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Mit dem Taxi wollten Jugendliche nach Hause fahren. Doch sie landen irgendwo im Nirgendwo.

Polizei findet Teenager in Wiese

„Lebensbedrohende Situation“ - Taxifahrer wirft Jugendliche nachts aus Auto

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Eine Expertin spricht von einer lebensbedrohlichen Situation, der ein Taxifahrer zwei Jugendliche ausgesetzt hat. Er sollte sie nach Geretsried bringen, doch setzte sie irgendwo im Nirgendwo aus.

  • Die Polizei entdeckte zwei Jugendliche „irgendwo im Nirgendwo“.
  • Ein Taxifahrer hatte die beiden zwischen Bad Tölz und Geretsried ausgesetzt.
  • Der Mann muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.


Bad Tölz/Wolfratshausen Das hätte übel ausgehen können. Der 1. Mai hatte gerade begonnen, als eine Polizistin während einer Streifenfahrt ein schwaches Licht von einer Taschenlampe oder einem Handy erblickte. „Irgendwo im Nirgendwo“, in einer Wiese am Rande der Staatsstraße 2072 nahe Hechenberg, fanden die Polizisten zwei junge Burschen. Ein 16-jähriger Geretsrieder, nur mit Jeans, Sweatshirt und einer dünnen Jacke bekleidet, lag zitternd und unterkühlt im feuchten Gras. Ein Taxifahrer, der die Jugendlichen von Bad Tölz nach Geretsried bringen sollte, hatte sie vor die Tür gesetzt. Nun musste sich der Tölzer (44) wegen Aussetzung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Er wurde zu 7500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Bad Tölz/Geretsried: Taxifahrer wirft Jugendliche aus dem Auto - Polizei entdeckt sie an Straße

Die Jugendlichen waren zu dritt, als sie am 30. April dieses Jahres gegen 23.30 Uhr nach dem Besuch eines Lokals am Moraltpark in Bad Tölz in das Taxi stiegen. Unterwegs habe der Jugendliche, der neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, gebeten, anzuhalten, weil ihm schlecht sei, erzählte der Angeklagte vor Gericht. Ein paar Kilometer weiter habe er gemerkt, „dass der junge anfängt, zu kotzen“. Deshalb sei er rechts rangefahren und habe die zwei anderen gebeten, ihrem Kumpel beim Aussteigen zu helfen.

Der 16-Jährige habe sich übergeben, sich in die Wiese gelegt und nicht mehr mitfahren wollen. Ein Freund sei bei ihm geblieben, während er den dritten nach Wolfratshausen gefahren habe. Dieser habe unterwegs die Mutter des 16-Jährigen verständigt, sie solle ihren Sohn abholen. Die Mutter wurde jedoch falsch informiert und suchte vergeblich auf der Strecke zwischen Bad Tölz und Königsdorf nach ihrem Jungen. Erst nach gut einer Stunde kam sie am richtigen Ort an, unmittelbar nachdem die Polizei die Jugendlichen entdeckt hatte.

Expertin: Lebensbedrohliche Situation? Taxifahrer vor Gericht - Jugendliche widersprechen Aussage

Die beiden 16-Jährigen widersprachen der Aussage des Taxifahrers. „Mir war nicht schlecht“, beteuerte der Azubi. „Wir waren lustig drauf, ich habe mich öfter umgedreht. Als ich das Fenster aufgemacht habe, das mache ich immer, hat der Fahrer das wohl falsch verstanden.“ Erst nachdem das Taxi weg gewesen sei, habe er sich irgendwann übergeben müssen. Das bestätigte der ebenfalls zurückgebliebene Freund. Womöglich kam der Brechreiz nicht vom Alkohol, sondern von der Unterkühlung. „Ich habe gezittert, mir war total kalt. Das Blut war so kalt, dass sie mir im Krankenwagen kein Blut abnehmen konnten.“ Eine medizinische Sachverständige erklärte dazu: „Es ist davon auszugehen, dass es zu einer lebensbedrohenden Situation gekommen wäre. Auch wenn er vermutlich noch Stunden hätte liegen müssen, bis er gestorben wäre.“

Taxifahrer setzt Jugendliche irgendwo im Nirgendwo - und entschuldigt sich für Verhalten

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte für sein Verhalten. „Es war wohl ein großes Missverständnis“, so der 44-Jährige Vater von drei Kindern. Richter Berger verurteilte den Metallarbeiter, der im Nebenjob Taxi fährt, zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 50 Euro. „Sie haben in freier Wildbahn angehalten und die zwei ausgesetzt. Wenn sie der Meinung waren, dass einer von denen Hilfe braucht, dann können sie nicht einfach davon fahren“, hielt er dem Beschuldigten in seiner Urteilsbegründung vor. „Es gibt eine Sorgfaltspflicht für Taxifahrer, wenn sie Betrunkene mitnehmen“, betonte Berger und erinnerte an einen früheren, ähnlich gelagerten Fall. Damals war ein Fahrgast, der vom Taxifahrer „ausgesetzt“ worden war, in einem Weiher bei Bad Heilbrunn ertrunken. Berger: „Sie können froh sein, dass wir die jungen Leute heute fröhlich lachend hier erlebt haben.“

rst

Nahe Waldkraiburg haben zwei Jugendliche ein Taxi geklaut und die Fahrerin aus dem noch rollenden Auto gestoßen. Die Polizei konnte das Duo festnehmen. Lesen Sie auch: Protestaktion: Taxiunternehmer in Bad Tölz wollen ein Zeichen setzen

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