Verdächtiger Gegenstand in Freising: Feuerwehr und Polizei aktuell im Großeinsatz

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Schwierige Luftbeobachtung: In Zeiten von Corona darf der Späher des Landratsamts nicht neben dem Piloten, hier Jürgen Steinborn (re.), sitzen. Kreative Lösungen sind gefragt – und werden derzeit getestet.

Interview mit SFZ-Sprecher Mathias Schunk

Über den Wolken ist die Freiheit auch nur beschränkt

Das Fliegen ist trotz der Corona-Beschränkungen nicht explizit verboten, doch Königsdorfs Segelflug-Piloten bleiben aus Solidarität mit anderen Sportlern am Boden.

Königsdorf– „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann...“ Als Liedermacher Reinhard Mey diese Zeilen textete, im Jahr 1974 war das, hatte er ein fieses Virus sicher nicht im Sinn. Doch wie ist das jetzt, knapp 50 Jahre später? Dürfen die Piloten des Königsdorfer Segelflugzentrums (SFZ) der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen mit einem Steigflug über die Wolken entfliehen? Darüber haben wir uns mit SFZ-Sprecher Mathias Schunk unterhalten.


Herr Schunk, alleine in einem Segelflugzeug kann ich ja niemanden anstecken. Haben die Piloten am SFZ Starterlaubnis?

Eine schwierige Frage, die man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten kann. Rein luftrechtlich darf man fliegen. Jetzt stellt sich jedoch die Frage: Ist ein Segelfluggelände eine Sportstätte? Sportstätten wie Fußball- oder Golfplätze sind im Zuge der Ausgangsbeschränkungen ja gesperrt worden. Es ist ein Graubereich. Unser Dachverband, der Deutsche Aero-Club, hat momentan allgemein empfohlen, den Flugbetrieb einzustellen. Das haben wir im SFZ allerdings schon vorher getan. Denn was würde der Vater, der im Homeoffice sitzt, und die Mutter, die die daheim ihre Kinder ganztags bei Laune halten muss, denken, wenn hoch über ihnen die Segelflieger ihren Spaß haben?

Sie verzichten also aus Solidarität auf Flüge?

Genau, denn verboten ist das Fliegen nicht. Solo im Segelflugzeug geht die Gefahr, jemand anderen oder sich selbst anzustecken, gegen Null. Andererseits: Dann landest du vielleicht im Segelflieger außen auf irgendeinem Acker, und dann geht’s schon wieder los. Insgesamt ist Sport derzeit ein schwieriges Thema. Eigentlich würde nichts dagegen sprechen, Tennis zu spielen. Da ist man schließlich 15 Meter auseinander. Oder warum soll man nicht auf den Golfplatz gehen – solange man den Mindestabstand einhält? Aber jetzt gilt für alle zunächst einmal das Gleiche, nämlich zu Hause zu bleiben. Wenn die Regierung die Beschränkungen wieder lockert, sollte sie jedoch explizit die Sportarten nennen, die man wieder betreiben darf. Österreich hat im Gegensatz zu Deutschland schon einige Individualsportarten explizit ab 1. Mai wieder freigegeben, unter anderem Bogenschießen, Golf, Tennis und Segelfliegen. Übrigens, da Sie den Punkt Solidarität angesprochen haben: Die AOPA Germany, die Vereinigung der Privatpiloten, hat eine Aktion gestartet, an der sich einige von uns in Königsdorf ebenfalls beteiligen. Es geht darum, in der Corona-Krise dem Katastrophenschutz Flugkapazitäten ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, also beispielsweise dringende Kleinsendungen wie Masken oder Medikamente kurzfristig und unbürokratisch von A nach B zu bringen.

Am SFZ tun auch ehrenamtliche Luftbeobachter zur Unterstützung der Katastrophenschutzbehörden, der Polizei und der Rettungsdienste ihren Dienst. Wie ist da der aktuelle Stand?

Im Moment haben wir noch nicht die erforderliche Warnstufe für die Waldbrand-Überwachungsflüge erreicht. Aber wir leben in Deutschland, deshalb existiert dafür natürlich schon eine Durchführungsverordnung. Für diese Flüge braucht es einen Piloten und einen Beobachter, die dürfen jetzt allerdings nicht in zweisitzigen Maschinen nebeneinandersitzen, sondern müssen in Viersitzern hintereinander sitzen, um den Abstand zu wahren. Ich bin da noch etwas skeptisch, was Schwerpunkt und Trimmung des Flugzeugs betrifft. Das geht sicher nicht in der Konstellation 70 Kilo schwerer Pilot vorne und 110 Kilo schwerer Beobachter hinten. So würde das nicht funktionieren.

Haben Sie überhaupt Viersitzer am Flugplatz?

Ja, wir haben drei Schleppmaschinen in Königsdorf. Eine Möglichkeit wäre auch, dass die Piloten die Beobachtungsflüge alleine unternehmen. Allerdings sind sie nicht darin geschult, via Funk beispielsweise mit der Feuerwehr direkt zu kommunizieren. Seit diesem Freitag gibt es in Königsdorf Übungsflüge der Luftrettungsstaffel, bei denen die Piloten alleine in den Flugzeugen sitzen, aber das Fliegen und Funken mit einem Mundschutz ausprobieren. Zudem müssen bei eventuellen Einsätzen natürlich die gesetzlichen Vorgaben für Flüge mit Passagieren eingehalten werden. Dafür sind mindestens drei Landungen innerhalb der vergangenen 90 Tage erforderlich. Auch hierfür ist der Freitag gedacht.

Eine persönliche Frage: Sie sind auch Berufspilot bei der Lufthansa. Fliegen sie derzeit?

Die Flotte ist fast komplett stillgelegt, wir sind in Kurzarbeit. Ich hatte aber gerade eine Telefonkonferenz mit meinem Flottenchef. Was ganz neu ist: Wir werden mit Passagierflugzeugen nach Peking und Schanghai fliegen, um Masken und Schutzanzüge hierherzuholen. Für die Fracht werden zu der Kapazität im unteren Laderaum hinten die Economy-Sitze herausgenommen, um mehr Stauraum zu haben.

Wie lange waren Sie nicht mehr in der Luft?

Ende März hatte ich noch einen Evakuierungsflug aus Kapstadt.

Als begeisterter Flieger sind Sie also schon brutal auf Entzug!

(lacht) Vom Segelfliegen mehr als vom Arbeiten.

peb

Lesen Sie auch: Auf nassen Wiesen zum Weltverein: 60 Jahre Segelflugzentrum Königsdorf

Wider den Waldbrand: Königsdorfer Piloten trainieren für den Ernstfall

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