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In diesem Einfamilienhaus im Weiler Höfen hat sich das Gewaltverbrechen ereignet. In der Nacht zum Sonntag hat die Polizei dort zwei Tote und eine Schwerverletzte gefunden. Die Spurensicherung war den ganzen Sonntag über vor Ort.

Polizei findet zwei Tote in Einfamilienhaus

Schreckliche Gewalttat in Königsdorf: Das sind die Fakten

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In einem Einfamilienhaus im Weiler Höfen bei Königsdorf (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat sich eine grausige Tat ereignet. Die Hintergründe sind völlig unklar. Was wir von vor Ort wissen.

Update: Bei den Toten handelt es sich nach Informationen der „tz“ um einen 81-jährigen Mann und eine 75-jährige Frau. Offenbar wurden sie erschlagen. Die Eigentümerin (76) des Hauses erlitt ebenfalls Schlagverletzungen und ist schwer verletzt. Mehr aktuelle Informationen lesen Sie in unserem Ticker

Königsdorf – Vögel zwitschern, auf der Koppel eines Reiterhofs genießen die Ponys am Sonntag die warme Februarsonne. Eine Mutter und ihre Tochter machen sich zu einem Ausritt bereit. Höfen liegt rund 50 Kilometer südlich von München im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Weiler gehört zur Gemeinde Königsdorf, hat gerade einmal etwas mehr als 100 Einwohner und ist ein Musterbeispiel für oberbayerisches Voralpenidyll. Hier kennt jeder jeden, hier schließt niemand die Haustür ab, hier hilft man sich.

Diese Idylle ist seit diesem Wochenende zerstört. Am Samstagabend, gegen 22.30 Uhr, erhielt die Polizei den Hinweis, dass in einem Anwesen, einem Einfamilienhaus, etwas nicht stimmt. Eine Viertelstunde später war eine Streife der Geretsrieder Polizei vor Ort und stellte zunächst Einbruchsspuren im Bereich der Terrassentür fest. Als die Beamten das Gebäude betraten, offenbarte sich ihnen das ganze Ausmaß der Bluttat, die sich in dem Anwesen abgespielt haben muss.

Ein Mann und eine Frau lagen tot im Haus. Sie sind offensichtlich Opfer einer Gewalttat geworden. Eine weitere Frau wurde mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Bei ihr soll es sich um die Hausbesitzerin handeln, eine 76 Jahre alte Witwe. Die Polizei äußert sich dazu ebenso wenig wie zur Identität der anderen Opfer, zur Todesursache und zu den genauen Umständen der Tat. „Alle drei Personen sind jedoch schon älter“, sagt Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. Die Untersuchungen am Institut für Rechtsmedizin in München sollen Klarheit bringen. 

„Noch keine konkreten Hinweise“: Polizei-Pressesprecher Jürgen Thalmeier steht den Medienvertretern Rede und Antwort.

Auch zu weiteren Einzelheiten hält sich Thalmeier bedeckt – zum einen, weil die Spurensicherung den ganzen Sonntag über im Haus war und auch noch einige Tage für ihre Arbeit brauchen wird. Zum anderen, weil jedes Detail, das an die Öffentlichkeit dringt, Täterwissen sein könnte. 

In welchem Verhältnis die Opfer zueinander standen, ob alle drei in dem Haus lebten oder ob sie sich gegenseitig besuchten, ist unklar. Auch ob sie erstochen, erschlagen oder erschossen wurden, gibt die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht preis. „Das Verbrechen könnte allerdings bereits einige Tage zurückliegen“, sagte Thalmeier.

Rund 50 Einsatzkräfte durchkämmten das Gebiet in Königsdorf

Noch in der Nacht auf Sonntag wurden die ersten Nachbarn befragt, suchten Hubschrauber die Umgebung ab. „Ich habe das schon gehört, auch die Sirene, die in der Nacht losging“, berichtet eine Anwohnerin. Mehr hat sie nicht mitbekommen – bis die Polizeibeamten am Sonntag zur Befragung vor ihrer Haustür standen.

Rund 50 Einsatzkräfte waren ab dem frühen Sonntagmorgen vor Ort. Ein Großteil von ihnen suchte die Umgebung ab. Nördlich des Grundstücks erstrecken sich Felder und ein kleines Waldstück, auch die nahe Bundesstraße 11 nahmen die Ermittler ins Visier, Polizeihunde waren im Einsatz. Wer von der B 11 nach Höfen wollte, musste an einer Polizeiabsperrung vorbei. 

Kontrolle: Wer am Sonntag in den Weiler Höfen wollte, musste an der Polizeiabsperrung vorbei.

Die Leichen waren zu diesem Zeitpunkt bereits abtransportiert, ebenso die Schwerverletzte.

