Vom Kulturzentrum bis zum Kindergartenplatz

- VON CARL-CHRISTIAN EICK Geretsried - Volles Haus, wenig Neues, kaum Diskussionen: Der ökumenische Arbeitskreis, die Musikschule Geretsried und die Geretsrieder Chöre hatten am Mittwochabend Bürgermeister Hans Schmid (CSU) und seine Herausforderin Cornelia Irmer (Wahlverein, Freie Wähler, SPD, Grüne, FDP) in den Ratsstubensaal gebeten. Die beiden skizzierten dort ihre Vorstellungen von Kultur und stellten sich der Frage, wie sie soziale Probleme in der Stadt lösen wollen.<BR>

<P>Kultur habe in Geretsried einen hohen Stellenwert, betonten Schmid und Irmer unisono. 30 000 Euro habe der Stadtrat heuer für die schönen Künste bereitgestellt, sagte der Rathauschef - "nicht gerade wenig". Eine Erhöhung des Budgets, wie von Musikschulleiterin und Moderatorin Ingrid Obser gefordert, "werde ich dem Stadtrat aber gerne vorschlagen". Dass ein solcher Vorstoß von Erfolg gekrönt werde, sei "in diesen Zeiten" jedoch nur schwer vorstellbar. "Es gibt nichts, was man nicht noch verbessern kann", urteilte Irmer. Sie wolle das "Miteinander" und die "Partnerschaft mit anderen Städten" verstärken. Irmer: "Und zum Thema Geld: Not macht erfinderisch."<P>Wie stehen die Chancen, dass Geretsried "ein Bürgerhaus oder ein Kulturzentrum bekommt?", wollte Werner Sebb wissen. "Im Haushalt is` nix eingesetzt, also ist wohl auch nix angedacht", meinte Irmer, die sich ein "multifunktionales Gebäude" auf einem neu gestalteten Karl-Lederer-Platz vorstellen kann. Sie sehe derzeit "eine große Chance", ein Kulturzentrum zu verwirklichen: Albrecht Widmann, der Eigentümer des ehemaligen Lechner-Bunkers am Isardamm, wäre laut Irmer bereit, über dieses Thema mit der Stadt zu reden. "Diese Chance sollten wir nicht versieben." <P>Wen so etwas angeregt werde, erklärte Schmid, "müssen wir über Geld reden". Der Bürgermeister stellte vielmehr die "sicherlich provokante" Frage: Ist ein Bürger- oder Kulturhaus überhaupt noch notwendig?" Schmid verwies auf die Schul-Aulen, die Turnhallen, das Schützenheim, den Musikschulsaal ("der zugegeben zu klein ist"), das Eisstadion die Böhmwiese, den Ratsstubensaal und öffentliche Plätze. Schmid: "Warum bewährte Veranstaltungsorte aufgeben?"<P>Die sozialen Themen fragte der ehemalige Hauptschul-Rektor Klaus Bendel ab. Das Angebot von Kindergartenplätzen sei "noch nicht ganz zufriedenstellend", räumte Schmid ein. Der Missstand soll wie berichtet durch eine "Drei-Wege-Strategie" (Einrichtung von Notgruppen und Betreuung durch Tagesmütter) behoben werden. "Aber zunächst wollen wir gemeinsam mit dem Sozialreferenten Wolfgang Lorz den echten Bedarf ermitteln."<P>"Das Problem Kindergartenplätze ist doch nicht vom Himmel gefallen", urteilte Irmer. "Wer Neubaugebiete ausweist", der müsse wissen, dass sich auch Familien mit Kindern ansiedeln. "Wir müssen für die Zukunft besser planen", sagte Schmids Herausforderin. Sie plädierte in diesem Zusammenhang dafür, "erschwinglichen Wohnraum für junge Familien" zu schaffen. 961 Personen suchten derzeit in Geretsried eine Wohnung, erläuterte Schmid, "plus Familienangehörige". Es sei "unstrittig", dass es an großen Wohnungen in der Stadt mangele. Baugenossenschaft und Stadt würden allerdings alles tun, was in ihrer Macht steht.<P>

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