerberg-Herrnhausen zu Saft pressen lassen möchte. Am Dienstag, 14. September, steht für das Team um Othmar Winterling der erste Termin im Kalender. Aufgrund der spärlichen Ernte läuft die Obstpresse in Beuerberg vorerst auch nur an einem Tag in der Woche. „Vielleicht ein Viertel von der üblichen Menge“ erwartet die Vereinsvorsitzende Maria Schön diesen Herbst. „In manchen Gegenden sind die Apfelbäume prall behangen, in unserem Landkreis nicht“, sagt sie. Die Berge von Plastiktüten und Kartons, die der Verein geordert habe, weil man wegen der Pandemie Lieferengpässe der Hersteller befürchtet habe, „können wir nun im nächsten Jahr hernehmen.“

Termine

• Beuerberg: Der erste Termin des Garten- und Verschönerungsvereins Beuerberg-Herrnhausen ist am kommenden Dienstag, 14. September. Vorerst werden nur dienstags Äpfel gepresst. Anmeldung Montag und Donnerstag zwischen 17 und 20 Uhr unter Telefon 01 76/72 96 34 32.

• Benediktbeuern: Anmeldung für die Obstpresse des Garten- und Verschönerungsvereins Benediktbeuern übers Internet unter der Adresse https://gvv-benediktbeuern.de

• Eurasburg: Der Gartenbauverein Eurasburg nimmt seine Obstpresse an folgenden Samstagen (jeweils ab 9 Uhr) in Betrieb: 18. September, 25. September, 9. Oktober, und 16. Oktober. Das Krautschneiden findet am 16. Oktober von 8.30 bis 10.30 Uhr statt. Anmeldungen jeweils montags und dienstags zwischen 17 und 20 Uhr unter Telefon 01 78/6 81 79 60.

• Egling: Der Gartenbauverein Egling hat noch keinen Termin für den Start festgelegt. Geplant ist er Ende September. Anmeldungen werden unter Ruf 0 81 76/70 64 entgegengenommen.

• Königsdorf: Der Obst- und Gartenbauverein nimmt die Obstpresse presst je nach Bedarf freitags und samstags ab 8 Uhr – nach vorheriger Anmeldung unter Ruf 0 81 79/88 71.

• Lenggries: Die Mosterei Wenig nimmt (voraussichtlich bis Ende Oktober/Anfang November) Obst zu folgenden Zeiten entgegen: Montag bis Freitag, 8 bis 11.30 und 17 bis 18 Uhr, und samstags von 8 bis 11.30 Uhr.

Bei der Anlieferung gelten in allen Vereinen und Betrieben die allgemeinen Corona-Regeln, also Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Abstand halten. (rst)

Ruhigen Tagen sieht ebenfalls Irene Grünwald mit ihrem Team entgegen. „Es wird ein sehr maues Jahr“, argwöhnt die Vorsitzende des Vereins für Gartenbau und Ortspflege Eurasburg und Umgebung. Schon Anfang August seien die Vereinsmitglieder über die Termine der Obstpresse informiert worden. „Angemeldet hat sich noch keiner“, sagt Grünwald vier Wochen später. Auch wenn großes Gedränge wohl nicht zu erwarten ist (Grünwald: „Für die Obstpresse rentiert es sich dieses Jahr nicht“), soll eine Neuerung, die voriges Jahr wegen Corona eingeführt wurde, beibehalten werden. „Jeder bekommt eine feste Uhrzeit, zu der er seine Äpfel mit Namen versehen in den Hof stellen kann. Wir rufen an, wenn wir fertig sind“, erklärt sie.

Mein Baum hat heuer nix. Und was dran ist, fault von innen heraus.

Inge Buchner, Gartenbauverein Egling

„Mein Baum hat heuer nix. Und was dran ist, fault von innen heraus“, beschreibt Inge Buchner vom Gartenbauverein Egling den Zustand ihrer persönlichen Ernte. Weil in der gesamten Gemeinde nur wenig mehr zu erwarten sei, gibt es auch noch keine festen Termine. „Wahrscheinlich werden wir erst Ende September starten“, sagt die Vorsitzende. Geöffnet werde nach Bedarf, voraussichtlich nur einen Tag in der Woche. „Es rentiert sich nicht. Dieses Jahr müssen wir einfach flexibel sein.“

Schon 2020 war kein gutes Obstjahr

Bei Fruchtsäfte Wenig (früher Mosterei Wenig) in Lenggries-Schlegldorf hat die Obstannahme seit Anfang dieser Woche geöffnet. Nach den ersten Tagen schwant Geschäftsführer Anton Filgertshofer nichts Gutes: „Es schaut nach einer Katastrophe aus.“ Der erste Apfel, der reif wird, ist die Sorte Jakob Fischer, davon gibt es heuer „ganz wenig“, weiß Filgertshofer. Schuld daran sei vor allem der Hagelsturm. Er hoffe auf Anfang Oktober, wenn die späteren Sorten wie Boskop, Topas, Oldenburger oder Kardinal geerntet werden. „Wichtig ist, dass der Apfel wirklich reif ist“, betont der Chef. Am ersten Öffnungstag habe er einen „Lieferanten“ heimschicken müssen. Es gibt nicht nur weniger Äpfel, viele seien auch kleiner als gewöhnlich geblieben. Und weil es weniger Sonnentage gab, müsse man zwar beim Zuckergehalt kleine Abstriche machen. Filgertshofer: „Aber dadurch produziert der Apfel auch nicht so viel Säure. Die Qualität leidet nicht.“

Anders, als der Absatz des Familienbetriebs. Auf das Geschäft wirke sich die Situation stark aus, zumal das vorige Jahr schon kein gutes war im Hinblick auf die Obst-Ernte. „Das wird heuer eine Gratwanderung werden. Eventuell müssen wir Äpfel von Kollegen zukaufen. Das tun wir sehr selten und ungern“, erklärt Filgertshofer. Es stehe der regionalen Ausrichtung des Unternehmens entgegen. (rst)

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