+
Kein Denkmal: Zu diesem Schluss kommt das Landesamt für Denkmalpflege nach seiner Radaruntersuchung. Demnach befinden sich im Keller des Gebäudes am Waldramer Kolpingplatz keine Überreste eines jüdischen Ritualbades.

Badehaus in Waldram

Denkmalamt: Keine Mikwe, kein Denkmal

Wolfratshausen - Im ehemaligen Waldramer Badehaus befinden sich keine Überreste eines jüdischen Ritualbads. Das hat das Landesamt für Denkmalpflege mithilfe einer Radaruntersuchung herausgefunden. Die Behörde stellt zudem fest: „Das Anwesen ist kein Denkmal.“

Die Erkenntnisse des Landesamts liegen Bürgermeister Helmut Forster und allen Stadträten seit einigen Tagen schwarz auf weiß vor. „Im Kellerboden des ehemaligen Badehauses in Waldram sind keine Überreste einer Mikwe zu finden“, fasst Beate Zarges, Pressesprecherin der Denkmalbehörde, auf Nachfrage zusammen. Zumindest sei die Existenz des jüdischen Ritualbads „sehr unwahrscheinlich, beziehungsweise nahezu auszuschließen“, schränkt sie ein.

Diese Erkenntnis ist pikant, weil Zeitzeugen im Gespräch mit der Ickinger Historikerin Dr. Sybille Krafft den Standort des Ritualbads immer wieder genau benannt hatten. Vor laufender TV-Kamera wiesen sie unter anderem auf einen Nebenraum im Keller des Badehauses hin. Krafft, die gleichzeitig Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus“ ist, erforscht seit einigen Jahren die Vergangenheit Waldrams. Erklärtes Vereinsziel ist es, das Badehaus zu einer Begegnungs- und Dokumentationsstätte auszubauen. Dort soll unter anderem die Geschichte des Lagers Föhrenwald nach dem Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet werden. Der Verein „Bürger fürs Badehaus“ hofft derzeit auf die Überschreibung des Gebäudes, nachdem es bereits beinahe der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre.

Bei der Gründungsversammlung im September 2012 gingen die Vereinsmitglieder ausdrücklich davon aus, dass sich am Kolpingplatz einst der Sanitärbereich des Lagers sowie eine Mikwe befunden haben. Die Wissenschaftler der Denkmalbehörde waren laut Sprecherin Zarges im Herbst im Badehaus aktiv: Sie sendeten elektromagnetische Wellen ins Erdreich, um anschließend die reflektierten Strahlen mit einer Antenne aufzufangen. Allein die komplizierten Untersuchungsmethoden beschreiben die promovierten Wissenschaftler im Gutachten nach Informationen unserer Zeitung auf sieben Seiten. „Die Bodenbeschaffenheit zeigt den Ist-Zustand“, betont Zarges. „Wenn die Mikwe mit Mühe ausgegraben wurde, wäre natürlich nichts mehr vorhanden.“ Das sei aber reine Spekulation, ihre Behörde beziehe sich „nur auf die Fakten. Und die sagen, dass sich dort kein Ritualbad befindet.“ Das Landesamt für Denkmalpflege kommt deshalb zu dem Schluss, dass das Anwesen nicht als Denkmal geführt werden kann. Zarges: „Entsprechend des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes gibt es keinen neuen Sachstand.“

Bürgermeister Helmut Forster bewertet das Gutachten auf Nachfrage unserer Zeitung „als sehr eindeutig“. Auswirkungen auf die vom Stadtrat genehmigten Zuschüsse für den Ausbau der Dokumentationsstätte habe das aber wohl nicht. Hierbei geht es immerhin um 500 000 Euro. Zu den Bedingungen, an die der Stadtrat seine Zusage verknüpft hat, wird der Nachweis einer Mikwe nicht als Voraussetzung genannt. „Damit bleibt erst mal alles, wie es ist“, sagt Forster.

Sebastian Dorn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

ADFC-Fahrsicherheitstraining: Tipps für E-Biker
Mit dem E-Bike und dadurch höherer Geschwindigkeit unterwegs zu sein, ist eine Herausforderung. Es gilt einiges zu beachten. Der ADFC gibt Tipps.
ADFC-Fahrsicherheitstraining: Tipps für E-Biker
22-Jähriger Münchner rast betrunken über Feldweg
Die Polizei musste in Dietramszell anrücken. Ein 22-Jähriger raste über einen Feldweg. Er hatte zuvor einiges getrunken.
22-Jähriger Münchner rast betrunken über Feldweg
Spekulationen schießen ins Kraut: Käufliche Liebe in der Wolfratshauser Altstadt?
Das Schwankl-Eck in Wolfratshausen hat eine große Geschichte. In dem prominenten Gebäude stand die Wiege unserer Zeitung. Jetzt brennt Rotlicht im Obergeschoss - und die …
Spekulationen schießen ins Kraut: Käufliche Liebe in der Wolfratshauser Altstadt?
Der ARD-Erfolgsserie auf der Spur: Mit „Hubert und/ohne Staller“ durch Wolfratshausen
Wegen der Corona-Krise wird in den Sommerferien wohl vermehrt auf große Auslandsreisen verzichtet und Urlaub daheim gemacht. Deshalb bieten wir in der Serie …
Der ARD-Erfolgsserie auf der Spur: Mit „Hubert und/ohne Staller“ durch Wolfratshausen

Kommentare