Der krönende Abschluss

- Benediktbeuern – Mit einem weißen Stetson modisch behütet und mit der Silbermedaille um den Hals kehrte Stefan Höck von den Olympischen Winterspielen 1988 aus Calgary zurück. Seine Heimatgemeinde Benediktbeuern bereitete dem erfolgreichen Biathleten einen rauschenden Empfang, schließlich war der damals 24-jährige Zeitsoldat der einzige Medaillengewinner von insgesamt sieben Olympiateilnehmern aus dem Landkreis.

von wolfgang stauner <P>Während Bürgermeister Andreas Reiser vor 400 Fans &#8222;unseren lieben Silbermedaillen-Gewinner&#8220; hochleben ließ und an das Mitfiebern mit der deutschen 4 x 7,5 km-Staffel vor dem Fernsehschirm erinnerte, gestand eine ältere Benediktbeurerin ihrer Nachbarin kleinlaut: &#8222;I hab umg&#8217;schalten, weil i konn des ned mit oschaun, wenn sich de junga Menschn so schindn miassn. Und dann a no da Stefan . . .&#8220; Schinden musste sich Höck, der im 10 km-Sprint nach drei Fahrkarten und einem Sturz lediglich 26. geworden war, in seinem zweiten Wettkampf tatsächlich. Als zweiter Läufer &#8211; hinter Ernst Reiter und vor Peter Angerer sowie Schlussmann Fritz Fischer &#8211; lieferte sich der auf Rang drei platzierte Loisachtaler ein packendes Duell mit seinem italienischen Widersacher Gottlieb Taschler und hatte das bessere Ende für sich. &#8222;Stehend und liegend hab&#8217; ich zwar jeweils zwei Nachlader gehabt. Es hat trotzdem gereicht, um als Dritter zu wechseln&#8220;, erinnert sich der heute 42-jährige Architekt an die windanfällige Schießanlage. Peter Angerer schob sich anschließend gar auf die zweite Position nach vorne. Als Fritz Fischer als vierter bundesdeutscher Biathlet auf die Strecke ging, begann im Zielraum die Leidenszeit erst richtig. Denn die Nachrichten von der Strecke waren alles andere als beruhigend: Auf 16, zwölf, sechs Sekunden schrumpfte der Vorsprung auf die an diesem Tag überraschend starken Italiener. &#8222;In jenen Minuten hab&#8217; ich all meine Sünden gebüßt&#8220;, erzählt Höck, um dann überglücklich und den Tränen nahe seine Staffelkameraden zu herzen. Silber hinter der Weltmacht UdSSR &#8211; die Sensation war perfekt. <P>Auskosten konnte Höck den Triumph zunächst nicht richtig. Kaum war das Silber-Quartett zu Atem gekommen, ging es mit dem Hubschrauber auch schon ins Fernsehstudio. Überhaupt bedauert Höck, vom Flair der Olympia-Stadt Calgary wenig mitbekommen zu haben: &#8222;Wir waren in Canmore untergebracht, das war 100 Kilometer von Calgary entfernt. Allerdings habe ich 1984 als Ersatzmann schöne Eindrücke gesammelt. Wenn man im Team steht, konzentriert man sich nur auf den Tag X.&#8220; <P>Damals sahen Biathlon-Experten den 24-Jährigen als den kommenden Mann. Doch für den Benediktbeurer war &#8222;Silber der krönende Abschluss meiner Karriere&#8220;. Kurz vor den Olympischen Spielen hatte Höck nämlich in Ruhpolding sein erstes und einziges Weltcup-Rennen gewonnen, was erst das Sprungbrett in die Olympia-Staffel gewesen war. Doch Höck, ein Könner der klassischen Technik, kam mit der Umstellung aufs Skating nicht sonderlich zurecht. Und so entschied er, die Skier nach der WM in Oslo (21. im Sprint) in die Ecke zu stellen. Die Silberne von Calgary holt Stefan Höck heute gelegentlich aus der Schatulle: &#8222;Manchmal werde ich schon noch danach gefragt. Dann zeige ich sie gerne her.&#8220; Olympischer Glanz verblasst eben nie. <P>

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