„30 000 Leute, die stinksauer sind“

Königsdorf - Die CSU-Fraktion will den Anschluss der Königsdorfer Wasserversorgung an die Versorgungsleitung der Münchner Stadtwerke prüfen lassen. Ein entsprechender Antrag wurde in der Ratssitzung am Dienstag behandelt.

„Aufgrund der bisherigen Entwicklung in Sachen Königsdorfer Trinkwasser sehen wir uns gezwungen, diesen Antrag zu stellen“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: Die Anordnung des Gesundheitsamtes das Trinkwasser nach UV-Behandlung und Chlorierung auch noch vor Gebrauch abkochen zu müssen, erzeuge in der Bevölkerung Unmut.

Die Äußerung des Gesundheitsamtes und des Landrats, dass dieser Sachstand noch lange keine Grundlage für den so genannten Notfall sei, der einen Anschluss an die Münchner Versorgungsleitung rechtfertige, verunsichere die Menschen. Der Bürger, so der CSU-Fraktionsvorsitzende Sebastian Seidl in der Sitzung, könne dies nicht nachvollziehen. Entweder sei das Trinkwasser wirklich so schlecht und das Landratsamt nimmt mit der Notfallverweigerung die Gefährdung der Bevölkerung in Kauf. Oder das Problem Trinkwasser sei nicht so dramatisch und gesundheitsgefährend, so dass die Anordnung nur als Druckmittel auf die Gemeinde zu verstehen sei. „Das ist nicht gerecht gegenüber dem Bürger“, schimpfte Seidl. Hier werde mit den Gefühlen der Leute gespielt. Das Abkochen bedeute eine große Belastung. Besonders schwierig sei die Lage für die Menschen, die sich zu Hause um Kranke oder Schutzbefohlene kümmerten.

Der Gemeinderat stand dem CSU-Antrag grundsätzlich positiv gegenüber. Georg Köberl (UBL) meinte, dass man „nichts unversucht lassen sollte“, auch wenn der Antrag in der Sache wohl ins Leere gehen werde, weil der „Notfall“ bereits gegenüber Geretsried verneint worden sei. Rainer Kopnicky (FW) äußerte volles Verständnis, dass der Bürger nach eineinhalb Jahren sich nicht mehr mit chloriertem Wasser waschen oder damit kochen wolle. Das Landratsamt ziehe sich als reine Ordnungsbehörde zurück.

Bürgermeister Anton Demmel erklärte, dass er seine Hoffnung darauf setze, die Experten an einen Tisch zu bringen –das Technologiezentrum Wasser (TZW), das derzeit ein Gutachten über das Wasserschutzgebiet in Königsdorf-Wiesen erstellt und dem Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Köberl fände es angemessen, wenn der Landrat in den Königsdorfer Gemeinderat komme, damit man ihm die Sorgen der Bürger vortragen könne. „Immerhin geht es zusammen mit Geretsried um rund 30 000 Leute, die stinksauer sind.“ Der CSU-Antrag wurde einstimmig befürwortet und die Verwaltung beauftragt, den Antrag in Kooperation mit den Stadtwerken Geretsried zu stellen. (yvi)

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