+
Wenig Wasser, viel Vergnügen: Seit 30 Jahren war der Bibisee nicht mehr so seicht wie in diesem heißen Sommer.  Egal - er erfrischt trotzdem.

Wie aus einer Kiesgrube ein Erholungsgebiet wurde

Der See vom Bibi - das Badeparadies bei Königsdorf

Er ist nur ungefähr 470 Meter lang und 250 Meter breit. Für viele Erholungssuchende ist er aber der größte: der Bibisee zwischen Geretsried und Königsdorf. Woher hat der Baggersee seinen Namen und was macht ihn so beliebt?

Königsdorf Jeden Tag schaut Cornelius Kutschke in seinem Paradies vor der Haustür nach dem Rechten. Ein Blick ins Wasser verrät ihm, ob es den Fischen – Barsche, Hechte, Forellen – gut geht. Er läuft weiter an den verpachteten Parzellen am Südufer vorbei. Ein kleiner Ratsch ist immer drin. Dann spritzt er die unbefestigten Zufahrtswege nass, „damit es nicht so staubt, wenn die Autos da wieder durchrasen wie verrückt“, brummt der 80-Jährige.

Sein Paradies, das ist der Bibisee, benannt nach Cornelius Kutschke, dessen Spitzname Bibi lautet. Sein aus Ostpreußen stammender Vater kaufte 1936 den ehemaligen Gori-Hof im Königsdorfer Ortsteil Wiesen und bewirtschaftete die Felder ringsherum. Der See entstand ab 1969. Die Firma Gämmerler baute auf dem Gelände bis zu acht Meter mächtige Kiesschichten ab. Im Abbauvertrag war festgelegt, dass der Baggersee später als Erholungsgelände dienen sollte. „Er ist ein EU-Badesee“, erklärt Kutschke.

Ab 1975 betrieben er und seine Ehefrau Hannelore am Südufer einen provisorischen Kiosk von einem Möbelwagen aus. Die Leute sagten: „Gehen wir zum See vom Bibi schwimmen.“ 1983 öffnete das Ehepaar eine professionelle Verkaufsstelle für Speisen und Getränke an der Westseite. Kurz darauf ließ es die Wasserrutsche bauen. Auf der Nordseite entstand ein FKK-Strand, im Osten blieb ein Biotop erhalten. Die Parzellen am Südufer sind alle vergeben und höchst begehrt – Wartezeit auf eine frei werdende: „20 Jahre.“

Seinen See wollten ihm schon viele abkaufen, erzählt Kutschke. Aber der Königsdorfer denkt gar nicht daran, sich von ihm zu trennen. „Ich werde mich hier so lange um alles kümmern, wie ich lebe.“ Und danach stehe seine Enkelin bereit.

Sorgen macht sich der Seeeigentümer allerdings wegen des Klimawandels. Eine Hitzewelle wie heuer habe er noch nicht erlebt, sagt er. „Ganz Europa ist ja betroffen. Das wird nicht der letzte heiße Sommer gewesen sein.“ Weniger Wasser als im Moment habe der Bibisee nur einmal vor 30 Jahren gehabt, erinnert er sich. Schuld seien heuer der niederschlagsarme Winter, Frühling und Sommer. Die wenigen Regentage seien „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen. Außerdem würden die Gemeinden Königsdorf und Geretsried zusammen rund eine halbe Million Kubikmeter Grundwasser mit ihrer neuen Brunnenanlage in Wiesen abpumpen, sagt Kutschke.

Trotz der geringen Wasserfläche von derzeit sieben statt wie üblich neun Hektar und der geringen Tiefe von fünf bis sechs Metern sei die Wasserqualität aber einwandfrei, betont er. Das Gesundheitsamt in Bad Tölz nimmt alle vier Wochen Proben. Auf der Homepage des Landratsamts findet man bestätigt, dass es keinerlei Beanstandungen gibt. Durch die Grundwasserströmung von Nord nach Süd fließt stets frisches Wasser nach, sodass der See auch im Moment angenehme 25 Grad an der Oberfläche erreicht. Taucht man hinab, ist er deutlich kühler. So sauber ist der See auch, weil ihn, im Gegensatz zum Starnberger See, die Gänse und andere Wasservögel noch nicht für sich entdeckt haben. Gelegentlich sieht man ein paar Enten im Biotop-Bereich, aber deren Hinterlassenschaften fallen nicht weiter ins Gewicht.

