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Die Spannung steigt: Wahlleiter Stefan Fischer kommt vor das Rathaus, um den Warteten, darunter den Kandidatinnen Verena Reithmann (2. v. li.), Cornelia Zechmeister (4. v.re.) sowie Rathauschefin Margit Menrad (2. v. re.) das Ergebnis der Bürgermeisterwahl zu verkünden.

Kommunalwahl 2020

Stichwahl in Icking: UBI gegen Grün

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  • Peter Borchers
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Verena Reithmann und Laura von Beckerath-Leismüller gehen in zwei Wochen in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt. Das vorläufige Endergebnis wies die UBI-Gemeinderätin mit 41,59 Prozent aus, Grünen-Kandidatin Leismüller erhielt 30,42 Prozent. Cornelia Zechmeister (PWG) kam auf 20,6, SPD-Kandidatin Dr. Beatrice Wagner auf 7,39 Prozent.

Icking – Auf ihr Gefühl wollte sich Verena Reithmann nicht verlassen, auf ihre Träume konnte sie es. Vor ein paar Tagen, erzählte die Siegerin des Abends, sei sie in der Früh aufgewacht und habe ihrem Mann das Wahlergebnis, von dem sie geträumt hatte, „bis auf zwei Kommastellen genau vorhersagt“. Allerdings, fügte sie mit einem Schmunzeln hinzu, „hatte ich mir zwei Kommastellen mehr eingebildet“. Keine Frage, die 52-Jährige war erleichtert. Am Sonntag, 29. März, geht es in Icking in die Stichwahl

Verena Reithmann und Laura von Beckerath-Leismüller in der Stichwahl

Ein paar Minuten zuvor sah das noch anders aus. Sie sei nervös, räumte Reithmann ein. Ihre beiden Töchter, die sie zum Rathaus begleitet hatten, hätten sie deshalb schon am Vormittag zu einem Tänzchen aufgefordert, „um die Aufregung abzuschütteln“. Danach wurde die UBI-Kandidatin ernster: „Jetzt habe ich wieder einige Arbeit vor mir.“ Welche? „Ich möchte den Leuten noch deutlicher machen, dass auch wir für Veränderung stehen und unserem Anspruch gerecht werden, immer besser zu werden.“ Wie sie in Zeiten von Corona die Ickinger bis zur Stichwahl erreichen will, weiß sie schon: „quarantänefreundliche Gartenzaungespräche.“ Die Bürger würden über die Presse und Social-Media-Kanäle erfahren, wann sie wo für das in ihren Augen „wichtige persönliche Gespräch“ zur Verfügung steht.

Um eine Feuerschale im Garten und vor einem Laptop sitzend, wartete derweil Konkurrentin Laura von Beckerath-Leismüller gemeinsam mit Bruder und Schwägerin das Ergebnis ab. „Ich freue mich wahnsinnig. Auf die Stichwahl haben wir schon angestoßen“, verriet Leismüller kurz darauf glücklich am Telefon. Sie habe „gebangt bis zur letzten Minute“. Jetzt gelte es, in den kommenden zwei Wochen „noch einmal richtig Gas zu geben“. Leismüller ist sich bewusst, dass ihr in Zeiten von Corona ein außergewöhnlicher Endspurt bevorsteht. Trotzdem gibt sich die Grünen-Kandidatin motiviert: „Da wir zum Wahlkampf nicht mehr auf die Straße gehen dürfen, werden wir umso mehr versuchen, auf den digitalen Kanälen so viele Menschen wie möglich zu erreichen.“

Icking: Cornelia Zechmeister als gute Verliererin 

Eine gute Verliererin war PWG-Kandidatin Cornelia Zechmeister. Ihre erste Reaktion nach Wahlleiter Stefan Fischers Verkündigung: ein akzeptierendes Kopfnicken. Dann schloss sie Verena Reithmann freundschaftlich in die Arme. „Das freut mich wirklich sehr.“ Das Ergebnis kam für Zechmeister „nicht ganz überraschend. Mir war von Anfang an klar, wie schwer der Wahlkampf wird. Im Gegensatz zu mir sind meine Gegenkandidatinnen schließlich alle im Ort verwurzelt.“ Doch zumindest eines ihrer Ziele hat die Pullacherin an diesem Abend erreicht: „Ich habe mir vorgenommen, nicht als Kandidatin mit den wenigsten Stimmen aus dem Rennen zu gehen“, verrät sie augenzwinkernd. Am Ende bedankte sie sich bei ihren Gegenkandidatinnen, der PWG und allen Ickingern für die Welle der Solidarität, die ihr entgegenschlug, als Unbekannte im Februar ihre Wahlplakate beschmierten. „Das weiß ich wirklich zu schätzen.“

Große Enttäuschung bei Beatrice Wagner

Groß war die Enttäuschung hingegen im Dorfener Café Sternengugga, in dem Beatrice Wagner mit ein paar Genossen am offenen Kaminfeuer auf das Ergebnis wartete. Die SPD war die einzige Partei in Icking, die sich von der Corona-Krise nicht abhalten ließ und ein Treffen organisierte – „wenn auch im kleinen Rahmen“, wie Wagner betonte. Nur etwas über sieben Prozent – mit so wenig Zuspruch hatte die 56-Jährige „nicht gerechnet, zumal ich im persönlichen Feedback viel Positives gehört habe“. Auch ihre Themen – Ökologie und Soziales – seien „richtig gut angekommen. Leider sind die Stimmen trotzdem nicht bei mir gelandet.“ Sie lasse sich vom Resultat jedoch nicht davon abhalten, „mich weiter für die Ickinger Themen einzusetzen, die ich für wichtig halte“.

kof/peb

Doch die Bürgermeisterwahl war nur der erste Aufschlag der Kommunalwahl - die Spannung geht weiter: Nachdem die Bürgermeisterwahlen und die Landratswahl ausgezählt sind, geht es nun um die künftige Zusammensetzung der Gemeinderäte, der Stadträte und des Kreistags. Auf die Wahlhelfer kommen morgen weitere anstrengende Stunden zu. Mit unserem Live-Ticker bleiben Sie auf dem Laufenden.

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