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Von Nord nach Süd durch Schweden radelt derzeit Extremsportler Horst Schwanke vom RSCI.

Von Lappland bis an die Ostsee

Wolfratshausen - Der Extremsportler Horst Schwanke durchquert Schweden mit seinem Rad. Insgesamt legte er eine Strecke von 2100 Kilometer zurück.

2100 Kilometer. Als Horst Schwanke die Landkarte Schwedens studierte, konnte er die Ausdehnung des skandinavischen Landes nicht wirklich fassen. Mittlerweile schon. Denn derzeit durchquert der Extremradler aus den Reihen des RSC Wolfratshausen das Königreich im Norden Europas „von Norden nach Süden in einem Rutsch“, wie er sagte. „Sverigetempot“ heißt das Langdistanzrennen, bei dem er mitfährt. Es zählt zu den längsten organisierten Radsportveranstaltungen der Welt. „Ich freue mich schon sehr auf das Abenteuer, aber ich habe auch riesigen Respekt davor“, gestand der 59-Jährige vor seiner Abreise. Wenn selbst ausgewiesene Radsportspezialisten an ihre Grenzen stoßen, fängt für Schwanke die Herausforderung erst an: Dreimal – 2003, 2007 und 2011 – bestritt er bereits erfolgreich Paris-Brest-Paris, ein 1200 Kilometer langes Rennen durch Frankreich, das zu den bekanntesten Langstreckenfahrten für Radsportler überhaupt zählt. Und im vergangenen Sommer absolvierte er mit London-Edinburgh-London einen weiteren Ausdauerklassiker erfolgreich. Für die 1500 Kilometer benötigte er rund 87 Stunden. „Für mich sind solche extrem langen Touren ein tolles Ventil für den stressigen Arbeitsalltag. Man kann einfach nur die Natur genießen und abschalten – und natürlich ist es auch eine ziemliche Quälerei“, erklärt der RSC-Sportler.

Akribische Vorbereitung nötig

Heuer heißt Schwankes Herausforderung Schweden: „Ein Freund von mir hat mich auf die Idee gebracht“, sagt Schwanke, der sich seit Jahresbeginn akribisch auf die Herausforderung im Norden Europas vorbereitet: „Wenn man lange Distanzen fahren will, muss man einfach lange Distanzen fahren. Ich habe schon mehrmals dieses Jahr über 400 Kilometer an einem Stück zurückgelegt. Einmal waren es auch 600 Kilometer. Diese Tests haben alle gut geklappt, und ich fühle mich auf dem Rad momentan sehr wohl. Von daher bin ich gut gerüstet.“

Es ist aber nicht nur die enorme Distanz, die dem Extremradler Respekt einflößt: „Man muss sich die ganze Zeit um sich selbst kümmern – also müssen auch das Material und die äußeren Bedingungen mitspielen. Gerade im Norden Schwedens liegt momentan noch Schnee – ich will also zügig nach Süden kommen“, sagte er. Auch die Einsamkeit spielt eine Rolle. „Im Norden Schwedens trifft man oft kilometerlang keinen Menschen, man ist komplett auf sich gestellt.“

Wie hoch die Ansprüche an die Athleten sind, zeigt die Startliste: Lediglich 56 Fahrer haben sich für die Herausforderung registriert – verglichen mit anderen Ausdauer-Events eine geringe Zahl. Gestartet wurde das „Sverigetempot“ am Donnerstag in Riksgränsen, einem Dorf an der schwedisch-norwegischen Grenze, rund 330 Kilometer nördlich des Polarkreises. Am Montag oder Dienstag will Schwanke das Ziel in Smygehamn, dem an der Ostsee gelegenen, südlichsten Ort Schwedens, erreichen. „Dazwischen werde ich mich auf nichts anderes konzentrieren als auf mein Rad und meinen Körper. So hoffe ich, dass ich das Ziel an der Ostsee auch erreiche.“ Dann hätte er 2100 Kilometer nonstop zurückgelegt. So nebenbei wäre das ein neuer persönlicher Rekord für Wolfratshausens Ausdauerspezialisten auf dem Rad.

von Werner Müller-Schell

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