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Die Vernässung der Königsdorfer Weidfilz macht Fortschritte: LBV-Gebietsbetreuerin Birgit Weis (6. v. li.) führte eine Gruppe durch das Moor. 

Begehung der Weidefilz

Die Wunden im Königsdorfer Moor heilen

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Raus in die Natur: Bei der Begehung der Weidefilz haben die Teilnehmer beruhigende Erfahrungen gemacht. Die Vernässung funktioniert, doch dafür war viel Arbeit nötig.

Königsdorf – Die alten Entwässerungsgräben aus den 1920er Jahren haben dem Königsdorf Weidfilz schwere Schäden zugefügt. Das Moor trocknete aus, die Torfschicht wurde zersetzt und schrumpfte. Doch seit der Renaturierung im Herbst 2015 heilen die Wunden, Regenwasser wird nun wieder im Moor zurückgehalten. Geradezu begeistert äußerte sich bei einer Begehung Walter Wintersberger, Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz (LBV): „Man sieht, dass die Vernässung funktioniert. Es kann wieder ein natürliches Moorwachstum eintreten.“

Zwölf Teilnehmer waren der Einladung des LBV zur Begehung der Weidefilz gefolgt. Drei Stunden lang führte LBV-Gebietsbetreuerin Birgit Weis die Gruppe durch das Moor. Anhand einiger Zahlen verdeutlichte sie, wie groß die Schäden sind. So sei die Torfschicht zwischen 1920 und 2012 um 70 Zentimeter dünner geworden. Ein enormer Wert, wenn man bedenkt, dass das normale Wachstum der Schicht einen Millimeter pro Jahr beträgt. Um gegenzusteuern, wurden im Jahr 2015 die alten Gräben „so ungefähr alle 50 Meter“ mit Torf-Propfen wiederbefüllt. 676 Dämme seien meist auf diese Weise eingefügt worden. „Die Gräben waren vor der Renaturierung kaum sichtbar, weil sie oberflächlich längst verwachsen waren“, sagt Weis. „Unterirdisch zogen sie jedoch große Menge Moorwasser ab.“ Dies ist jetzt anders. Ein untrügliches Zeichen dafür: Die Trockenheit liebende Besenheide zieht sich an manchen Stellen bereits zurück.

Moore wichtig für den Klimaschutz

Elisabeth Pleyl, Gebietsbetreuerin beim Zentrum für Umwelt und Kultur, erläuterte, welch große Bedeutung die Moore als Klimaschützer haben: „Die bayerischen Moore speichern sechs Mal so viel Kohlenstoff wie die Wälder in Bayern.“ Zudem wirkt ein naturnahes Moor als vorbeugender Schutz gegen Hochwasser. Wie ein Schwamm nehme das Moor große Wassermengen auf und gebe es nur langsam an die umliegenden Vorfluter und Bäche ab.

Erfreulich: Die vom Aussterben bedrohte Bekassine, Vogel des Jahres 2013, wurde im Weidfilz bereits oft gesehen. An einem Präparat zeigte Christian Niederbichler, Gebietsbetreuer vom Ammersee, wie der Vogel mit seinem langen Schnabel im schlammigen Untergrund nach kleinen Insekten sucht und dabei den Oberschnabel sogar abknicken kann. Birgit Weis: „Der LBV würde sich wünschen, dass die Bekassine hier nicht nur durchzieht, sondern auch zu brüten beginnt.“

Führung

Die nächste Führung ins Weidfilz findet am Sonntag, 25. Juni statt. Ansprechpartnerin Birgit Weis ist unter Telefon 0 81 71/2 73 03 oder 0 88 56/8 03 95 65 erreichbar.

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