Im Mittelpunkt: Die männliche Skulptur „Stranded“ – der Gestrandete steht im Zentrum der Ausstellung von Samson Ogiamien (li.) und Alex Coleman. Foto: hans lippert

Mit Kunst Brücken bauen

Deining - Samson Ogiamien und Alex Coleman zeigen ihre Werke in der Galerie Pratschke.

„Die Vergangenheit zu kennen, mit der Gegenwart zurechtzukommen und gemeinsam in eine neue Zukunft gehen“: Feinsinnige Worte fand der Münchner Künstler Andreas Constantin Bartelt zusammen mit der Galeristin Carmen Pratschke am Freitagabend bei der Eröffnung der Ausstellung „Stranded“ in Deining.

Wer sein Leben im Spiegel betrachte, der könne auch in einer neuen Gesellschaft zurechtkommen. Das trifft im Grunde den Kern, was die beiden Künstler, der Maler Alex Coleman aus Ghana und der Bildhauer Samson Ogiamien aus Nigeria, über ihre Arbeiten zum Ausdruck bringen. Die aktuelle Ausstellung zeigt auf, wie Kunst Brücken bauen kann. In der Tat lösen sich in der kreativen Welt wie selbstverständlich Grenzen auf. Das ist bekanntlich so: in der Kunst wie in der Musik. Es sind Sprachrohre ohne Sprachbarrieren, die vor allem Gefühle transportieren: Träume, Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Sorgen. Und Gefühle sind im Grunde doch überall die gleichen. Künstler machen Emotion mit ihren Händen zur Realität. Auch Coleman und Ogiamien.

Im Zentrum der aktuellen Ausstellung steht die männliche Skulptur „Stranded“ - der Gestrandete. Ein Sinnbild, das für Heimatverlust und Neuanfang steht. Es ist eine anatomisch ausdrucksstarke Männergestalt, die gebückt, in sich gekehrt und mit Ungewissheit in die Zukunft blickt. Der schwarze Mann aus weißem Beton hält ein Gepäckstück fest umschlungen, so als dürfe er den Inhalt nicht verlieren. „Seine Tasche ist gefüllt mit Potenzial und Talent. Nur weiß er nicht, wann er sie wieder auspacken kann“, erklärt Samson Ogiamien sein Kunstwerk. Im Grunde ist es dem Künstler aus Nigeria nicht anders ergangen, als er vor einigen Jahren nach Graz kam. Ogiamien studierte in seiner Heimat Kunst und Gestaltung. Ab 2005 besuchte er in Graz eine Meisterklasse und schloss 2007 die Akademie mit Ausgezeichnet ab. Sein Schwerpunkt sind Skulpturen menschlicher Gestalten und Köpfe, die seine Visionen widerspiegeln. Er setzt sich mit der Gegenwart auseinander und schafft eine Verbindung zur Tradition seiner Heimat. „Ich verstehe meine Kunst als Brücke zu einer fremden Gesellschaft.“

Auch Alex Coleman hat seine Vergangenheit und seinen Weg in eine neue Zukunft. In seiner Heimat Ghana heißt der Künstler Paa Kwesi Coleman. Alex ist sein christlicher Name. In Ghana leben 70 Prozent Christen. Es herrscht Krieg und Gewalt gegen Frauen. Vor einem Jahr kam der Künstler mit Familie nach München. Er sei wohlwollend aufgenommen worden, sagt Coleman. Seine Bilder sind nicht seelenwund, eher lebendig und im Stil afrikanisch. Er setzt einfarbige Akzente und hebt so Gefühle hervor. Ein Bild zeigt eine stillende Afrikanerin. Die Gesamtkomposition ist in vier Farbsegmente eingeteilt. Rot für die Liebe, Gelb für das Leben, Blau für die Sehnsucht und Grün für die Hoffnung.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Stranded“ in der Galerie Carmen Pratschke (Münchner Straße 25a in Deining) ist bis 11. Juli donnerstags, freitags und samstags von 13 bis 17 Uhr zu sehen.

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