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Bildung anno dazumal: Initiator Arthur Zimprich (Mi.) führte die Besucher durch die Ausstellung. (v. li.): Ulrich Mross (ehem. Königsdorfer Schulleiter), Bürgermeister Anton Demmel, Marlies und Eduard Hieke (Leitung Heimatmuseum), Gabriele Weinelt-Bauernfeind (Rektorin Grundschule Bad Heilbrunn), Altbürgermeister Alfred Stangler, Alfred Bauernfeind (ehem. Königsdorfer Schulleiter), Friedrich Schumacher (ehem. Rektor der Karl-Lederer-Hauptschule) sowie Mechthild Gerold (ehem. Religionslehrerin Schule Königsdorf).

Saisoneröffnung in Königsdorf

Ein Streifzug im Heimatmuseum durch die Schulgeschichte

Königsdorf – Schiefertafel, Griffelkasten und Tatzenstecken: Mit der Sonderausstellung „Schule einst in Bayern, in Königsdorf und in Geretsried“ feierte das Königsdorfer Heimatmuseum am Samstag mit vielen Gästen Saisoneröffnung.

Eine Klosterschwester begrüßte am Eingang des Ausstellungsraumes die Besucher: Die lebensgroße Figur stellt eine der Armen Schulschwestern dar, die fast 100 Jahre die Mädchen in Königsdorf unterrichteten und zwar im Klösterl, in dem sich heute die Räume des Heimatmuseums befinden. „Ich stehe in meinem alten Klassenzimmer“, erläuterte Museumsleiterin Marlies Hieke in ihrer Begrüßungsansprache. Sie erklärte auch, dass der Schulsprengel früher die Pfarrei gewesen sei. So seien damals die Kinder von Geretsried bis nach Oberbuchen in Königsdorf zur Schule gegangen.

Arthur Zimprich, der Initiator und Hauptverantwortliche der Sonderausstellung, lud die Gäste zu einem Streifzug durch die Schulgeschichte ein. So wies er etwa auf die Info-Plakate zur Schulgeschichte hin, von den Römern bis in die heutige Zeit, und auf die Texte und Fotos zur Schulentwicklung in der Gemeinde Königsdorf. Er ging auf die zahlreichen ausgestellten Schulutensilien ein, etwa Schiefertafel, Schulranzen, Griffelkasten oder alte Schulhefte in gestochen scharfer Schönschrift.

Auch über ein für die heutige Zeit kaum mehr vorstellbares Thema, nämlich über die Schulstrafen, wusste Zimprich zu berichten. Anschaulich gemacht wurden diese in der Ausstellung durch „kniefeindliche“ und „kniefreundliche“ Holzscheite, auf denen die Schüler früher knien mussten, sowie durch nachgefertigte „Tatzenstecken“ aus Bambus und Haselnuss, mit denen aufmüpfige Schüler Schläge auf die Hand erhielten. Zimprich berichtete, dass 1947 in der Volksschule Oberbuchen eine Elternbefragung durchgeführt wurde, um zu klären, ob man für oder gegen die körperliche Züchtigung ist. Nur drei von 42 Eltern sprachen sich dagegen aus. 39 waren für die Beibehaltung. Kaum zu glauben: Verboten wurden die körperlichen Strafen erst im Jahr 1980.

Auch einige Fotos hob Zimprich hervor. Wie etwa das von barfüßigen Kindern, die zur Schulspeisung anstehen. „Die Kinder trugen Bandagen an den Füßen, damit die Füße warm bleiben“, erläuterte er. „Für Schuhe war kein Geld da.“ Immer wieder schlug er auch den Bogen in die Gegenwart, indem er etwa auf die Herausforderungen der Schulen heute einging, beispielsweise durch die Asylbewerber, Ganztagesschule oder Inklusion. Den Gegensatz zwischen früher und heute verdeutlichte in der Schau auch eine alte Schulbank aus Holz mit Schiefertafel gegenüber einem modernen Schultisch mit Laptop. Neben den zahlreichen Exponaten weckten aber besonders Klassenfotos sowie Fotos von Schulgebäuden und Lehrern bei vielen Besuchern Erinnerungen an die eigene Schulzeit. Immer wieder waren Ausrufe wie „Das bin ja ich“ oder „Erinnerst Du Dich noch an den?“ von Betrachtern der Fotos zu hören. Zur besseren Verarbeitung der Eindrücke wurden die Gäste noch mit Getränken und leckeren selbstgebackenen „Museumslebkuchen“ versorgt.

Das Heimatmuseum

Das Museum hinter der Pfarrkirche ist von Mai bis Oktober geöffnet, jeweils sonntags von 9.30 bis 12 Uhr.

von Yvonne Zuber

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