+
Manche der skurrilen Karikaturen-Bronzen von Otto Süßbauer erinnern an die Protagonisten aus Wilhelm Buschs humoristischer Bilderwelt.

Die Kunstpreisträger 2014

Kunstpreis 2014 für Otto Süßbauer aus Königsdorf

Königsdorf - Der Kunstpreis 2014 geht an Otto Süßbauer aus Königsdorf.

Den Namen Otto Süßbauer verbindet man vor allem mit den beeindruckenden Kugeln aus allerhand Materialien wie Besteckgabeln, Wein- und Kronkorken oder aus Drahtgeflecht. Süßbauers skurrile Karikaturen-Bronzen sind indes weniger bekannt. Sie haben ausdrucksstarke Gesichter und charakteristisch überzogene Formen – manche erinnern an die Protagonisten aus Wilhelm Buschs humoristischer Bilderwelt. Otto Süßbauer wird heuer mit dem Kunstpreis des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen geehrt.

Süßbauer nahm auf seinem Lebensweg so manche Abzweigungen und fand schließlich den richtigen Weg – „einen, der quasi nicht glatt geteert durchs Leben führt. Ich bin Künstler geworden, weil mir die Freiheit wichtig ist, meine eigenen Ideen zu verwirklichen“, sagt er. Zusammen mit seiner Frau Marianne Süßbauer, Bildhauerin, lebt der gebürtige Münchner seit 30 Jahren in Mooseurach auf dem alten Gutsgelände der Familie Bosch mitten im Königsdorfer Moor. Das Künstlerpaar war damals das erste, das sich hier ansiedelte und in einer alten Garage und einem Stall sein Atelier einrichtete. Dann kamen andere Künstler dazu. Heute leben und arbeiten in der Nachbarschaft unter anderem die Maler Clemens Büntig, Marc Harrington und Sean Scully.

Man trifft sich, man sitzt zusammen und tauscht sich aus. Drumherum pure Natur. Aus dieser Lebensqualität schöpft Süßbauer seine Kraft für die Kunst. „Hier in der Natur findet man alle Formen.“ Süßbauer ist Autodidakt, hat seinen künstlerischen Ausdruck zuerst über die Malerei und Druckgrafik entwickelt. Seine Bilder, die in den 1980er Jahren entstanden, sind ausdrucksstark. Ein großformatiges Ölbild einer Personengruppe mit dem Titel „Streit“ hängt an der Werkstattwand. Die Rolle, die jeder einzelne darauf im verbalen Kampf spielt, kann man von den Gesichtern ablesen.

Nach dem Abitur im Kloster Schäftlarn 1978 versuchte sich der heute 58-jährige Künstler zuerst als Mitarbeiter in der Versicherungskammer, dann bei der „Packerl-Post“. Er schmeckte in die Modebranche hinein und merkte, „das alles stimmt für mich nicht“. Eine Erbschaft hielt ihm unerwartet finanziell den Rücken frei. Er gab sich fünf Jahre Zeit, seinen Weg zu gehen. Süßbauer konnte schließlich von seiner Malerei leben. Ab 1990 arbeitete er zwölf Jahre in der Kunstgießerei Kirchner in Ascholding, lernte dort das Handwerk der Bronzeverarbeitung und lernte andere Künstler kennen. In dieser Zeit entstanden seine Bronze-Plastiken. Jede Figur ein Charakter-Typ. Da gibt es die nackte Venus, die mit mächtigen Rundungen verführt, den dickleibigen Angeber, der provokant seine Manneskraft zur Schau stellt, den listigen Kaufmannstypen, der auf diebischen Krähenfüßen steht.

Mit seinem Freund und Künstler Wolfgang Schmuck aus Icking entwickelte Süßbauer 1998 die Technik für den Kugelbau: „Wir waren die ersten.“ Immer wieder probiert er neues Material aus, mit Fundstücken aus der Natur oder mit Materialien, die sonst keiner mehr brauchen kann. „Jede Kugel ist eine Herausforderung für sich“, sagt der Künstler. Jedes Material habe seine Bedingung. Es in die perfekte Form zu bringen und „lesbar für den Betrachter zu machen“, sei die Kunst dabei. Viele seiner Objekte sind im öffentlichen Raum zu sehen: Die „Aller-Seelen-Kugel“ aus alten Grabstein-Buchstaben steht auf dem Geretsrieder Friedhof sowie die „Vater-unser-Säule“ vor der Geretsrieder Petruskirche. Und den Graf Pocci hat er wie einen langen Lulatsch gestaltet und zusammen mit „Kasperl Larifari“ auf eine Denkmalssäule in Münsing gestellt. (web)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Science Fiction-Reihe „Cronos Cube“: Teil 3 erscheint im Herbst
Thekla Kraußeneck (33) hat mit den ersten beiden Bänden ihrer „Cronos-Cube“-Reihe große Erfolge gefeiert. Im Herbst erscheint Teil 3.
Science Fiction-Reihe „Cronos Cube“: Teil 3 erscheint im Herbst
Online bestellter Verlobungsring verschwunden - 500 Euro weg
Ein Wolfratshauser schickt einen gekauften Verlobungsring an den Online-Händler zurück. Der bestreitet die Ankunft des Pakets.   
Online bestellter Verlobungsring verschwunden - 500 Euro weg
Einbrecher schlagen am Beuerberger Skilift zu
Unbekannte brechen in Betriebsgebäude des Skilifts in Beuerberg ein und stehlen Benzinkanister. Die Polizei sucht Zeugen.
Einbrecher schlagen am Beuerberger Skilift zu
Werbekreischef: „Wolfratshausen hat Perspektive“
Kurz vor dem Lockdown vor gut zwei Monaten übernahm Hans-Joachim Kunstmann das Amt des Werbekreischefs in Wolfratshausen. Trotz Corona-Krise ist er optimistisch.
Werbekreischef: „Wolfratshausen hat Perspektive“

Kommentare