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Die Gitarre ist immer mit dabei: Auch bei seiner Lesung in Tölz wird der Autor Anatol Regnier aus Ambach, der auch klassischer Gitarrist ist, Musik machen.

Künstler in Buchhandlung Urban

Lesung: Einblicke in das Leben von Promi-Kindern

Münsing/Bad Tölz – Viele beneiden Kinder prominenter Eltern, denen durch ihren Bekanntheitsgrad vermeintlich alle Türen offen stehen. Doch es kann auch eine Bürde sein.

In seinem neuen Buch „Wir Nachgeborenen“ zeigt Anatol Regnier beide Seiten der Medaille. Am morgigen Donnerstag, 30. Oktober, liest der in Ambach am Starnberger See lebende Künstler daraus in der Tölzer Buchhandlung Urban.

Anatol Regnier ist nicht nur der Sohn der Schauspielers Charles Regnier und Pamela Wedekind, sondern auch der Enkel des Dramatikers Frank Wedekind. „Für mich war mein Name aber nie ein Hindernis“, bekennt der 69-Jährige. Das liege vor allem daran, dass er kein Schauspieler geworden sei und deshalb nie mit seinen Eltern verglichen wurde. „Das habe ich mir erspart.“

Andere hatten da mehr zu kämpfen, etwa Gero Erhardt, der Sohn des Komikers und Schauspielers Heinz Erhardt. Gero musste schon früh erkennen: „Ein Papa zum Anfassen war er nur in Anwesenheit der Presse.“ In Regniers Buch kommen neben Erhardt auch die Nachkommen der berühmten Schriftsteller Thomas Mann und Hans Fallada zu Wort. Viel Raum nimmt außerdem Regniers eigene Familiengeschichte ein. Kein Wunder, sie ist durchzogen von den großen Namen ihrer Zeit. So gehörten etwa Heinrich und Thomas Mann zum Kreis um Frank Wedekind. Gustaf Gründgens sowie Erika und Klaus Mann prägten später das Leben von Pamela Wedekind. „Und der bedeutende Dichter Gottfried Benn war die „große Liebe meiner Großmutter Tilly“, sagt Regnier. Er habe zwar die meisten dieser Menschen zwar selbst nie zu Gesicht bekommen. „Aber ihre Namen wurden so häufig genannt, waren so sehr Teil der Atmosphäre, in der ich aufgewachsen bin, dass eine Art familiäre Nähe entstanden ist.“ Eine wichtige Rolle spielt in dem Zusammenhang auch sein Elternhaus – das Malvenhaus in Ambach: „Dort laufen unendlich viele Fäden zusammen.“

Regnier selbst hat nie darunter gelitten, dass er nicht so berühmt geworden ist wie sein Vater, der in den 1950er und 60er Jahren zu den meistbeschäftigten deutschen Theater- und Filmschauspielern gehörte. Regnier hingegen kann auf eine „respektable, aber nicht spektakuläre Karriere“ als Klassik-Gitarrist zurückblicken. Sich selbst gefunden hat er sich aber erst, als er vor 20 Jahren mit dem Schreiben angefangen hat. „Die Gene kommen wohl doch irgendwie durch.“ Für die Biographie über seinen Großvater („Frank Wedekind – eine Männertragödie“) wurde Regnier 2012 mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.

Bei seiner Lesung in der Buchhandlung Urban gibt er amüsante und tragische Einblicke in die Schicksale von Menschen, die aus einer berühmten Familie stammen. Musikalisch begleitet sich Regnier selbst: „Meine Gitarre ist immer dabei.“ Nach der Lesung haben die Zuhörer Gelegenheit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. „Ich stehe nicht nach zwei Kapiteln auf und gehe.“

Silke Scheder

Info

Die Lesung beginnt um 19 Uhr. Karten gibt es für zwölf Euro in der Buchhandlung Urban (Tölzer Marktstraße).

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