Im Haus versuchten Spurensicherer in blauen Schutzanzügen Verwertbares zu finden. „Fingerabdrücke, Blutspuren, Haare, Hautpartikel, alles, was uns den Tätern näher bringen könnte“, erläutert Thalmeier. Untersucht wird auch, ob und wenn ja in welchem Umfang die Täter Diebesbeute gemacht haben. „Diese Arbeiten werden sicherlich noch einige Tage dauern“, prognostiziert Thalmeier.

Akribische Spurensuche: Die Einsatzkräfte suchten auch die Wiesen hinter dem Haus und das angrenzende Waldstück ab.

Zur Aufklärung des Gewaltverbrechens wurde die Sonderkommission „Soko Höfen“ eingerichtet. Es werden Zeugen gesucht, die auffällige Personen oder Fahrzeuge in den Tagen vor dem 26. Februar in der Nähe des Tatorts gesehen haben. Hinweise nimmt die Kripo Weilheim unter der Telefonnummer 08 81/64 00 entgegen.

Der große Faschingsumzug, der alle zwei Jahre am Faschingsdienstag ganz Königsdorf begeistert, soll Stand jetzt übrigens stattfinden. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch erst heute Abend. Dann treffen sich die Veranstalter von der Kinschdarfer Maschkera zum letzten Mal vor dem Umzug. Bis dahin werde man auch mehr über die schlimmen Ereignisse wissen, sagte Vorsitzender Hans Köglsperger jun.

Bilder: Zwei Tote nach Gewaltverbrechen in Königsdorf

Gefesselt und ermordet: Schockierende Einbrüche in Oberbayern

Das Gewaltverbrechen in Königsdorf erschreckt. Es ist ein Einbruch mit tragischen Folgen, der sich in eine Reihe schockierender Fälle stellt, die sich in den vergangenen Jahren in Oberbayern ereignet haben:

Am Pfingstmontag 2014 durchsuchte ein Ex-Justizwachtmeister ein Ferienhaus in Aschau im Chiemgau. Es gehörte seinem Hausarzt (90) und dessen Frau (65), die den Einbrecher überraschten. Die Situation eskalierte und der Einbrecher erschlug die Frau mit einem Dachgepäckträger, den Mann erstach er mit einem Küchenmesser. Die Leichen versteckte er im Wald und ließ von einem Unbeteiligten 4000 Euro vom Konto des Arztes abheben. 

Verglichen dazu hatten andere Einbruchsopfer Glück. Sie kamen mit körperlichen Verletzungen davon. Doch die Erinnerung an albtraumartige Stunden bleiben. 

- Ein Ehepaar in Neuried (Kreis München) wachte vergangenen Sommer wegen eines verdächtigen Geräusches auf. Ein Mann war durch ein Fenster – es war gekippt – in ihre Wohnung gestiegen. Sie ertappten den Einbrecher im Wohnzimmer. Er prügelte brutal auf die beiden ein und verschwand. 

- Eheleute in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) mussten 16 Stunden gefesselt überstehen. Im Januar 2014 wurden die beiden, damals 71 und 74 Jahre, in ihrem Haus überfallen. Zwei Männer drangen abends über die Hintertür ein und überwältigten das Paar mit Pfefferspray und Schlägen. Sie erbeuteten Bargeld, Schmuck, Uhren und Kunstgegenstände im Wert von 1,3 Millionen Euro. Erst am nächsten Tag entdeckte ein Nachbar das Ehepaar. Über DNA-Spuren kamen die Beamten den Einbrechern, zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen, auf die Schliche.

- Ein ähnlicher Fall ereignete sich ebenfalls am Tegernsee auf einem Anwesen in Bad Wiessee. Im September 2012 rissen drei maskierte Männer den 85-jährigen Hausbesitzer und seine 76-jährige Ehefrau im ersten Stock sowie das Hausmeisterehepaar (58 und 65) in einer abgetrennten Wohnung im Erdgeschoss nachts aus dem Schlaf. Die Täter fesselten die Bewohner, um hochwertigen Schmuck zu erbeuten. Etwas später konnten sich die Einbruchsopfer sich selbst befreien und die Polizei rufen. 

- Todesangst mussten auch der ehemalige Wies-Pfarrer (73) und seine Haushälterin (51) in Böbing (Kreis Weilheim-Schongau) durchstehen. Zwei vermummte Gestalten verschafften sich im Jahr 2012 Zutritt ins Pfarrhaus, bedrohten die beiden mit Pistolen und fesselten sie mit Telefonkabeln an eine Heizung. Die Einbrecher suchten Bargeld und Scheckkarten. Der Pfarrer konnte sich etwa nach zwei Stunden befreien. Die Polizei schnappte die Räuber einen Monat später.

Aktenzeichen XY ungelöst befasst sich am 1. März mit dem Raubmord von Königsdorf.

Von Magdalena Höcherl und Frederik Lang

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