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Symbolbild: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im März 2016 auf null Prozent gesenkt. Der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank ist durch die Leitzinssenkung gleichzeitig auf minus 0,4 Prozent gerutscht. Diesen Negativzins, den die Banken bei der EZB bezahlen, versuchen sie in jüngster Zeit verstärkt an Kunden weiterzugeben.

Im Gespräch mit Anton Demmel

Strafzins für Kommunen: „Wir jonglieren jeden Tag“

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Zum 1. Januar hat nach der Sparkasse nun auch die Raiffeisenbank vor Ort den so genannten Strafzins für Firmenkunden eingeführt. Darüber sprachen wir mit Anton Demmel, zugleich Bürgermeister und Kämmerer in Königsdorf.

Königsdorf –  Im Sommer die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, zu Jahresbeginn die Raiffeisenbank Isar-Loisachtal: Die großen Geldinstitute vor Ort verlangen mittlerweile so genannte Strafzinsen, wenn der Kontostand von Firmen und Kommunen eine gewisse Grenze überschreitet. Die Raiffeisenbank räumt maximal zwei Konten mit einem Freibetrag von jeweils 200 000 Euro ein. Für alles, was darüber liegt, wird ein Strafzins von 0,4 Prozent pro Jahr fällig. 

Herr Demmel, tut der Strafzins weh?

Oh ja, der tut weh. Es geht hier immerhin um das Geld der Bürger, und dafür sind wir verantwortlich.

Haben Sie eine solche Entwicklung für möglich gehalten?

Nein, überhaupt nicht. Wenn ich an die 1980er Jahre denke, mit bis zu zehn Prozent Zinsen... Aber wir müssen uns mit den Gegebenheiten abfinden.

Über welche Rücklagen verfügt Ihre Gemeinde?

Es ist nicht so, dass wir im Geld schwimmen. Aber es geht uns auch nicht schlecht. Die Gemeinde Königsdorf hat Rücklagen von etwa vier Millionen Euro.

Und wo haben Sie das Geld angelegt?

Anton Demmel Königsdorfer Bürgermeister und Kämmerer in Personalunion. 

Bei der Sparkasse und bei der Raiffeisenbank, also hier vor Ort. Wobei es natürlich verschiedene Arten von Raiffeisenbanken gibt, die das unterschiedlich handhaben. 

Wie gehen Sie mit dem Negativzins um?

Unsere Kassenleitung und ich machen eigentlich das, was wir früher auch immer gemacht haben. Wir schauen, wo das Geld am besten aufgehoben ist. Salopp gesagt: Wir jonglieren jeden Tag von neuem. Allerdings mit einem Unterschied: Früher hat unser Augenmerk der Frage gegolten: Wo kriegen wir am meisten Zinsen für unser Geld? Heute fragen wir uns: Wo zahlen wir am wenigsten Strafzinsen?

Gibt es Gegenstrategien?

Eine Möglichkeit besteht darin, Grundstücke anzukaufen. Dann hat man das Geld eben nicht auf der Bank liegen und zahlt Strafzinsen dafür, sondern hat es sozusagen in die freie Natur investiert, mit der Aussicht, dass der Wert noch wächst. Wobei wir grundsätzlich bei dem Thema auch nicht zu sehr schwarzmalen sollten: Ein Strafzins, den ich für Rücklagen zahlen muss, ist natürlich unangenehm und ärgerlich. Aber er ist mir immer noch lieber, als wenn ich gar kein Vermögen, sprich Schulden, hätte. Insofern ist der Strafzins schon das kleinere Übel.

Also kein Grund zum Jammern?

Ich sage immer: Es hat keinen Sinn, sich über Rahmenbedingungen zu beklagen, die man eh nicht ändern kann. Für mich ist derjenige ein Held, der aus den Rahmenbedingungen das Beste macht. Das gilt auch beim Thema Strafzinsen.

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