„Seppi und Hias“: Can Schneider (li.) und Thomas Schöttl sind die Stars am Set. Foto: Hermsdorf

Leberkäs am laufenden Band

Beuerberg - Vor über 40 Jahren wurden Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ in Beuerberg gedreht. Jetzt gibt es ein Revival: Mit „Seppi und Hias“ erfahren die Geschichten eine Neuauflage.

Es geht um Leberkäsessen, um Fußball und um Gaunereien. Hias ist ein echt-bayerischer Lausbub und erzählt gerne Fantasiegeschichten. Sein großes Idol ist Bayern-Star Bastian Schweinsteiger. Er klaut sogar kurzerhand Geld aus dem Klingelbeutel – für das letzte „Schweini“-Trikot aus dem Krämerladen, was ihm sein Vater, ein eingefleischter Löwe, niemals kaufen würde.

Sein bester Freund ist Yusuf, von Hias’ Oma bayerisch Seppi genannt. Gemeinsam heckt das unzertrennliche Gespann viele Streiche aus. Dem bösen, norddeutschen Nachbarn, der den Buben verbietet, am Garagentor Fußball zu spielen, werden die geliebten Gartenzwerge entführt und im Kreitmeier-Weiher versenkt. Als die Beichte vor der Kommunionsfeier ansteht, ist Hias Angst und Bange. Weiß der Pfarrer von seiner Gaunerei? Und Seppi geht es nicht besser: Hatte sein islamisch-konservativer Onkel ihm doch erzählt, dass Leberkäsessen eine Sünde ist. Als es aber erst richtig brenzlig wird, halten die Buben zusammen.

Erneut ist das idyllische Beuerberg Schauplatz zahlreicher Episoden um Erwachsenwerden und echte Freundschaft. Und auch Hansi Kraus, der damals in den 60er Jahren die Rolle des „Ludwig“ spielte, konnte für „Seppi und Hias. Bayerisch-türkische Lausbubengeschichten“ wieder gewonnen werden: Er spielt den Vater von Hias. Nur dass sich zu der Hommage an den bayerischen Heimatschriftsteller persönliche Kindheitserfahrungen der beiden Drehbuchautoren und Freunde Emre Koca und Florian Wammetsberger gesellen. Die Geschichte zweier kleiner Lausbuben aus den 70er Jahren in die Gegenwart übertragen, aus multikulturellem Blickwinkel, eine „Kultursatire“ (Koca) sozusagen. Im Vordergrund stehen das Verhältnis zwischen Ursprung und Heimat, Integration und Tradition. Wie der neunjährige Yusuf ist Koca aus der Türkei ins dörfliche Beuerberg gekommen und mehr oder weniger bei Wammetsbergers Familie aufgewachsen. Die Tante, die „Emre“ nicht aussprechen konnte, hatte ihn bayerisch „Emmerich“ genannt. „Wir haben damals schon gemeinsam im Kreitmeier-Weiher gebadet“, erzählt Koca, „aber etwas braver als Seppi und Hias waren wir schon.“ An der Freundschaft zwischen den beiden hat sich bis heute nichts verändert.

Die persönliche Verbundenheit mit dem Projekt ist Regisseur und Mitproduzent Koca bei den Dreharbeiten, die in den Pfingstferien rund um Beuerberg stattfinden, anzumerken. „Seppi und Hias“ ist seine Abschlussarbeit für die Filmhochschule München (FFH). Fast zwei Jahre hat er mit Wammetsberger am Drehbuch für die 30-minütige Komödie gefeilt, die nächstes Jahr im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist.

Der Elan des Nachwuchsfilmers aus München ist auf die beiden Protagonisten Can Schneider (10) alias „Seppi“ und Thomas Schöttl (12), den „Hias“, übergeschwappt. Für den Wolfratshauser und den Lenggrieser ist es der erste Dreh, die Laien merkt man ihnen dennoch nicht an. Thomas Schöttl hat sein Ziel schon lange vor Augen. Als ihn seine Direktorin auf die Rolle ansprach, weil er doch Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ gelesen hatte, zögerte er nicht lange. Castings, Text lernen – alles kein Problem für den Zwölfjährigen, „und auch wenn man die Szenen oft machen muss, ist es ein Riesenspaß“. Besonders lange suchte die Castingagentur nach einem türkischen Jungen. Can Schneider wurde auf einer Modenschau von Agentin Laura Schneider angesprochen. Für die Rolle hat er extra bayerisch gelernt. Jetzt winkt sogar die Besetzung in einem Kinofilm.

Das einzige Problem, dem die beiden Nachwuchsschauspieler gegenüberstanden, waren die Leberkässemmeln. Bis die Schlussszene im Kasten war, mussten Seppi und Hias mindestens 40 davon essen. Für die beiden, die mittlerweile auch Freunde geworden sind, eine Überwindung. „Ich kann keine Wurstsemmeln mehr sehen“, sagt Thomas. Doch genauso wie Can weiß er: „Das isses wert.“ (ray)

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