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Kein eigenes Glasfasernetz will die Stadt Geretsried bauen. Aber sie überlegt, Leerrohre zu verlegen, um so für Betreiber einen Anreiz zu schaffen.

Neues Bundesgesetz könnte die Entscheidung abnehmen

Leerrohre für ein Glasfasernetz?

Geretsried - Soll die Stadt zum Aufbau eines Glasfasernetzes Leerrohre verlegen? Die Entscheidung könnte ein neues Bundesgesetz abnehmen.

Rund 28 Millionen Euro würde es nach heutigem Stand kosten, ganz Geretsried mit Glasfaser zu erschließen. Über 200 Kilometer Kabel müssten verlegt werden, um alle knapp 5000 Gebäude in der Stadt mit der neuen Technologie zu versorgen. Die Stadt kann und will sich den Aufbau eines solchen Netzes nicht leisten. Aber sie könnte für mögliche Netzbetreiber einen Anreiz schaffen, in dem sie bereits jetzt Leerrohre für Glasfaser verlegt. Im Stadtrat wurde dazu am Dienstagabend ein Masterplan vorgestellt.

Immer wieder stehen die Stadtwerke und auch das städtische Bauamt vor der Frage, ob sie bei ohnehin stattfindenden Tiefbaumaßnahmen Leerrohre für eine spätere Glasfasererschließung mitverlegen sollen. Weil beim Breitbandausbau rund 80 Prozent der Kosten im Tiefbau anfallen, würde dies eine Menge Geld sparen. Voraussetzung ist allerdings, dass man Leerrohre verlegt, die richtig dimensioniert sind und den technischen Anforderungen eines späteren Betreibers genügen, erklärte in der Sitzung Stadtwerke-Vorstand Jan Dühring. Dazu fehlte bislang ein Konzept. Deshalb hat der Verwaltungsrat der Stadtwerke vergangenes Jahr der Erarbeitung eines so genannten FTTH-Masterplans zugestimmt, also einer Glasfaserschließung bis in jedes Haus (Fibre To The Home). Der Auftrag ging an die Firma IK-T aus Regensburg.

„Erfahrungsgemäß wird eine Kommune alle 40 Jahre einmal umgegraben“

Gregor Strobl von der IK-T erläuterte am Dienstag das Konzept. „Glasfasernetze sind die Netze der Zukunft“, sagte der Ingenieur. Für Netzbetreiber sei der Ausbau im ländlichen Raum aber nicht rentabel. Deshalb wäre es sinnvoll, einen Anreiz zu schaffen und bereits jetzt bei Baumaßnahmen Leerrohre mitzuverlegen. Die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke würden diese auf eigene Kosten erstellen und später an den Betreiber verpachten. Laut Strobl könnte auf diese Weise über die nächsten zehn, zwanzig Jahre ein zusammenhängendes Netz entstehen. „Erfahrungsgemäß wird eine Kommune alle 40 Jahre einmal umgegraben.“

Dass der Glasfaser die Zukunft gehört, davon war Robert Lug nicht überzeugt. Seit Jahren laufe man doch der Technik hinterher, sagte der Freie-Wähler-Sprecher. „Wissen wir, was in 20 Jahren ist?“ Lug sprach sich deshalb dafür aus, keine Glasfaserrohre zu verlegen, sondern einfache KG-Rohre, wie sie in der Abwasserentsorgung zum Einsatz kommen – „ganz egal, ob später Glasfaser, Kupfer oder sonstwas reingelegt wird“. Gregor Strobl riet von einer solchen Lösung ab. Mit KG-Rohren könnten die Netzbetreiber nichts anfangen. „Dann müssten sie vor jedem Haus wieder aufgraben und hätten eigentlich nichts gewonnen.“

Letztlich nahm der Stadtrat den FTTH-Masterplan nur zur Kenntnis. Welche Strategie er künftig verfolgen will, blieb offen. Alternativ, so erklärte Stadtwerke-Vorstand Dühring, könne man auch gar nichts tun. Vielleicht wird dem Stadtrat die Entscheidung auch abgenommen. Das Bundeskabinett hat gestern den von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgelegten Entwurf für ein DigiNetz-Gesetz beschlossen. Damit werden öffentliche Versorgungsnetzbetreiber wie die Stadtwerke verpflichtet, ihre bestehende und geplante Infrastruktur für den Breitbandausbau zu öffnen. „In Zukunft gilt: Jede Baustelle bringt Bandbreite“, erklärte Dobrindt. „Wer Verkehrswege oder Neubaugebiete erschließt, muss Glasfaserkabel direkt mitverlegen.“

Sabine Schörner

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