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Sündhaft teuer: Für die geklauten Damenschuhe präsentierte das Amtsgericht einem Wolfratshauser eine saftige Rechnung.

Kurioser Fehlgriff

Wolfratshauser (59) klaut zwei linke Damenstiefel

Ladendiebstähle gehören zum Alltagsgeschäft der Polizei. Aber ein Fall wie dieser fällt auch für erfahrene Ordnungshüter in die Kategorie „Kuriositäten“.

Wolfratshausen –  Ein Mann entwendete aus der Auslage eines Schuhgeschäfts am Marienplatz zwei schwarze Damenstiefel im Wert von 110 Euro – allerdings zwei linke Exemplare, noch dazu in unterschiedlichen Größen, 40 und 41. Nun musste sich der 59-jährige Wolfratshauser wegen des Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten.

Augenzeugin hilft

„Der ganze Ablauf war merkwürdig“, erinnerte sich eine Polizeibeamtin (32) an den Einsatz am 1. Dezember vergangenen Jahres. Der Diebstahl hatte sich bereits am Vortag gegen 17.30 Uhr ereignet. Gefasst wurde der Täter am folgenden Tag, weil ihn eine Augenzeugin des Diebstahls erneut in der Nähe des Tatorts gesehen hatte. Das Mädchen informierte den Geschäftsinhaber, der den vermeintlichen Dieb auf der Straße stellte und die Polizei alarmierte.

Wolfratshauser hatte zur Tatzeit 2,1 Promille im Blut

Aus dem Beschuldigten sei damals nicht viel herauszubekommen gewesen. „Er war in ziemlich erbärmlichem Zustand, hatte 2,1 Promille Alkohol im Blut und von einem Sturz eine Platzwunde am Kopf“, berichtete die Zeugin. Als die Streife mit dem Angeklagten dessen Wohnung aufsuchte, habe dessen damalige Lebensgefährtin ihnen die Stiefel ausgehändigt – „noch mit Preisschildern dran“.

„Ein bisschen Bier, ein bisschen Wodka“

„Ja, das stimmt so“, bestätigte der Angeklagte. „Da braucht man nix mehr dazu zu sagen.“ Eine Erklärung für seinen Fehlgriff hatte er nicht. „Gesehen, geschaut und für gut befunden“, mutmaßte der 59-Jährige. Zudem sei er angetrunken gewesen. „Wie angetrunken?“, hakte der Amtsrichter nach. „Na ja, so viel, dass man leichtsinnig wird“, antwortete der Wolfratshauser. Bei ihm sei das ab ein Promille Alkohol aufwärts der Fall. „Wie viel braucht’s dafür?“, wollte der Richter wissen. „Puuh“, schnaufte der Mann auf der Anklagebank. „Ich führ’ da kein Buch drüber – ein bisschen Bier, ein bisschen Wodka.“

Verteidiger: Handeln war von großem Alkoholproblem beeinflusst

Der kurze Dialog legte das Dilemma des Angeklagten offen. „Sein Handeln war beeinflusst von seinem großen Alkoholproblem“, sagte sein Verteidiger Georg Kastenmüller. „Er hat spontan gehandelt, ohne darüber nachzudenken, ob das Sinn macht.“ Inzwischen habe sein Mandant erkannt, dass er etwas tun müsse. Aus eigenem Antrieb hatte er sich für mehrere Wochen zur Entgiftung in eine Klinik begeben. Derzeit lebt er in einem Pflegeheim und wird darüber hinaus von einer Betreuerin unterstützt. „Er scheint auf einem guten Weg zu sein.“ Diesen Eindruck gewann der Staatsanwalt ebenso wie Richter Helmut Berger, der den gelernten Baumaschinisten zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro (1050 Euro) verurteilte.

Von Rudi Stallein

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