Leiden, Tod, Auferstehung: Der Höhepunkt des Kirchenjahres

- Ivan Krizanovic und Manfred Waltl erklären die Osterliturgie

VON KERSTIN FRANKE Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Fußwaschung, das Verstummen der Glocken, die Osterkerze: Das Gedächtnis an Leiden, Tod und Auferstehung ist der Höhepunkt des Kirchenjahres, das Osterfest das ritenreichste aller christlichen Feste. Unsere Zeitung hat den katholischen Pfarrer sowie den Pastoralreferenten der Geretsrieder Maria-Hilf-Gemeinde, Pater Ivan Krizanovic und Dr. Manfred Waltl, gebeten, die Osterliturgie zu erläutern.

Zu später Stunde findet der Gottesdienst am Gründonnerstag statt. "Gefeiert wird der Jahrestag des letzten Abendmahls", erklärt Pfarrer Krizanovic. "Dieses Ereignises gedenken wir übrigens jedes Mal, wenn wir in der Heiligen Messe das Brot brechen - also Eucharistie feiern."

In vielen Kirchen, auch in Maria Hilf, werde an Gläubigen, die sich am Gründonnerstag versammeln, noch eine weitere symbolische Geste praktiziert. "Wie Jesus es bei seinen Jüngern getan hat, wäscht der Pfarrer zwölf Gemeindemitgliedern die Füße und erinnert so an den Dienst, den Christus an den Menschen tut", berichtet Krizanovic. "Nach der Messe werden die Gläubigen dann zur stillen Anbetung aufgerufen", fügt Waltl hinzu. Sie sollen es Jesus gleichtun, der nach dem Abendmahl auf den Ölberg ging, um zu seinem Vater zu sprechen.

Die Kartage stehen dann unter dem Zeichen der Trauer. "Am Feitagvormittag treffen sich die Christen oft, um gemeinsam die Stationen des Kreuzweges abzugehen", sagt Krizanovic. "Um 15 Uhr - zu diesem Zeitpunkt begann nach biblischer Überlieferung Jesus Todesstunde - finden sie sich in der Kirche zusammen, wo am Trauertag keine Eucharistie gefeiert wird." Der Pfarrer teile allenfalls Hostien aus, die bereits am Gründonnerstag geweiht wurden.

Außerdem werde man überall im Gotteshaus an Christi Tod erinnert, so die Theologen. Eine unheimliche Wirkung gehe zum Beispiel vom leeren und weit geöffneten Tabernakel - gewöhnlich Aufbewahrungsort des Allerheiligsten, der Monstranz - aus, meint Pfarrer Krizanovic. "Außerdem ist im Gotteshaus ein Grab aufgebaut", ergänzt Waltl. Davor finden sich die Gläubigen vor allem am Karsamstag ein, um still zu beten.

Die Auferstehung Christi wird dann in der Osternacht gefeiert - in einem Gottesdienst zwischen 21 Uhr und 5 Uhr in der Früh. "In der Dunkelheit wird das Osterfeuer entzündet und mit Hilfe der Osterkerze in die dunkle Kirche getragen", erklärt Krizanovic. Das verdeutliche, dass mit Jesus das Licht in die Welt kommt.

"Beim Gloria-Gesang jubeln alle Glocken und die Orgel, die seit dem Gloria im Gründonnerstags-Gottesdienst verstummt waren", sagt Waltl. Die Kirchgänger erneuern ihr Glaubensbekenntnis, und der Pfarrer segnet sie mit zuvor geweihtem Wasser.

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