+
Zum Leidwesen vieler Ausflügler: Der Radweg in Mooseurach ist in einem suboptimalen Zustand. 

Mooseurach

Stolperfalle für Radfahrer

  • schließen

Der Weg durch Mooseurach lockt viele Ausflügler. Das Problem: Er liegt auf dem Privatgrund der Familie Bosch.

Königsdorf – Ende März wollte Gerhard Beysel (69) aus Eurasburg eine Fahrradtour unternehmen. Sein Plan: Von Wolfratshausen über Königsdorf und Mooseurach zu dem neuen schönen Radweg, der Penzberg mit Eurasburg verbindet. Anfangs ging alles gut. Den Weg an der B 11 fand er „hervorragend ausgebaut“. Und auf den neuen, noblen Radweg zwischen Penzberg und Eurasburg freute er sich sowieso. Der Blick auf die Berge war herrlich. Alles sprach dafür, dass es eine schöne Tour wird.

Die Probleme begannen in Königsdorf. Zunächst stellte der Ausflügler enttäuscht fest, dass der Radweg an der B 11 gegenüber der Königsdorfer Backstube an einem Gartenzaun einfach aufhört. „Ich musste die Straße ganz schnell queren, um mich auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig in Sicherheit zu bringen“, sagt er. Doch dann kam es noch schlimmer: In Mooseurach geriet Beysel auf eine Schotterstraße. „Da hat der Spaß endgültig aufgehört, der gesamte Weg ist mit einer grobkörnigen Schicht versehen worden, die ein Radfahren unmöglich machte.“ Und das, obwohl die Route ausdrücklich als Radweg gekennzeichnet ist. „Sollen in Königsdorf Radfahrer abgewehrt werden?“, fragt Beysel. Und: „Was hat sich die Gemeinde Königsdorf dabei gedacht?“

Gemeinde stößt bei Behörde auf taube Ohren

Bürgermeister Anton Demmel sagt dazu: „Da hat der Mann gleichzeitig Recht und Unrecht.“ Dass der enttäuschte Ausflügler die B 11-Querung bemängelt, findet der Rathauschef nachvollziehbar. Auch die Gemeinde stellt die Forderung seit langer Zeit, stößt aber bei den zuständigen Behörden auf taube Ohren. „Da können wir wenig ausrichten.“

Etwas anders liegt der Fall in Mooseurach. Demmel ruft eine Tatsache in Erinnerung, die vielen nicht geläufig ist: Das gesamte Areal ist Privatgrund. Es gehört der Familie Bosch. „Das ist quasi der Garten der Familie.“ Radfahrer seien dort großzügigerweise zwar geduldet. Ansprüche, dass dort ein Weg ausgebaut werde, könne aber niemand erheben. Im Gegenteil: Es bestehe die Gefahr, dass Radfahrer künftig ganz draußen bleiben müssen. Eigentlich müsste man dankbar sein, dass die Wege in einem Zustand erhalten werden, der das Radfahren grundsätzlich ermöglicht, denn im Prinzip dienen sie nur der Landwirtschaft. Die Gemeinde könne da wenig ausrichten.

Schilder führen in die Irre

Nicht ganz glücklich ist Demmel freilich über die Schilder. Diese würden nämlich vorgaukeln, dass es sich um einen gewidmeten Weg handle. Das sei aber gar nicht der Fall, oder jedenfalls nur bis zur Molkerei. „Im Südlandkreis gibt es Riesenprobleme damit, dass die Touristiker gnadenlos irgendwelche Wege ausweisen, und die Anlieger wissen nichts davon.“ Mooseurach sei ein ähnlich gelagerter Fall. Radfahrern rät er, eher die Wege um das Gut Nantesbuch zu nutzen, wo die Stiftung der BMW-Erbin Susanne Klatten eine Kultur-und Bildungsstätte betreibt. Die seien bestens in Schuss.

Warum der Weg in suboptimalem Zustand ist, kann Alois Schuller erklären, Ex-Kreisobmann aus Eurasburg sowie ehemaliger Bewirtschafter des Hofgutes Mooseurach – und deshalb mit den Hintergründen gut vertraut. Er erzählt, dass vor einem Jahr in genau dem von Gerhard Beysel beanstandeten Weg ein Stromkabel zwischen Beuerberg und Mooseurach verlegt wurde. Die Familie Bosch gab ihr Einverständnis unter der Bedingung, dass Eon den Weg wieder sanierte. Das ist geschehen. Daher sei die Aufschüttung relativ frisch. „Das wird sich im Lauf der nächsten Zeit sicher festfahren“, sagt er. Allerdings weist auch Schuller darauf hin, dass es sich um Privatgrund handelt, die Wege seien grundsätzlich nur für die Landwirtschaft gedacht. „Das steht auf Schildern auch klar und deutlich zu lesen.“

Und Gerhard Beysel? Der weiß jetzt wenigstens, wie der Fall liegt. „Man wird wirklich ein bisschen in die Irre geführt“, sagt er. Dass es sich in Mooseurach um reinen Privatgrund handelt, war ihm nicht bewusst. Er würde sich halt wünschen, dass Radfahrer im Königsdorfer Ortsteil weiterhin geduldet werden und nach Möglichkeit der Weg in einen besseren Zustand versetzt wird als er jetzt ist. „Davon hätte die Allgemeinheit etwas.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wegen Handzeichen: Rauferei zwischen Radler und Pkw-Fahrer
Das war‘s mit dem gemütlichen Sonntagsausflug: Aus einer Radtour wurde im Münsinger Ortsteil Ammerland ein handfester Streit mit Körperverletzung.
Wegen Handzeichen: Rauferei zwischen Radler und Pkw-Fahrer
Jacky hat den Kampf gegen den Krebs verloren
Es war eine kurze letzte Reise. Anfang August kam Jacky Drappeldrey ins Hospiz nach Polling. Am Samstagnachmittag schloss die 27-Jährige aus Geretsried für immer die …
Jacky hat den Kampf gegen den Krebs verloren
Geothermie: Forscher untersuchen Bohrkerne
Es wird spannend: In spätestens drei Wochen ist klar, ob unter dem Hofgut Breitenbach Thermalwasser sprudelt. Bis dahin schraubt sich der Bohr-Meißel jeden Tag weiter in …
Geothermie: Forscher untersuchen Bohrkerne
Fast 50.000 Euro für die Kinderkrebsforschung
Insgesamt 48.000 Euro für die Kinderkrebsforschung hat Christina Bergmann im vergangenen Jahr gesammelt. Das Geld übergab die Wolfratshauserin jetzt an zwei Münchner …
Fast 50.000 Euro für die Kinderkrebsforschung

Kommentare