Das Sparkassengebäude in Königsdorf
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Nur noch Automaten soll es künftig in der Sparkassen-Filiale in Königsdorf geben. Andere Standorte werden ganz geschlossen. Dagegen regt sich Widerstand.

Versorgung im ländlichen Raum

Sparkasse schließt zehn Geschäftsstellen - Bürger sind verärgert, Gemeinden wollen reagieren

  • VonDominik Stallein
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Zehn von 13 kleineren Geschäftsstellen der Sparkasse machen zum Jahreswechsel dicht. Für einige Bürger ein herber Verlust. Die Bürgermeister sind enttäuscht - und planen Konsequenzen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Für die stationäre Versorgung im ländlichen Raum ist es ein herber Verlust: Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen will zum Jahreswechsel 10 ihrer 13 kleineren Geschäftsstellen schließen. Die Filialen in Dietramszell, Reichersbeuern, Egling, Königsdorf und Waldram werden zu Selbstbedienungsstellen. Die Standorte in Icking, Bad Heilbrunn, Gaißach, Jachenau und Walchensee werden ganz aufgegeben. Nicht alle betroffenen Gemeinden wollen dies klaglos hinnehmen.

Es ist ein knallhartes Geschäft, und die Zahlen sprechen bedauerlicherweise eine ganz klare Sprache

Rainer Kopnicky, Bürgermeister von Königsdorf

„Die Entwicklung ist sehr bedenklich“, sagt Königsdorfs Rathauschef Rainer Kopnicky. Zwar gibt es in seiner Gemeinde noch viele stationäre Angebote – „wir haben Ärzte, ein Gasthaus, Nahversorger, Bäcker, Metzger“. Der Verlust der Sparkasse sei aber ein Schlag ins Kontor. „Jeder Bürgermeister sorgt sich um die Versorgung in seinem Ort“, sagt Kopnicky. „Es ist immer wieder ein Kampf, sie aufrechtzuerhalten.“ Im Falle der Sparkasse sei in Gesprächen aber keine Lösung zu erzielen gewesen. „Es ist ein knallhartes Geschäft, und die Zahlen sprechen bedauerlicherweise eine ganz klare Sprache.“ Viele Kunden, darunter auch ältere Semester, nutzten inzwischen die Online-Angebote der Bank. Die Frequenz in der Filiale an der Hauptstraße sei zu gering. Kopnicky stellt aber klar: „Einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker braucht es auf jeden Fall weiterhin.“ Es gebe auch Überlegungen für eine Übergangslösung, spruchreif ist aber noch nichts.

Testbetrieb in der Tourist-Info soll Lücke schließen

In Walchensee ist man schon einen Schritt weiter. Bis Ende 2022 läuft eine Testphase mit einem Service-Point in der Tourist-Info, der einmal wöchentlich besetzt ist. „Ich bin froh, dass wir zumindest dieses Angebot schaffen können“, sagt Kochels Bürgermeister Thomas Holz. „Die Räume stellen wir dafür gerne zur Verfügung.“ Denn auch wenn der Standort in Walchensee eine der am wenigsten frequentierten Sparkassen-Geschäftsstellen im Kreis ist, „sind einige Menschen immer noch darauf angewiesen“. Zur nächsten Filiale müssten die Bewohner um die 15 Kilometer zurücklegen – „dann wären die Leute 30 Minuten unterwegs“, rechnet Holz vor. Und: „Durch den Rückzug der Banken aus dem ländlichen Raum geht sicherlich etwas verloren.“

Vor allem ältere Bürger sind von der Schließung betroffen

Leidtragende sind vor allem die Kunden, die ihre Finanzgeschäfte persönlich abwickeln möchten – und nicht am Computer oder am Telefon. „Es wird einige Bürger geben, die das heftig trifft“, vermutet Ickings Rathauschefin Verena Reithmann. Die Geschäftsstelle in ihrer Gemeinde sei eine „mit relativ viel Frequenz“, allerdings gehe der Kundenverkehr immer mehr zurück. Die Isartalgemeinde habe in den vergangenen Jahren viel versucht, um mehr stationäre Angebote zu schaffen. Die Infrastruktur im Ort sei gut. „Es fehlt bei uns nicht an allen Enden, aber diesen Rückzug müssen wir jetzt auffangen“, sagt Reithmann. Derzeit stehe die Gemeinde in Gesprächen mit der Sparkasse: „Ich möchte gerne einen Raum im Rathaus zur Verfügung stellen, in dem Sparkassen-Mitarbeiter Termine mit Anwohnern ausmachen können.“ Dieses Angebot könne den Verlust nicht ersetzen, „aber es ist zumindest ein Entgegenkommen“.

Gaißach plant eine Resolution für den Erhalt einer Filiale

Auf eine unkomplizierte Lösung hofft man auch in Gaißach. Dort steht das Thema an diesem Dienstag auf der Tagesordnung des Gemeinderats. „Aus der Bevölkerung hat es einige Rückmeldungen gegeben“, sagt Bürgermeister Stefan Fadinger. Der Tenor war immer der gleiche: „Viele Menschen sind auf Service-Leistungen der Sparkasse angewiesen.“ Der Gemeinderat will deshalb eine Resolution verabschieden, dass wenigstens die Minimalleistungen – Geldautomat und Kontoauszugsdrucker – erbracht werden. „Wir werden das mit Vehemenz fordern und hoffen, dass wir damit Gehör finden.“ Eine Option wäre in Fadingers Augen eine Kooperation mit der benachbarten Raiffeisenbank: „Einigen Menschen wäre schon geholfen, wenn sie gebührenfrei in dieser Bank von ihrem Sparkassenkonto abheben könnten.“

Der VdK-Ortsverband hat vor wenigen Tagen Kritik an der geplanten Sparkassen-Schließung geübt. Fadinger kann dies nachvollziehen. „Auch wenn einige ältere Menschen schon Online-Angebote nutzen, tut es der absolute Großteil nicht. Es ist ein Stück Eigenständigkeit, das den Leuten vor Ort verloren geht.“ Viele Gaißacher seien auf eine wohnortnahe Filiale angewiesen und äußerst verärgert. Fadinger: „Mit der Resolution wollen wir der Sparkasse auch aufzeigen, was gerade in der Bevölkerung abläuft.“

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