Turnhallen im Gespräch

Krisenplanung: 300 Asylbewerber in 24 Stunden

Bad Tölz-Wolfratshausen – Noch bis 3. November hat der Landkreis Zeit, um der Regierung von Oberbayern seinen Notfallplan mitzuteilen.

Demnach muss die Behörde belegen, wie sie innerhalb von 24 Stunden bis zu 300 zusätzliche Asylbewerber unterbringen könnte. „Wir suchen, um auch nur irgendwie geeignete Gebäude zu finden – das hat Notfallcharakter“, sagte Landrat Josef Niedermaier in der Sitzung des Schul- und Bauausschusses. Werde der Kreis nicht fündig, müssten Turnhallen genutzt werden. „Das werden fünf oder sechs Hallen sein“, so Niedermaier.

Kreisrat Klaus Trischberger fragte an, warum Turnhallen im Gespräch seien, während immer noch nicht klar sei, warum man nicht bundeseigene Kasernen nutze. Alois Bauer stieß ins selbe Horn: „Wenn wir Turnhallen belegen müssen, werden das die Menschen nicht verstehen, wenn gleichzeitig noch Wohnraum leer steht.“ Landrat Niedermaier erwiderte: „Wenn wir die 300 nicht unterbringen, sind mindestens fünf Turnhallen zu.“

Aus seiner Erfahrung wusste Bauer anzumerken, dass Wohncontainer, formal so genannte fliegende Bauten, in München bei größeren Bauprojekten durchaus über mehrere Jahre gestanden haben. „Warum planen wir nicht fliegende Bauten, da tun wir uns mit der Genehmigung viel leichter“, fragte Bauer. Niedermaier jedoch geht bei fliegenden Bauten von einer Duldungszeit von ein paar Wochen aus – „dann ist Schluss“. Kreisrat Bauer konterte: „Bevor wir Turnhallen zumachen, sollten wir lieber Container auf Parkplätze stellen.“

Der Notfallplan der Staatsregierung sieht zunächst vor, die zusätzlichen Asylbewerber (der Landkreis rechnet ohne sie schon mit bis zu 650) fünf bis sechs Wochen behelfsmäßig unterzubringen. Danach sollen Flächen zum Aufstellen von Containern benannt und erschlossen werden, auf denen Asylsuchende für drei Monate untergebracht werden können. Eine dritte Stufe sieht Containerstandorte für mehrere Jahre vor. „Niemand weiß, wer das bezahlt, der Kreis muss aber in Vorleistung gehen. Und ich muss Mietverträge abschließen. Denn niemand wird mir ein Gebäude einfach so freihalten“, ergänzte Niedermaier. Notfalls bleibe der Kreis dann auf diesen Verträgen sitzen, wenn doch keine Asylbewerber kommen. Jens Hendryk Dässler

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