Landrat Josef Niedermaierwill viel Geld für den Tunnelin die Hand nehmen. Foto: red

S 7-Verlängerung

Landrat kämpft für 50 plus x

Geretsried - Der Landkreis soll mindestens die Hälfte der Kosten für einen S-Bahn-Tunnel in Wolfratshausen übernehmen. Dafür will sich Landrat Josef Niedermaier stark machen.

44 Millionen Euro (Preisstand 2009) kostet eine Tieferlegung der S-Bahn-Gleise an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. 17 Millionen Euro sollen der Landkreis und die beiden Städte zu einem Tunnel beziehungsweise Trog beisteuern. Bislang hatte sich keine Seite aus der Deckung gewagt, wie die Summe aufgeschlüsselt werden soll. „Es geht ein bisschen zu wie auf einem arabischen Basar“, bat Geretsrieds Rathauschef Michael Müller (CSU) in der Bürgerversammlung am Donnerstagabend um Verständnis, warum er keine Zahlen nennt. Auch Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) wollte „den Basar nicht eröffnen“, wagte sich aber dann doch weit aus dem Fenster: „50 Prozent aufwärts“ sollte der Landkreis nach seinen Worten beisteuern. Die Versammlung quittierte seine Aussage mit kräftigem Beifall.

Über Jahre hieß es, wenn die Wolfratshauser einen Tunnel wollen, dann müssen sie ihn auch selbst bezahlen, rief Niedermaier in Erinnerung. Dass sich die Verkehrsminister von Bund und Land nun mit der Bahn darauf verständigt haben, eine Tieferlegung mitzubezahlen, sei „der Durchbruch“, sagte der Landrat. „Der Pferdefuß ist: Es ist ein Beitrag der Region erforderlich.“ Aber deshalb dürfe man dieses Angebot nicht ausschlagen, mahnte Niedermaier: „Wenn wir das diskutieren, dann gefährden wir die Chance, dass die S-Bahn nach Geretsried fährt.“

Der Landrat skizzierte auch, wie er den Kreistag überzeugen will, mindestens die Hälfte der 17 Millionen Euro zu übernehmen. Nach seinen Worten profitieren nicht nur die Pendler, sondern der gesamte Landkreis von der S 7-Verlängerung. „Die stärksten Kommunen sitzen an den S-Bahn-Ästen“, sagte Niedermaier. Und wenn die Steuerkraft steige, komme dies dem Kreishaushalt und damit allen Städten und Gemeinden zugute.

Ähnlich äußerte sich der Geretsrieder Bürgermeister. „Es geht nicht darum, ob wir mit der S-Bahn nach München zum Einkaufen fahren können. Es geht darum, wie wir das Mittelzentrum als Wirtschaftsstandort entwickeln und die entsprechenden Fachkräfte bekommen wollen“, sagte Müller. Er sei „felsenfest“ überzeugt, dass die S-Bahn kommt, bekräftigte der Rathauschef mehrmals. „Das ist ein Jahrhundertprojekt, das über mehrere Generationen wirkt, und hat oberste Priorität.“

Den weiteren Zeitplan skizzierte Müller so: Damit alle Mandatsträger auf dem gleichen Wissensstand sind, ist für Dienstag, 19. Mai, eine öffentliche Informationsveranstaltung für beide Stadträte sowie den Kreistag geplant. Ziel ist es, die Querung der Sauerlacher Straße noch in diesem Jahr zu klären. 2016 könnte dann das Erörterungsverfahren anlaufen. Es liegen 741 Einwendungen mit 8499 Einzelargumenten vor. Davon dürfte sich aber ein Gutteil erledigt haben, wenn die Schrankenlösung an der Sauerlacher Straße vom Tisch ist.

Nach dem Planfeststellungsbeschluss 2019 würden Grunderwerb, Planung, Ausschreibung und Finanzierung folgen, was wiederum drei Jahre dauern dürfte. Das heißt, 2021 könnte mit dem Bau begonnen und 2024 die Inbetriebnahme erfolgen. Müller: „Ich schlage sicherheitshalber noch ein Jahr drauf und sage: 2025 rollt die S-Bahn bis nach Geretsried.“

Sabine Schörner

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