Badegäste wie Celina, Andrea und Florian haben sichtlich ihren Spaß.

Marco Buric, der den Imbiss und den Badeplatz am Westufer seit 13 Jahren gepachtet hat, blickt von seiner Terrasse aus zufrieden auf das Treiben am und im Wasser: Zwei Buben paddeln auf einem Gummikrokodil auf den See hinaus. Auf dem am Grund verankerten Floß warten ihre Freunde winkend. Vom Sandhügel her und aus dem Planschbecken dringen fröhliche Kinderstimmen. Weiter hinten sieht man das Wasser aus dem Becken spritzen, in dem die 50 Meter lange Rutsche endet. „Seit Ende Mai herrscht Hochbetrieb. Das ist einer meiner besten Sommer“, sagt Buric. Die Badegäste kommen aus der Umgebung, aber auch aus München, unter ihnen viele Stammgäste. Spielt das Wetter mit, serviert der Kioskpächter ihnen noch bis Mitte September seine berühmten Cevapcici und Pommes.

„Wir mögen das Strandbad, weil es familienfreundlich und nicht so überlaufen ist“, sagen Sonja und Michael Eichmann. Sie fahren öfter aus Bad Tölz mit ihren Töchtern Laura (5) und Lisa (12) hierher. Fast täglich war Rosemarie Eisermann aus Geretsried mit ihren Kindern heuer am Bibisee. Der fast zwei Jahre alte Ludwig liebe die große Baby-Badewanne, erzählt die Mutter. Andrea (4) dürfe mit ihren Brüdern Florian (20) und Leon (13) inzwischen rutschen gehen.

Glücklich ist der, der sich eine Saisonkarte gekauft hat, so wie Karin Hüttel aus Geretsried. „Wir haben sie dieses Jahr mehr als ausgenutzt“, sagt sie. Mit ihren Söhnen Paul (9) und Leopold (6) sei sie seit Ende Mai, wann immer möglich, die paar Kilometer an den See gefahren. „Es ist übersichtlich hier, aber trotzdem ist genug geboten. Die Preise sind zivil, das Essen ist gut“, findet Karin Hüttel. Der Bibisee ist eben nicht nur für seinen Besitzer ein richtiges Paradies.

tal

Lesen Sie auch: So ist der Supersommer in der Region

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nico Pietschmann: Wolfratshauser Grafen lange Zeit unterschätzt
Historiker Nico Pietschmann stellt im Stadtarchiv seine Monografie über die Wolfratshauser Grafen im Stadtarchiv vor - dabei liegt ihm vor allem die Aufwertung jener …
Nico Pietschmann: Wolfratshauser Grafen lange Zeit unterschätzt
Feuerwehrler sperrt Straße für Kinder-Martinszug ab - Autofahrer greift ihn deshalb an
Die Feuerwehr Königsdorf sperrte eine Straße, damit die Kinder ihren Martinszug machen konnten. Ein Autofahrer sah das gar nicht ein - und drehte durch.
Feuerwehrler sperrt Straße für Kinder-Martinszug ab - Autofahrer greift ihn deshalb an
Input aus der NHL
Korbinian Holzer ist jetzt offizieller sportlicher Berater des ESC Geretsried
Input aus der NHL
Stabwechsel bei der Musikkapelle Holzhausen: Jetzt dirigiert eine Frau
Stabwechsel bei der Musikkapelle Holzhausen: Nach über zehn Jahren als Erster Dirigent übergibt Bernhard-Ludwig Reiser seine Aufgaben an Lisi Hinterholzer.
Stabwechsel bei der Musikkapelle Holzhausen: Jetzt dirigiert eine Frau

Kommentare