"Langsam, aber g`wiß"

- Die Entwicklung der Isartalbahn zur S 7

"Sie ist keine Lokalbahn, sondern historisch einmalig", sagte Schulze. Die 1891 eröffnete Strecke gehörte einst der privaten Lokalbahn-Aktiengesellschaft München (LAG), die um die Jahrhundertwende Ausflugsstrecken in Bayern, Österreich und Ungarn betrieb. Von Beginn an war die Bahn mit modernster Technik für ein hohes Fahrgastaufkommen gebaut worden. Bis in die 30er Jahre hinein war die Isartalbahn die wichtigste Ausflugsbahn für die Münchner. Teilweise fuhren Züge sogar im Zehn-Minuten-Takt.<P>Den Charakter der Ausflugsbahn verdeutlichte besonders der Pfingstsonntag im Jahre 1893, an dem über 22 000 Fahrgäste mit der Isartalbahn ins Grüne und in die schattigen Biergärten zwischen Pullach und Bichl fuhren. "Eine technische und organisatorische Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass zwischen München und Höllkriegelskreuth an sommerlichen Feiertagen 136 Züge verkehrten", so Schulze.<P>Die LAG nahm allerdings ein unrühmliches Ende: Die Nationalsozialisten trieben die Lokalbahngesellschaft wegen ihrer jüdischen Geschäftsführung in den Bankrott und verstaatlichten sie. Über die damals noch betriebene Strecke Wolfratshausen-Beuerberg-Bichl wurden während des Zweiten Weltkrieges die Bomben der Munitionsfabrik abtransportiert.<P>"Mit dem Anwachsen der Berufspendlerströmen in den 50er Jahren aber erkannte man, dass ein leistungsfähiges Massenverkehrssystem gebraucht wurde", erklärte Schulze. 1972 machten die Olympischen Spiele es nötig, ein umfangreiches Liniennetz zur Verfügung zu stellen. Dies war nur möglich, weil im Außenbereich auf ein vorhandenes Eisenbahnnetz zurückgegriffen werden konnte.<P>Doch die Bevölkerung des Isartals musste sich ab 1972 allein mit der Umbenennung der Isartalbahn in S 10 begnügen und darauf vertrauen, dass der Namensgebung auch tatsächlich die Ausstattung folgen würde. Erst am 31. Mai 1981, also neun Jahre nach der Inbetriebnahme der S-Bahn München, wurde die Fahrt für den modernen S-Bahn-Triebwagen bis nach Wolfratshausen freigegeben. Die S 10 hieß ab sofort S 7. "Ganz im Sinne der LAG", sagte Schulze. "Die kürzte man früher gerne mit ,Langsam, aber g±wiß` ab."cjk<P>

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