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Auf dem Weg ins Berufsleben: Farsat freut sich über seine Ausbildungsstelle.  

In nur zwei Jahren zu Schulabschluss und Lehrstelle 

Nach Traumzeugnis: Flüchtling Farsat freut sich auf Ausbildung

Gleich sechsmal steht die Note „sehr gut“ im Zeugnis von Farsat Adel Kejlok. Mit diesem Traumergebnis hat der 19-Jährige aus dem Irak kürzlich die Praxisklasse der Berufsschule abgeschlossen – und eine Lehrstelle als Fachinformatiker gefunden.

Königsdorf –Farsat glänzt nicht zum ersten Mal mit seinen schulischen Leistungen. Nach nur acht Monaten in Deutschland hat er im vergangenen Jahr den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule mit einem Notenschnitt von 2,9 bestanden. Heuer besuchte er die Berufsschule in Bad Tölz, wo er verschiedene Praktika erfolgreich absolvierte – bei Firmen in München, Geretsried, Wolfratshausen und an der Königsdorfer Schule. So hat er auch eine Lehrstelle gefunden. Bei der Firma Lederer Systemhaus in Pasing wird Farsat ab September eine Ausbildung zum Fachinformatiker und Anwendungsentwickler machen.

„Ich habe einfach mit den Leuten gesprochen“

Farsat gehört den Jesiden-Kurden an. Wegen des Krieges war der 19-Jährige im Juni 2015 aus seiner Heimat, dem Nord-Irak geflohen. Über die Route durch die Türkei war er mehr als zwei Wochen auf der Flucht. Als unbegleiteter Jugendlicher kam er nach München und von dort schließlich in eine Wohngruppe im Inselhaus in Eurasburg.

Weil Farsat inzwischen volljährig ist, lebt er seit rund einem Jahr zusammen mit rund 25 Flüchtlingen in der Asylbewerberunterkunft in Königsdorf. Er bewohnt ein Zimmer im Erdgeschoss. Über seinem Bett hängen Fotos von Familienmitgliedern. Auf einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen steht frisches Obst. Außerdem gibt es in dem länglichen Raum einen Schrank, Bücherregale und einen kleinen Fernseher. Darauf angesprochen wie er es denn geschafft hat, so schnell so gut Deutsch zu lernen, strahlt Farsat über das ganze Gesicht. Dann sagt er bescheiden: „Ich habe einfach mit den Leuten gesprochen, da ist es irgendwie ganz schnell gegangen.“

„Die Leute hier sind sehr nett“

Der 19-Jährige erzählt, dass er im Irak das Gymnasium besucht hat. „Ich hatte vor, Medizin zu studieren“, verrät er. Jetzt hat er neue Pläne. „Zunächst will ich meine Ausbildung abschließen, dann vielleicht das Abitur nachholen und Informatik studieren.“ In Deutschland hat er sich gut eingelebt, er will hier bleiben. „Die Leute hier sind sehr nett, vom Helferkreis über die Behörden bis zu den Ärzten“, sagt Farsat. 

Deutschland sei zu seiner neuen Heimat geworden. Auch die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Menschen hier gefallen ihm. An Königsdorf mag er neben den Königsdorfern besonders die „herrliche Natur“. Walter Seemayer, Mitglied des Helferkreises, hebt Farsats soziale Kompetenz hervor. „Immer, wenn er gebraucht wird, ist er da.“ So dolmetscht der 19-Jährige etwa bei Arztbesuchen für die anderen Asylbewerber.

Umzug nach Wolfratshausen geplant

Trotzdem plant Farsat, Königsdorf bald zu verlassen – zugunsten eines kürzeren Arbeitsweges zu seiner Lehrstelle in München. Weil Wolfratshausen einen S-Bahn-Anschluss hat, sucht er dort aktuell eine Wohnmöglichkeit. Einen Antrag auf Unterbringung hat er bereits im Landratsamt gestellt. Große Ansprüche hat er nicht. „Ich brauche einen ruhigen Ort zum Lernen“, betont er.

Bis zum Beginn seiner Ausbildung im September genießt der 19-Jährige aber nicht etwa die sonnigen Sommertage. Farsat jobbt am Campingplatz in Königsdorf-Wiesen, hilft dem Hausmeister dort und macht, was gerade anfällt. Wenn ihm dann noch Freizeit bleibt, bringt er sich mit Anleitungen aus dem Internet das Gitarrespielen bei.

Yvonne Zuber

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